Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

„Mit Entsetzen“

31. Oktober 2020. Samstag. Wecker um halb sechs. Ich hatte die ganze Nacht Zahnschmerzen und konnte erst einigermaßen schlafen, als H. gegen halb zwei ins Bett ging.
Gerädert. Knochenmüde. Ich mag so sehr nicht mehr.

Vom Auftraggeber des GroßenGrausigenProjekts ist gestern Abend eine Mail an die Agentur und mich rausgegangen, in der sie ihr „Entsetzen“ über den aktuellen Stand der Seite äußern müssen. Von angeblichen handwerklichen Fehlern ist die Rede, von „das haben wir alles so nicht gewollt“ und „das muss alles anders“.

Längere Strategiebesprechung mit dem Designer. Mein Fokus ist: Die Seite muss morgen online gehen, no matter what. Ansonsten können Sie uns wegen angeblicher Nichterfüllung des Vertrags richtig Schwierigkeiten machen.

Der Designer telefoniert mit dem Terrier des Auftraggeber-Chefs. Die tatsächlichen Kritikpunkte stellen sich im Gespräch als absolut lächerlich heraus: Man wünsche sich an dieser oder jener Stelle einen anderen Bildausschnitt; auf einem extrem großen Bildschirm überlappen sich ein Text und ein Bild; man hadere immer noch mit bestimmten grafischen Elementen (den Vorschlag, diese zu entfernen mit dem Risiko, dass das Layout dann optisch „auseinanderfällt“, lehnt man aber ab).

Also alles nur heiße Luft und vor allem wohl Ausdruck einer gewissen Frustration, dass man aus Zeitmangel weniger Einfluss auf Details hat als man gerne hätte.
Nun, wir haben den Zeitrahmen nicht gesteckt.

Von 7:30 bis 18:45 Uhr an der Seite gearbeitet und letzte Probleme in verschiedenen Ansichten/ Bildschirmgrößen behoben. Morgen kommt dann nochmal eine Ladung Fotos.

Zwischendrin essen, kurzer Einkauf, ein paar Überweisungen machen.

Abends auf ARTE die Doku „Der Untergang der Romanows“.
Zum Abendbrot Räucherforelle mit Salat und Baguette.

Woran ich mich erinnern will:
Strategie. Steuerung. Kontrolle.

What I did today that could matter a year from now:
Jemndem ins Gewissen reden.

Was wichtig war:
Nicht in Panik geraten.
Ruhe bewahren.
Überzeugungsarbeit leisten.
Ackern.

Standard
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Es zieht sich

Trigger-Warnung: In diesem Text ist von einem Todesfall im näheren Umfeld die Rede.

30. Oktober 2020. Freitag. Aufgestanden kurz vor sechs. Nachts mehrmals wach geworden und wieder Schweißausbrüche gehabt. Diese nächtlichen Hitzewallungen können ja nun eigentlich nichts mehr mit irgendwelchen „Wechsel“jahren zu tun haben, oder? Vermutlich einfach Stress.

Vor dem Tag hat mich gegraut, weil heute beim GroßenGrausigenProjekt eigentlich alles fertig sein muss, bevor die neue Website am Sonntag online gehen kann.

Aber ich bin gut vorangekommen, für heute stand jetzt letztendlich nur noch ein Brocken an, und den habe ich zwar nicht ganz geschafft, aber soweit, dass ich morgen Vormittag wohl entspannt fertig werde.

Ein Lob an den Agenturchef: Obwohl er ein organisatorischer und kommunikativer Schluri ist, hält er nun in der letzten Woche wunderbar den Kontakt, versucht mich zu unterstützen, wertschätzt meine Arbeit, meine Zeit und meine Kraft und hält mir gegenüber dem Kunden den Rücken frei. Danke dafür!

Mittags schnell einen Blitzeinkauf fürs Abendessen erledigt. Es fällt auf, dass nun viele Menschen auf der Straße Maske tragen, selbst in ruhigen Seitenstraßen und obwohl bei windigem Regenwetter kaum Menschen unterwegs sind. Man erinnert sich plötzlich auch wieder, dass man den Bürgersteig in der gesamten Breite nutzen kann und hält möglichst Abstand zu den Entgegenkommenden. Unter den Maskenträgern sind mehr junge als ältere Leute

H. war bei einer Kundin und kommt anschließend gegen vier zu mir. Er sieht eine SMS von einem langjährigen Freund und ehemaligem Mitmusiker, die eine Stunde vorher gekommen war und ist geschockt: die Frau des Freundes ist heute gestorben.
Sie hatte letztes Jahr irgendwas Lebensbedrohliches am Darm, eine Verschlingung, ein Riss, ich weiß es nicht mehr. Bekam einen künstlichen Darmausgang. Schwächelte lange. Entwickelte eine Angst- ud Zwangsstörung. Schwächelte immer mehr. In den letzten Wochen wurde sie zunehmend verwirrt, womöglich Anzeichen für ein Runterfahren der Körperfunktionen. Nun ist sie gestorben. Für die Außenstehenden kommt das sehr überraschend; noch konnte H. nicht mit dem Freund sprechen, ob es sich für ihn angedeutet hatte.
Ich kannte die Frau und mochte sie nicht besonders, aber für H. ist es ein Schock, wurde er doch eine Zeitlang, als es ihm sehr schlecht ging, von der Familie warm umsorgt und auch finanziell unterstützt. Sehr gute Freunde also.
und natürlich triggert das gesamte Setting seine Gefühle um den Tod seiner Mutter vor einigen Jahren; etwas, was noch lange nicht verdaut ist.

Wir lassen das Abendbrot ausfallen, jeder mümmelt lustlos irgendein Brot; belanglose Reiseberichte im Fernsehen bieten ein wenig Ablenkung.
Jetzt sitzt er da mit Kopfhörern und macht Musik, es wird wohl eine lange Nacht.
Und ich bekomme Zahnschmerzen.

Woran ich mich erinnern will:
Im Regen gehen.

What I did today that could matter a year from now:
.

Was wichtig war:
Machen.
Dranbleiben.
Durchhalten.
Zuhören.

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Stures Abarbeiten der Liste

29. Oktober 2020. Donnerstag. Geschlafen bis kurz vor sechs. In mich reingehört: Bauch: ok. Kopf: ok. Sonstiges: leichte Nackenschmerzen, aber ansonsten ok.
Endspurt!

Ich schaffe weniger als gehofft, aber genug, um abends die Agentur in der ersten Korrekturschleife auf die neue Seite loszulassen.
Das waren zehn Stunden am Rechner, unterbrochen von kurzen Essens- und Klopausen.

Morgens noch ein Telefonat mt einer Neukundin und ein paar Mails, abends Blumen gegossen und Geschirr gespült.

Keine Ahnung, was in der Welt passiert ist oder ob draußen Wetter war, ich erfahre es, ganz wie früher, erst abends in den Nachrichten.

Der Lärm lässt mich seltsam kalt. Wie wollt Ihr es denn in den Griff bekommen? Augen zumachen wie ein Dreijähriger (Was ich nicht sehe, ist auch nicht da) bringt einen nicht weiter, dafür gibt es international bereits genug Beispiele. Wir wissen zu wenig und außer Jetzt bleiben mal alle zu Hause scheint es aktuell eben keinen besseren Weg zu geben. Und wenn alle nicht freiwillig zu Hause bleiben, muss man sie eben zwingen. Zuerst nimmt man die Gründe weg rauszugehen, später patroullieren dann Polizei und Militär. Scheiße, klar. Ungerecht gegen Gastwirte und Hoteliers, die sich mühsam über den Sommer gebracht haben. Existenzbedrohend für die Kulturszene. Aber was wäre die Alternative?

Abends auf ARTE die Doku Das Gesetz der Serengeti über Schlüsselarten inökologischen Systemen.

Zum Abendbrot Linsen aus der Dose mit Wiener Würstchen. H. hat schon fantasievoller gekocht, er ist wohl auch eingerostet…

Woran ich mich erinnern will:
Das gute Gefühl, wenn die To-Do-Liste leer ist, weil vieles erledigt und der Rest auf den nächsten Tag verschoben wurde.

What I did today that could matter a year from now:
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Was wichtig war:
Machen, machen, machen.
Ausnahmsweise einfach über den toten Punkt hinwegrbeiten (solange es nicht zur Gewohnheit wird…).
Dehnen und atmen und ein wenig anwenden, was ich bei Yoga with Adriene (YouTube-Kanal) gelernt habe

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Weiter, weiter, immer weiter

28. Oktober 2020. Mittwoch. Aufgestanden kurz vor sieben mit Kopfschmerzen von verspanntem Nacken. Die Aussicht, nach einer Aspirin wieder Darmkrämpfe zu bekommen, hindert mich zuerst daran, eine zu nehmen. Die Aussicht wiederum, mit den Kopfschmerzen „einfach mal“ klarzukommen, stresst mich und verstärkt den Schmerz. Kopfschmerzen oder Klo?
Ich entscheide mich gegen Kopfschmerzen und nehme eine niedriger dosierte Brausetablette. Sie wirkt auch weniger, dafür hält sich das Gegrummel später in Grenzen.

Immerhin hatte ich nachts um eins eine Eingebung für das aktuell noch anstehende größere Problem beim GroßenGrausigenProjekt (GGP). Der Kopf arbeitet momentan halt rund um die Uhr, kein Wunder, dass er wehtut. Der Körper schreit jetzt schon sehr laut nach einer Pause…
Nur noch ein paar Tage durchhalten!

Die Idee erweist sich als fast schon genial; woran ich vorgestern noch Stunden herumknabberte, geht heute in einer Stunde, und dann steht der Rohbau. Jetzt noch Tapeten und Farbe dran und ein kleineres Problem angehen, dessen Lösung mir hoffentlich heute Nacht einfällt, dann war’s das.

Der Zeitplan wird jetzt doch sehr, sehr knapp, aber ich denke mir: Wenn sie keine Zeit mehr haben, wird die Agentur jetzt auch nicht mit gigantischen Änderungswünschen kommen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Am Montag wollte ich eigentlich zur Feier des vorläufigen Abschlusses mit H. essen gehen, daraus wird nun nichts. Ich hoffe, das Restaurant meiner Wahl bietet Essen zm Abholen an, dann machen wir es uns bei Kerzen und ener Flasche Wein zu Hause gemütlich.

Abends den Rest Wirsing mit Kartoffeln und Bockwurst gestreckt; auf ARTE Thérèse mit einer beeindruckend wütenden und verbitterten Audrey Tautou.

Woran ich mich erinnern will:
Wenn kurz die Sonne durchbricht und die Küche mit Licht flutet.

What I did today that could matter a year from now:
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Was wichtig war:
Dranbleiben.

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Leute abwimmeln

27. Oktober 2020. Dienstag. Nachts insgesamt anderthalb Stunden mit heftigen Schmerzen auf dem Klo verbracht: Aspirin und Wirsing in Kombination hatten durchschlagenden Erfolg. „Aus“geschlafen bis sieben.

Der Psyche geht es besser heute, der Bauch brennt. Nachdem ich morgens alle Mails beantwortet und alle mehr oder weniger abgewimmelt habe, kann ich immerhin weitestgehend ungestört arbeiten.

Eine potentielle Neukundin aus der Nachbarschaft, die mich (vielleicht) für zwei bis drei technische Updates im Jahr engagieren möchte, mailt, sie würde JETZT auf einen Kaffee in diesen oder jenen Laden gehen – ob man sich nicht treffen wolle? Klar, ich lasse alles stehen und liegen, um spontan einen Kundentermin wahrzunehmen, der eine Stunde dauert und mir (vielleicht) 200 Euro im Jahr einbringt? Manche Leute…

Beim GroßenGrausigenProjekt kann ich gleich zwei kleinere Brocken wegschaffen, das gibt mri jetzt wieder ein bisschen Hoffnung, das doch noch alles ohne Nachtschichten zu schaffen.
Mein Ziel ist, Donnerstag Abend soweit fertig zu sein, dass ich das Ganze der Agentur zur Freigabe übergeben kann. Dann können die am Freitag draufschauen, und am Samstag kann ich die Korrekturwünsche einarbeiten. Alles knapp, aber das liegt ja nicht an mir…

Ich bin so optimistisch, dass ich mir mittags sogar eine Stunde Pause für einen Imbiss und etwas Buch im Sessel gönne.
Dann nochmal Schicht bis halb acht, dann reicht es aber auch sowas von.

Abends nochmal Wirsing, dazu eine Doku auf ARTE über Trump und Biden.

Woran ich mich erinnern will:
Wenns außen läuft, herrscht innerlich Frieden.

What I did today that could matter a year from now:
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Was wichtig war:
Machen, machen, machen.
Raum schaffen.
Kommunizieren.

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Leichte Verzweiflung

26. Oktober 2020. Montag. Die letzte Woche des GroßenGrausigenProjekts (GGP) bricht an, und mir ist ein bisschen schlecht: Wie soll ich das alles schaffen?

Aufgestanden um halb sechs; zunehmende Kopfschmerzen.
Vormittags viel Kelinkram. Immer wieder trudeln momentan kleine und mittelgroße Anfragen von Alt- oder Neukunden ein, über die ich mich normalerweise freuen würde, aber gerade ist jedes neue Ding nur noch ein weiterer Felsbrocken auf dem ohnehin schon kaum noch wegschaffbarem Berg.

Ich drehe ein bisschen am Rad, weil die Agentur, die das GGP betreut, recht lax mit meiner Zeit umgeht. Ich merke, wie sehr ich angewiesen bin auf klare Abmachungen, Strukturen, Vereinbarungen. Wenn eine Situation dauernd im Fluss ist, stresst mich das sehr und ich kann damit nicht gut umgehen. Klar gibt es immer wieder Änderungen des Plans, aber es muss überhaupt mal einen Plan geben.

Am frühen Nachmittag also ein Klarstellungsgespräch: Wenn der Termin am Montag (Freitag ist schon eine Weile Geschichte) gehalten werden soll, benötige ich dieses und jenes Material bis dann und dann. Der Puffer ist jetzt aufgebraucht; jegliche Verzögerung bedeutet eine Verschiebung des Termins. Und das hat dann die Agentur dem Kunden zu kommunizieren.

Ja, gut, alles klar, so machen wir es.

Zwei Stunden später eine Mail: Man habe mit dem Kunden gesprochen, am Montag solle wie besprochen die Seite online sein, „was de facto heißt, dass sie am Sonntag freigeschaltet werden muss“.
Sonntag Morgen? Sonntag Abend? Ich frage nicht mehr nach. Leckt mich doch alle.

Am GGP weitergearbeitet und mich mit einem großen Code-Problem herumgeschlagen. Ansatzweise bekomme ich eine Lösung hin; ich hoffe, ich kann damit was hinpfuschen.

Dann telefoniert wegen meiner Ersatz-EC-Karte, die nicht angekommen ist, danach wegen des Monitors, den mir eine Bekannte abkaufen will.
Freischaltung einer Seite, die schon seit Wochen fertig ist.
Erste Bilder für das GGP trudeln ein – leider noch ohne Angabe, wo welches Bild hin soll.

Abends kocht H. Wirsing, den gibt es mit Kartoffeln. Auf ARTE ein Truffaut: Der Mann, der die Frauen liebte. Auf diesen Sender ist einfach Verlass.

Woran ich mich erinnern will:
Wenn der Schmerz und die Verzweiflung nachlassen.

What I did today that could matter a year from now:
Abgrenzen.

Was wichtig war:
Reden.
Grenzen setzen.
Machen.

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An wem bleibt es hängen?

25. Oktober 2020. Sonntag. Ab heute herrscht wieder Normalzeit. Geschlafen bis sechs und dann wachgelegen bis halb sieben. Also nun wieder halb sechs. Eine Stunde länger geschlafen und trotzdem früh wach, das passt schon.

Den Vormittag an Projekten für die Lieblingskundin gearbeitet und an ein paar Grenzen gestoßen. Abends eine Mail mit Fragen und Wünschen an sie geschrieben. Morgen geht’s weiter.

Von halb eins bis halb sieben mit kleinen Unterbrechungen für einen Mittagsimbiss und dringende Bedürfnisse am GroßenGrausigenProjekt gearbeitet.
Gestern Abend waren immerhin noch ein paar der angekündigten Entwürfe gekommen, so kam ich heute ein gutes Stück weiter. Ein großer Brocken kommt allerdings später, wie mich der Agenturchef/ Designer abends per Mail wissen ließ: Sein Rücken habe nicht mehr mitgemacht, man sei „eben nicht mehr 20“.

Hätte er nicht überhaupt die ganze Zeit eine sehr große Lässigkeit in Hinblick auf Termine und Vereinbarungen an den Tag gelegt, könnte ich mich vielleicht sogar zu Mitgefühl hinreißen lassen. Immerhin war seine Agentur letzte Woche in neue Büroräume gezogen, und die Agentur ist nicht so groß und reich, dass sie dafür einen Haufen Leute beschäftigte, sondern hier schleppte, räumte, bohrte und sägte der Chef selbst.

Ich kann mir also vorstellen, dass er kaputt ist und ein sonniges Oktober-Wochenende lieber nicht vor dem Computer verbringt.
Aber, und das ist ein großes ABER: Ich rede seit mindestens einer Woche, dass die gesamte Zeitplanung auf Knirsch und eigentlich sowieso schon unrealistisch ist. Ich habe ihm wegen seines Umzugs schon das letzte bisschen Spielraum eingeräumt, indem ich anbot, er könne mir das benötigte Material statt Freitag Abend ja auch im Laufe des Wochenendes schicken. Aber da nun selbst das nicht geklappt hat, kann ich mich eigentlich nur noch hinstellen und fragen: Und nu?
Denn ich weiß es ja auch nicht. So ist das alles nicht zu schaffen.

Fürs nächste Projekt merken: Von Anfang an ganz klare Termine setzen und öffentlich machen. Damit ein bisschen mehr Druck da ist und alle sehen, an welchem Punkt es schwierig wird und warum.
Dann komme ich auch nicht in die Position, einen Kollegen gegenüber dem Kunden „decken“ zu müssen, was letztendlich auf meine Knochen geht, denn ich stehe am Ende der Kette und muss das Ding zum Termin fertig machen.

Abends kocht H., der sich mit einer gewissen Selbstgefälligkeit zu meinem „Retter in der Not“ erklärt hat und mich nun diese Woche ganz besonders unterstützen will: „Sage nur, was Du brauchst/ willst/ möchtest!“ Lieb gemeint, aber am liebsten möchte ich jetzt nicht auch noch seine Unterstützung organisieren müssen, sondern dass er selbst erkennt, was gerade nötig ist. Dass zum Beispiel die Butter zur Neige geht und man neue aus dem Tiefkühler holen muss. Oder dass sich das schmutzige Geschirr stapelt. Die übliche Care-Arbeit-Falle also, obwohl ich dachte, wir wären da besser…

Zum Abendbrot gibt es Omelett mit sehr leckeren braunen Champignons, dazu ein einfacher, saurer Blattsalat mit etwas Radicchio.
Und auf ARTE The Queen mit Helen Mirren.

Woran ich mich erinnern will:
Mach alles schriftlich und öffentlich.

What I did today that could matter a year from now:
Ranklotzen.

Was wichtig war:
Dranbleiben.
Machen.
NIcht nachdenken.
Nicht ärgern.
Nicht selber stressen.

Standard
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Den Herbst verpassen

24. Oktober 2020. Samstag. Wach um kurz vor halb sechs, und die Gedanken rattern sofort los. Eigentlich bin ich schon erschöpft, bevor ich anfange.
Die Work-Life-Balance geht gerade mit großem Getöse den Bach runter.

Bis zum mittäglichen Einkauf immerhin viel geschafft: Eine Anfrage beantwortet (und kurzfristige Hilfe abgelehnt, denn diese Woche lasse ich mir nichts reindrücken), eine Mail an die Agentur für das GroßeGrausigeProjekt (GGP) geschrieben, was mir konkret alles noch fehlt. Und ich hoffe, dem Agenturchef und Designer ist beim Lesen mindestens genauso schwummrig geworden wie mir beim Schreiben. Bis um 19:00 Uhr erhalte ich übrigens exakt nichts: Weder eine Antwort noch das für heute versprochene Material. Leute, Ihr werden dem Kunden viel erklären müssen…

Dann das vorhandene Material im GGP eingepflegt, ein verschachteltes Template zurechtgerückt und ein Programmierproblem gelöst.

Um zwei mit H. los, er tauscht meine defekte Eieruhr um, die ich letzte Woche für M. gekauft hatte, während ich mich ins Getümmel beim Discounter stürze.

Dort wieder vorgeführt bekommen, warum die Leute besser einzeln einkaufen gehen sollen: Frauen, die ihre Männer eigentlich nur zum anschließenden Heimschleppen brauchen, parken diese nämlich gerne mitsamt Einkaufswagen an möglichst engen Stellen, während sie selbst ausschwärmen, um die benötigten Dinge einzusammeln.
Und natürlich stehen die Männer immer kolossal im Weg, alles muss sich an ihnen vorbeiquetschen, und das ist dann immer allen Beteiligten furchtbar unangenehm, außer ihren Frauen, die sie bei der Rückkehr anfauchen, warum sie denn schon wieder „weggegangen“ seien, wenn sie sich einen Meter weiter vor ein Regal gestellt hatten, das weniger Interesse auf sich zog.

Und es ist gar nicht ihre Schuld, denn die Supermarktgänge sind nicht für Dauerparker ausgerichtet. Aber eigentlich ist es doch ihre Schuld, denn sie könnten das ja mal selber merken und beim nächsten Einkauf darauf bestehen, draußen zu warten, dafür könnten dann Supermärkte eine Wartezone einrichten, wo es Sitzgelegenheiten gibt und Getränke und Zeitschriften und Wifi.

H. wartet draußen auf mich, denn natürlich ging das Umtauschen dreimal schneller als meine Kassenschlange abgearbeitet wurde. Ihm war es ganz recht, die Sonne schien, es gab Leute zu schauen und Herbstlaub zu bewundern und den neuen Imbiss zu beobachten.
Und so schlug er vor, dort einen Happen zu essen, bevor wir uns auf den Heimweg machten, und dann saßen wir da in der Sonne, sahen goldenen Ahorn vor blauem Himmel, mümmelten an unserem Falafel, und das Leben war schön.

Nachmittags war ich dann sehr erschöpft, habe mich auch kurz hingelegt, aber Schlaf wollte nicht kommen.
Also wieder hoch und mir etwas Kleinkram organisiert zum stur Abarbeiten. Am Ende saß ich dann nochmal fast drei Stunden am Rechner, fügte hier noch eine Kleinigkeit in einer neuen Website ein, schrieb eine umfangreiche Rechnung für das Großprojekt der Lieblingskundin, sammelte Material ein, das sie mir für zwei neue Projekte zugeschickt hatte, aktualisierte dreimal meine Planung für morgen und die nächste Woche, machte eine andere Website ein klein wenig sicherer und erstellte am Ende noch eine Seite für das GGP.

Um halb acht in die Küche, Geschirr spülen. Hunger hatten wir nach dem Nachmittagsimbiss keinen mehr; ich mümmelte später vorm Fernseher ein Käsebrot zur Tütensuppe, H. ließ das Essen ganz ausfallen.

Auf ARTE eine zweiteilige Doku über Burgen. Viele davon kannten wir, und es war spannend, noch mehr über ihre Geschichte zu erfahren.

Woran ich mich erinnern will:
Oktoberfarben.

What I did today that could matter a year from now:
Steuern.

Was wichtig war:
Machen.
Auszeit.
Bewegung.
Raus.

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Nochmal die Herbstsonne genießen

22. Oktober 2020. Donnerstag. Das erste Mal wach um fünf. Zu früh. Das nächste Mal um zwanzig nach sechs. Später als gewünscht, aber so sei es. Wenn’s der Körper braucht…

Morgens in den Nachrichten gelesen, dass die Schwelle von 10.000 Neuinfektionen (bundesweit) nun locker gerissen wurde und wir gleich mal auf über 11.000 gesprungen sind. In Berlin waren es gestern knapp tausend Neunfektionen. Und immer noch stürzen sich Menschen maskenlos ins Getümmel, finden ihre Nase nicht, rücken einander auf die Pelle.
Egoismus, Dummheit und Rücksichtslosigkeit sind grenzenlos.

And now to something completely different…

Gemeinsam mit H. um 11:00 M. getroffen und zusammen in das Caféchen am Friedhof gegangen: Noch einmal in der Sonen sitzen, sich noch einmal sehen, bevor es wieder „Lockdown“ gibt. M. rotiert gedanklich schon wieder, sie schafft es, sich aus Möglichkeiten und Eventualitäten konkrete Sorgen zu machen, die sich nie bestätigen, aber dieses Sorgenmachen ist rationalem Denken nicht zugänglich, sie erkennt das selber und kann nichts dagegen tun und verzweifelt dann manchmal ein bisschen an sich selbst.

Es ist schön, wir bleiben drei Stunden hocken, reden, lachen, schauen, essen, trinken.
Anschließend kommt H. wieder mit zu mir, legt sich nochmal hin, während ich noch ein wenig am GroßenGrausigenProjekt weiterarbeite. Mein Ziel ist es, alles Material, was ich bisher bekommen habe, verarbeitet zu haben, bevor morgen und übermorgen der große „Rest“ kommt. Wobei „Rest“ eigentlich etwa drei Viertel des Materials bedeutet: Texte für 20 Seiten, Fotos für 30, Layouts für verschiedene Seiten und Inhaltselemente, ein mobiles Layout.

Organisation und Planung nehmen unglaublich viel Zeit in Anspruch, ich muss das nächste Woche noch besser konzentrieren und effizienter gestalten.

Ganz nebenbei noch zwei WordPress-Websites auf einen neuen Server umgezogen. Wovor ich zu Monatsbeginn wirklich Respekt hatte, erledigt sich jetzt ganz entspannt und beiläufig so zwischendurch.
Verrückt.

Abends Reste von gestern gegessen (Hühnergeschnetzeltes) und auf Phoenix ein paar Dokus im Vorfeld der US-Wahlen angeschaut, die mich wirklich zweifeln lassen, mit welchem Recht sich eigentlich die USA als „Demokratie“ bezeichenen.

Woran ich mich erinnern will:
Herbstsonne auf dem Friedhof.

What I did today that could matter a year from now:
Rausgehen. Maske tragen. Abstand halten. Normalität signalisieren.

Was wichtig war:
Sonne.
Pause.
Trotzdem weitermachen.
Dranbleiben.

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Vollgestopft

23. Oktober 2020. Freitag. Wach um 4:20 Uhr: Klo, nochmal hinlegen. Wach um 5:20 Uhr: och nö. Wach um 6:20 Uhr: Na gut, aufstehen.

Jeder Vormittag geht mit kleinteiligem Orga-Kram drauf, so auch dieser: drei Webserver nach dem Umzug zweier Websites aufräumen, Mails an alle Beteiligten schreiben, Mail an den Kundenservice eines Online-Shops schreiben, weil der Paketstatus in der Sendungsverfolgung sich seit einer Woche nicht verändert hat, Texte für die Website abspeichern, die der Auftraggeber des GroßenGrausigenProjekts (GGP) geschickt hat, die Texte in die Liste der benötigten Inhalte eintragen, zwei Mails beantworten, die als Reaktion auf meine morgendlichen Mails gekommen sind, die Antwort vom Kundenservice zur Kenntnis nehmen (Nachforschungsantrag kann erst nach 2 Wochen Stillstand gestellt werden), einen Überblick verschaffen, was als nächstes beim GGP getan werden muss, Mail an die verantwortliche Agentur schicken, diese antwortet (immerhin) mit Antworten auf meine Fragen von gestern und Fotos, die „teilweise leider noch Layout-Status“ haben, deshalb also eigentlich nicht verwendet werden können. Kein Hinweis, welche Bilder das im Einzelnen betrifft. Ich bekomme ein wenig Blutdruck.

Dann ist es zehn und ich möchte am liebsten schon wieder Feierabend machen, aber nun steht ein Telefontermin mit einem Kollegen bem GGP an. Ich hatte ihn vorgestern etwas gefragt, zudem ich mir eigentlich schon vor einer Woche von ihm eine Ansage erhofft hatte, aber offensichtlich hatte er das Thema überhaupt nicht auf dem Schirm. Ich wehre alle Versuche ab, mir die mühselige Kleinarbeit aufzuhalsen. Nicht bei den Stundensätzen, die er aufruft, da kann er dann auch was für tun.

Als ich auflege, ruft die Lieblingskundin an. Eine Stunde Telefonat, zum Wochenende müssen immer alle Projekte durchgekaut werden, damit wir wissen, wo wir stehen. Finde ich prinzipiell gut, macht mich heute aber latent nervös, vor allem weil ich diese Woche so fast gar nichts für sie getan habe und das nächste Woche eher noch weniger wird.

Eine Stunde später, inzwischen ist es fast zwölf, Frühstück mit H.
Er hat die, eigentlich gute, Idee, dass wir uns doch jetzt mal nach Tickets für die Fahrt ins Dorf umschauen könnten.
Nach dem Frühstück also Aufruf der Bahn-Website, Login im Kundenbereich funktioniert auf meinem Firefox nicht, also Wechsel zur Datenkrake Chrome, dort geht es, aber ich habe in der Vorteilswelt keine Schnupper-Bahncard für de Erste Klasse. Ich könnte mir ein Upgrade über Bahn-Bonus-Punkte einlösen, aber dann müssten wir die Tickets getrennt bucen, und dann können wir H.s Gutschein nicht nutzen. Also 2. Klasse, Super-Sparpreis mit BahnCard-Rabatt und 15-Euro-Gutschein, und wir fahren für 26,80 Euro für zwei Personen am 7.11. von Berlin über Dortmund nach K. Zwei ICEs, 6 Stunden Fahrzeit. Besser geht’s fast nicht (außer vielleicht 1. Klasse und über Köln fahren…).

Von eins bis halb vier eine Arbeitssession mit dem GGP, die super läuft, aber, und das vergesse ich im Flow ja dann gerne, mich extrem auslaugt. Immerhin komme ich ein gutes Stück weiter.
Nach einer Stunde Pause (Imbiss, lesen) schaffe ich nochmal 40 Minuten, aber dann ist Schluss, rien ne va plus.

Immerhin habe ich an diesem Punkt auch schon einen 10-Stunden-Arbeitstag hinter mir.

Jetzt also nur noch daddeln, Internet lesen, spielen, im Bett etwas dösen und auf H. warten. Kurz lockt es mich nach draußen, Regenfotos in der Dunkelheit machen, aber dann kann ich mich doch nicht aufraffen. Bett und Buch sind verlockender.

H. bringt Kürbissuppe mit, die wir noch eingefroren hatten, im Fernsehen laufen nichtssagende Dokus, den Film, den wir im Internet-TV schauen wollten, können wir vergessen, denn alle zwanzig Sekunden bricht der Stream ab, um dann wieder zehn Sekunden zu laden und dann die nächsten zwanzig Sekunden auszuspucken.

Woran ich mich erinnern will:
Ordnung. System. Struktur.

What I did today that could matter a year from now:
.

Was wichtig war:
Machen.

Standard