Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der hundertachtundsiebzigste Tag im Danach: Herumlaufen

23. Juli 2021. Freitag. Um 6:15 Uhr aufgewacht und leise aufgestanden. B. schläft noch. Hier ist er also nicht um vier wach wie zu Hause. Ein gutes Zeichen? Oder war es doch etwas viel gestern?

Ich trinke meinen ersten Kaffee auf der Terrasse und bin glücklich. Ich hänge nicht an diesem Haus und diesem Garten, aber die Gegend, der Ort, irgendein Haus und irgendein Garten wären schon schön. Oder noch lieber eine Mietwohnung mit Garten, so wie bei der Bekannten R. hier im Ort – das wäre es.

Um 10:00 ein Telefontermin mit einer Kundin. Er ist nicht so anstrengend wie befürchtet, und danach habe ich den Kopf frei. Nach einem schnellen Frühstück spazieren wir den Berg runter in den Nachbarort und dann ein wenig am Fluss entlang. Etliches Treibgut schwimmt noch im Wasser, hat sich an den Steigern verfangen. Der Pegel ist aber schon wieder unter der ersten Warnmarke. Die Ausflugsdampfer fahren zum Großteil trotzdem nicht. Vielleicht am Wochenende?

Wir gehen einkaufen und verpassen knapp den Bus. Es ist warm, aber wir finden ein Schattenplätzchen und warten auf den nächsten.

Freund B. wird maulig, wenn er müde oder erschöpft ist. Ich kenne das von mir und habe Verständnis, denke aber, man kann auch ein bisschen höflicher damit umgehen, schließlich sind wir kein Paar. Oder sollte ich das als Kompliment nehmen, dass er sich in meiner Gesellschaft so entspannt fühlt, dass er sich gibt, wie ihm gerade ist? Mir egal, ich finde es eher ein wenig unhöflich und nervig. Beobachten.

Oben angekommen, räume ich die Einkäufe weg und nehme einen Imbiss zu mir, während er Mittagessen macht (Pellkartoffeln, Sahnehering). Dann essen wir im Garten, und anschließend verzieht sich jeder in einen Gartenstuhl. Ich bekomme den Liegestuhl, lese eine Weile und schlafe auch ein halbes Stündchen, er liest irgendwas oder macht Sudoku.
Der Nachbar bringt Johannisbeeren aus dem Garten vorbei.

Nach dem Kaffee brechen wir am Spätnachmittag nochmal zu einem Spaziergang auf. Ich wähle eine nicht so anstrengende Strecke durch den Wald, am Bach entlang, dann oben über die Wiesen und durchs Dorf zurück. Der Weg durch die Wiesen ist vom Starkregen letzte Woche ausgewaschen, eine tiefe Rinne wurde ausgespült. Ich erinnere mich, vor fünf Jahren, als ich im Sommer allein hier war, war das auch so.

Zum Abendbrot mache ich Omelett und brate den Riesen-Champignon, der tatsächlich auf unserer Wiese gewachsen ist. Wenn schon nach Jahren endlich mal ein essbarer Pilz in unserem Garten steht, dann wird er auch gegessen!

Wir trinken Wein und sitzen noch lange, reden, schauen in den Himmel, sehen die ISS. Es ist nett, aber ich merke, wie fremd mir Freund B. ist – und wie wenig gemeinsame Interessen wir haben.
Und wie sehr ich H. vermisse.
So schön es ist, nicht allein hier zu sein – ob Freund B. die richtige Gesellschaft ist, bin ich mir nicht sicher.

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
Wie liebevoll sich die Nachbarn um mich kümmern. Ich profitiere von den positiven Erfahrungen, die sie mit H. und seiner Mutter gemacht haben.

What I did today that could matter a year from now:
?

Was wichtig war:
Bewegen.
Spazieren.
Reden.
Zuhören.
Weinen.
Kochen.

Begegnungsnotizen:
Freund B.
Nachbar D.
Menschen im Bus und im Supermarkt.

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