Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der hundertneunundsiebzigste Tag im Danach: Abgebrochener Stadtspaziergang

24. Juli 2021. Samstag. Schlecht und zu wenig geschlafen; nach guten sechs Stunden um 7:40 Uhr aufgestanden.
Die erste Hälfte meines Kaffees trinke ich allein auf der Terrasse, dann kommt Freund B. dazu.

Er drängelt ein wenig, will einkaufen. Da ist er komisch: Wenn er etwas geplant hat, dann muss es umgehend erledigt und „abgehakt“ werden, sonst wird er ungeduldig.
Also brechen wir nach dem Frühstück auf und nehmen den Bus um halb elf in die Stadt. Dort ist es noch leer, es ist ein wenig zu früh, außerdem nieselt es.

Wir erledigen seine „dringenden“ Einkäufe, und ich führe ihn noch ein wenig kreuz und quer durch die Altstadt. Er kommt brav mit, aber es interessiert ihn im Grunde nicht. Er hat schon schönere Altstädte gesehen, das hier sind halt alte Häuser und Geschäfte, was soll er damit?
Überhaupt interessieren ihn außer Musik wenig Dinge wirklich.

Kaffee und Kuchen in einem der beiden besseren Cafés der Stadt sind dann in Ordnung, aber der Spaziergang am Fluss entlang ist wieder uninteressant. Ist halt ein Fluss. „Ich will nach Hause!“ mault er irgendwann ziemlich unvermittelt, und ich bin ein wenig verschnupft, dass meine Bemühungen, ihm „meine“ Stadt zu zeigen und nahezubringen, was ich hier mag, so völlig verpuffen.

Also wandern wir auf dem kürzesten Weg zu einer Bushaltestelle und fahren wieder heim. Komischer kurzer Ausflug, aber gut. Ihm stecken anscheinend unsere beiden Spaziergänge gestern noch in den Knochen, und ich merke schon, er ist nicht wirklich belastbar.

Er äußert aber auch nicht, was er will: Wenn ich eine Unternehmung oder ein Ziel vorschlage, ist alles uninteressant oder zu anstrengend. Sitzt er dann zu Hause, ist ihm langweilig.
Ich beschließe, dass mir das egal ist. Ich bin nicht zuständig für seine Bespaßung, vor allem, wenn er nicht äußert, was er will, weil er es wohl selbst nicht weiß. Ich ziehe mich zurück, mache meinen Kram, bin aber ansprechbar.

Immerhin kümmert er sich ums Essen und um Kaffee; er benimmt sich nicht wie ein Gast, der sich bedienen lässt, das ist schon mal gut.

Abends sitzen wir lange, er spielt und singt sein Repertoire durch, das ich schon zu verschiedenen Gelegenheiten gehört habe, etwa bei einem kleinen Fest in seinem Garten, damals, als sie noch das winzige Grundstück an der Havel hatten. Ein, zwei Stücke singe ich mit; er gibt nicht zu erkennen, ob ihm das gefällt oder eher nervt. Mir ist es jetzt auch egal: Wer in meinem Haus singt, muss damit rechnen, dass ich mitsinge…

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
Singen.

What I did today that could matter a year from now:
?

Was wichtig war:
Unterwegs sein.
Regen spüren.
An H. denken.
Traurig sein.
Musik aushalten.
Nett sein.

Begegnungsnotizen:
Freund B.
Menschen im Bus, in Geschäften, im Café.

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