Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Lebenszeichen

31. August 2021. Dienstag. Mich erreichen Nachfragen nach meinem Befinden, vielen Dank dafür und: Keine Sorge, alles „gut“, nur eben auch alles ein bisschen viel.

Im Juli, August und September stehen die meisten und wichtigsten Geburtstage in meiner Familie an, unter anderem feierte ich auch meinen eigenen, und das war wirklich extrem hart und alles etwas viel in diesem Jahr.
H. und ich hatten da – wie wohl jedes Paar – unsere besonderen Rituale, und er fehlte mir rund um die Uhr und äußerst schmerzlich.

Ich weine also viel dieser Tage und denke nach und schreibe auch, aber ich muss ja auch arbeiten, und dann fehlen irgendwann Zeit und Kraft, hier auch noch öffentlich zu schreiben.

Immerhin arbeite ich jetzt mehr, zumindest theoretisch, denn im Augenblick arbeite ich eher weniger – aber ich könnte mehr arbeiten, so rein kräftemäßig. Tatsächlich hindern mich dann Geburtstage, Impftermine, Krankenhausaufenthalte der Eltern und Forderungen von Ämtern nach Beibringung bestimmter Informationen und Unterlagen, die auch herausgesucht, zusammengestellt und aufbereitet werden wollen, daran, mich auch noch ausreichend um die Erwerbsarbeit zu kümmern, aber das ist ja wichtig (Geld) und wird in diesen Tagen verstärkt wieder losgehen.

Die Wochenenden sind nun arbeitsfrei, das habe ich gemeinsam mit meiner Trauerbegleiterin beschlossen, die etwas Sorgen hat, ich kümmere mich zu wenig um mich und meine Bedürfnisse außerhalb der unmittelbaren Trauerarbeit (nachdenken, weinen, schreiben). Es gibt jetzt also „freie“ Wochenenden.
Die sind aber nicht frei, denn im Sommer häufen sich die Termine und so geht es seit Mitte Juli rund:
Krankenhausbesuch beim Vater. Steuererklärung für H. fürs letzte Jahr (der Schwager drängelt). Erster Impftermin. Geburtstag P.
Fahrt mit Freund B. nach K.
Dort Gartenarbeit (klar, schön, aber eben auch anstrengend, wenn man es machen muss und nun gerade nicht so wirklich Lust darauf hat) und Menschen treffen (dito) und Haus in Ordnung bringen (dito). Und natürlich arbeiten.
Für sechs Tage Rückfahrt nach Berlin. Nachricht vom erneuten Krebsausbruch bei Freund F., diesmal scheint es besonders ernst zu sein. Termin Trauerbegleiterin. Geburtstag M. Treffen Freundinnen B. und E. Treffen P.
Erneute Fahrt nach K. Gartenarbeit, Menschen treffen, Haushalt – siehe oben. Diesmal noch reich beschenkt mit Erzeugnissen aus anderen Gärten, die verarbeitet werden wollen, also Holundersaft gemacht, Kräuter gehackt und eingefroren, Bohnen eingeweckt. Zucchini und Gurken habe ich mitgenommen.
Wieder zurück nach Berlin fahren. Mein Geburtstag. Die Trauerbegleiterin im verdienten Urlaub, also zusehen, wie ich selbst klarkomme mit der Situation (wir haben da natürlich einiges vorbereitet). Zweiter Impftermin.
Unterlagen für H.s Schwester bzw. Schwager zusammentragen, die sie bezüglich des Erbes selber für ihre Steuererklärung brauchen. Mich durch 30 Jahre nur teilweise sortierte GEMA- und Wohnungs-Unterlagen gewühlt.
„Nebenbei“ noch an zwei sehr wichtigen und umfangreichen Kundenprojekten gearbeitet, auf laufende Anfragen reagiert, mich mit Geldsorgen herumgeschlagen, getrauert und angefangen, eine kleine Feier mit Freunden zu H.s Geburtstag im September zu planen.

Alles ein bisschen viel.

Und es geht weiter:
Bis Mitte/Ende September müssen drei mittelgroße Kundenprojekte fertig sein (zwei davon noch nicht mal begonnen).
Am nächsten Wochenende kommt ein Cousin samt Frau, den ich seit 30 Jahren nicht gesehen habe (die Frau noch nie), und man wünscht sich etwas gemeinsame Zeit und vielleicht „Berlin aus Sicht eines Berliners“.
Das Wochenende darauf fahre ich ins Allgäu zum runden Geburtstag eines Onkels. Drei Tage angefüllt mit insgesamt mindestens 16,5 Stunden im Zug, einer Geburtstagsfeier, einem Familienessen und etwas Besichtigungsprogramm.
Dann H.s Geburtstag.
Dann bei P. den Garten klar machen, noch eine Sauerkirsche kaufen und pflanzen, das Tomatenhaus und den Pavillon abbauen und insgesamt aufräumen.
Dann nach K. fahren und alle 30 Sträucher, Rosen und zwei Hecken individuell und kräftig zurückschneiden. Die Obstbäume spare ich mir wahrscheinlich für den Winter auf.
Und dann die Advents- und Weihnachtszeit durchstehen.
Und dann den Januar, diesen Horrormonat. Alles nochmal durchleben: H.s Krankheitsgefühle und Schwäche, seinen Zusammenbruch, die zwei Wochen im Krankenhaus, seinen Tod.

Kann also sein, dass ich hier nur äußerst sporadisch mal Laut gebe…

Lieben Dank Euch allen für Worte, Gedanken und Nachfragen!

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