Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der zweihundertneununddreißigste Tag im Danach: Es nimmt kein Ende

22. September 2021. Mittwoch. Freund F. hat gestern Abend den Kampf gegen den Krebs verloren und ist nach Einleitung von Palliativmaßnahmen tatsächlich friedlich eingeschlafen; Freundin K. war die ganze Zeit bei ihm und hat ihn hinübergeleitet auf seiner letzten großen Reise.

Anders als bei Todesfällen in den vergangenen Jahren ist mir nicht nach einem Nachruf.
Ich freue mich für K. und F., dass sie die letzte Zeit wach und bewusst miteinander verbringen, sich verabschieden konnten. Dass F. sich verabschieden und am Ende loslassen konnte, dass der Tod kein Kampf war. „Fahren wir jetzt los?“ fragte er K. in einem der letzten halbwachen Momente – „Wohin denn?“ – „Nach Finnland…?“ Das sollte die nächste größere Reise werden, kreuz und quer durch Skandinavien bis nach Finnland. Vielleicht wird K. sie allein machen, irgendwann.

Ein wenig neidisch bin ich auch, dabei weiß ich gar nicht, ob ich mir einen solchen Abschied mit H. gewünscht hätte, ob ich ihn hätte gehen lassen können.

Ich treffe mich abends mit Freundin B., die erschüttert ist und auch irgendwie resigniert: „Das ist jetzt der vierte, der vorletztes Jahr bei meinem runden Geburtstag war und nun nicht mehr lebt.“ Dieses Jahr häufen sich die schlechten Nachrichten, allein aus B.s nahem Umfeld sind jetzt schon mindestens drei Menschen gestorben (keiner an Corona), dazu einige aus dem weiteren Umfeld, andere sind schwer krank.
Es ist ein Scheiß-Jahr.

In all diesem Mist hat sich für mich eine wnderbare Möglichkeit ergeben, ich habe nämlich heute die Gelegenheit am Schopf gepackt und bei einem von mehreren „dienstlichen“ Telefonaten mit TSO nochmal insistiert, wie gerne ich bei ihnen mitarbeiten würde. Dieses Mal hat er es nicht gleich abgewimmelt oder versickern lassen, sondern rief anderthalb Stunden später an und bot mir einen „Kennenlerntermin“ mit seiner Geschäftspartnerin am Freitag an. Sie haben anscheinend dringenden Bedarf an Unterstützung, es lohnt also, beharrlich zu sein.
Ich freue mich wie doof und fühle mich ein bisschen schlecht angesichts der Situation mit F. und K., aber das ist das Brutale: Das Leben geht weiter.
Und für mich darf es jetzt auch mal etwas zuversichtlicher werden…

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
Gespräche, Kontakte, etwas zurückgeben. Freudige Erregung.

What I did today that could matter a year from now:
Einen Kontakt vermitteln.
Ein Angebot machen.

Was wichtig war:
Ruhig bleiben.
Handeln.
Fragen.
Sprechen.
Mich freuen.
Da sein.

Begegnungsnotizen:
Freundin B.
J. im Restaurant

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