Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Routinentag

22. Oktober. Dienstag. Morgens Kleinkram gearbeitet, später an einem laufenden Großprojekt einen weiteren Schritt vollendet, danach schneller kleiner Einkauf.
Telefonat mit der Lieblingskundin, die ein kleines Heads-up brauchen kann, dann nochmal Arbeit am Großprojekt.
Staubsaugen, essen, lesen, dösen, gewaschene Wäsche aufhängen.
Einen kleinen Eilauftrag erledigt, auf einer anderen Seite ein Update eingespielt.
Fotos bearbeiten, ein paar Euro mit einem Klickjob verdienen.

Ein gemütlicher Routinetag, keine Aufregungen, kein Stress, und trotzdem hat man am Ende des Tages ein paar Dinge erledigt, kann im Prinzip drei kleine Rechnungen schreiben, und der Haushalt geht auch nicht vor die Hunde.
Was will man mehr?

Woran ich mich erinnern will:
Wie unterschiedlich dei menschen sind: Was andere mit Begeisterung an Terminen in einen Tag stopfen, macht mir schon Angst, wenn ich das auf eine Woche verteilen müsste.

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Bad Vibes

21. Oktober. Montag. Ein paar Rechnungen bezahlt (Finanzamt, Krankenkasse). M. getroffen. Mittags zu Hause und dann den ganzen Nachmittag gebraucht, um mich von ihrer derzeit wieder sehr negativen Ausstrahlung zu erholen. Zu mir ist sie friedlich, aber wie sie bewusst oder unbewusst mit anderen Menschen umspringt, ist schrecklich. Physisch und verbal sehr aggressiv. Wenn ich sie darauf anspreche, ernte ich irgendwas zwischen völligem Unverständnis, Abstreiten und Sind-doch-selber-schuld.
Mich belastet das; es ist eine Mischung aus Fremdschämen, schlechtem Gewissen, weil ich dem nicht entschiedener entgegentrete, Abneigung, Schuldgefühl wegen dieser Abneigung, Trotz wegen des Schuldgefühls. Alles sehr anstrengend.

Woran ich mich erinnern will:
Der wunderbare Kaffeegeruch, der den ganzen Riesenladen durchzog, in dem wir herumstöberten.

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Nachdenktag

20. Oktober. Sonntag. Nachdenktag. Warum ich mich nicht wirklich erholen kann. Ich glaube, ich bin da was auf der Spur, erkenne ein Muster. Ich muss weiter darüber nachdenken.

Und sonst: Fotos, eine Stunde Abschlussarbeiten am Nervprojekt der letzten Woche, str8ts, unangenehme Briefe in Finanzdingen schreiben, Bücher aussortieren, Zwiebelkuchen machen.
Sonntagsruhe.

Woran ich mich erinnern will:
Doch, es kann richtig sein, bei schönstem Oktoberwetter nicht rauszugehen. #triggerwarnung

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Strategisches Nichtstun?

Ich bin ein bisschen in einer Zwickmühle

Nach einer Zeit von großem Stress und Druck bin ich nach langem mal wieder in der komfortablen Situation, nicht zehntausend Dinge tun zu müssen.

Es gibt natürlich etliche Dinge, die ich tun sollte.

Auch Dinge, die ich eigentlich tun möchte.
Nur vielleicht nicht gerade jetzt, in diesem Augenblick.

Nun sitze ich da mit meiner Liste von Dingen, die ich tun sollte und/ oder eigentlich tun möchte (aka „To-Do-Liste“) und kann mich nicht aufraffen, irgendwas zu tun.

Am ehesten reizt mich noch das Lesen: Input, neue Ideen, Flucht, sinnvoller Zeitvertreib, Anregung, lernen – Lesen ist für mich in vielerlei Hinsicht positiv besetzt und dient seit frühester Kindheit als Place to go in schwierigen Situationen.
Aber irgendwie ist es das gerade auch nicht, ich empfinde das als Flucht, als Zeitverschwendung.
Ich will etwas anderes und weiß nicht, was.

Ich befinde mich in einem Zwiespalt: Ich genieße einerseits sehr das Nichts-tun-müssen, bin aber gleichzeitig äußerst unzufrieden mit dem Nichts-tun-wollen.
Andererseits stimmt das auch nicht: ich spüre eine große innere Unruhe – ich will etwas tun, weiß aber nicht, was.
Jedenfalls weder die Dinge, die ich tun sollte, noch die Dinge, die ich sonst tun möchte.
Ich möchte etwas Neues.

Neu formuliert:
Ich befinde mich in einem Zwiespalt: Ich genieße einerseits sehr das Nichts-tun-müssen, bin aber gleichzeitig äußerst unzufrieden mit dem Nicht-tun-wollen-was-ich-tun-könnte-oder-üblicherweise-tue.
So.

Und nun?

Für dieses Gefühl kann es erfahrungsgemäß verschiedene Ursachen geben:

Den Sinn nicht sehen.

Warum sollte ich bestimmte Dinge tun? Warum sollte ich sie gut machen? In welchem größeren Zusammenhang stehen diese Tätigkeiten? Welchem höheren Zweck und/oder langfristigem Ziel dienen sie?

Check:
Ich sehe sowohl den kurz- als auch den mittelfristigen Sinn der meisten Dinge, die ich tun sollte. Ich identifiziere mich auch mit den Zielen, die erreicht werden sollen.

Aber:
Ich brauche mal eine Pause. Die Ziele sind eher mittel- als kurzfristig. Die Ereldigung verspricht keine kurzfristige Belohnung.

Angst

Habe ich Angst vor der Leere, die auftritt, wenn alles getan ist? (Nicht dass das jemals eintreten würde, aber wer sagt, dass Ängste rational sind?) Oder Angst vor dem Neuen, was unweigerlich auftauchen wird? Lieber am Bekannten festhalten als Neues wagen?

Check:
Ich weiß, was als nächstes kommt. Vor einer dieser Aufgaben habe ich tatsächlich etwas Angst.
Auch weiß ich bei einigen Dingen, die ich jetzt ereldigen sollte, nicht genau, wie die Reaktion sein wird. Auch davor habe ich ein wenig Angst.

Aber:
Letztendlich sind das alles keine grundsätzlich neuen Dinge, und im Grunde weiß ich, dass mir nichts Schlimmes passieren wird, dass ich auch mit einer negativen Reaktion umgehen kann, dass ich die anstehenden Dinge und was danach kommt, bewältigen kann.

Hoffnungslosigkeit

Ist es nicht sowieso sinnlos, irgendwas zu tun?

Check:
Definitiv nein.

Energiemangel, Überforderung, Erschöpfung

Ist einfach alles zu viel? Brauche ich Energie für mich? So dass nur kurzfristige Ziele zählen, weil die Ressourcen gut eingeteilt werden müssen?

Check:
Definitiv jein.
Ich bin sehr erschöpft. Deswegen genieße ich es ja gerade so, nicht dauernd rödeln zu müssen.

Stress

Bin ich es einfach nicht mehr gewohnt, mich nur auszuruhen und spüre deshalb diese innere Getriebenheit? Bin ich immer noch gestresst, immer noch im Überlebensmodus? Und kann ich deshalb nicht loslassen?

Check:
Definitiv ja.
Ich werde sofort ruhiger, wenn ich meinen Kopf ablenke, wenn ich ihm keine Gelegenheit gebe, darüber nachzudenken, wass alles zu tun wäre, und dass ich meine Zeit nutzen müsse, und dass schlimme Dinge geschehen, wenn ich das versäume.

Angst vor der Leere, vor dem Nichtstun

Komme ich mit dem Nichtstun aus Prinzip nicht klar? Etwa, weil ich es mir generell nicht erlauben kann, untätig zu sein? Oder weil ich durch Aktivität bestimmte Gedanken oder Gefühle zurückdrängen kann? Brauche ich Aktivität als Ablenkung?

Check:
Das ist momentan nicht mein Problem, obwohl ich solche Situationen kenne.

Bedeutungslosigkeit

Ist es egal, was ich tue und ob ich überhaupt etwas tue? Weil am Ende doch andere entscheiden? Weil mein Leben und was ich tue ohnhein nichts ändert auf der Welt?

Check:
Eher nein. Solche Gedanken kommen mir fast immer nur aus Ercshöpfung, aus Überforderung.

Fazit

Es ist wohl eine Mischung aus Erschöpfung, Energiemangel, anhaltendem Stress, Langeweile angesicht der anstehenden Aufgaben und ein bisschen Bammel.
Dazu kommt, dass viele der anstehenden Aufgaben teilweise langwieriges Gefummel beinhalten, was gleichzeitig entweder gar nicht oder nur sehr minimal berechnet werden kann und von Kunden gar nicht bemerkt werden wird, ob das nun gemacht ist oder nicht. Also eher die fehlenden 2% zur perfekten Arbeit. Also definitiv kein kurzfristiger Gewinn, vielleicht nicht einmal mittelfristiger (außer für mein Seelenheil) und damit kein wirklicher Grund, die Aufgaben überhaupt zu erledigen, geschweige denn jetzt.

Was also kann helfen?

Vielleicht ein bisschen mehr Mischung und Gleichgewicht: Nicht völliges Nichtstun, aber auch nicht Rackern bis zum Umfallen.
Rausziehen, Auszeit nehmen, aber sich trotzdem jeden Tag ein paar Aufgaben vornehmen und diese auch erledigen – nicht um der Aufgaben willen, sondern um Struktur im Tag zu behalten.

Und generell: Mehr Zeit für Erholung einplanen. Öfter die Arbeit unterbrechen. Öfter wechseln zwischen körperlicher und Kopfarbeit.
Öfter mal halbe oder ganze Tage freinehmen.
Von Zeit zu Zeit strategisches Nichtstun (die Gedanken schweifen lassen, einfach nur aus dem Fenster sehen).
Mir Fragen stellen oder Probleme zum drüber Nachdenken suchen, um nicht einfach so herumzugammeln.

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Dummtag

19. Oktober. Samstag. Ich übe mich im Freimachen. Also arbeitsmäßig. Es bekommt mir nicht gut, dieses Durch-den-Tag-treiben-lassen, ich brauche Struktur, Ziele, Richtung. Eine To-Do-Liste ist nicht genug, wenn nichts auf der Liste mich so anmacht, dass ich es machen will. Stattdessen also im Internet herumlesen, Fotos bearbeiten, weiter herumlesen, ins Bett legen, nicht müde genug sein, herumlesen, auf den Monitor starren. Der Kopf will beschäftigt werden, sagt mir aber nicht, womit.
Sehr unbefriedigend.

Abends anderthalb Stunden zielgerichtete Arbeit entschädigen mich für diesen Dummdrusel-Tag, so kollabiere ich wenigstens mit dem Gefühl, irgendwas getan zu haben, vor dem Fernseher.

Solche Tage sollen der Erholung dienen, aber sie machen mich nur gelangweilt und unzufrieden. Zeitverschwendung. Und sie machen dumm.

Die Idee eines Kurzurlaubs, nur für mich. Nicht arbeiten, nur schauen, denken, schreiben. Das kann nur funktionieren, wenn ich mir ein Thema mitnehme, Fragen, über die ich nachdenken, Pläne, die ich ausarbeiten will. Dem Ganzen wieder eine Richtung geben, wieder ein inneres Feuer entzünden, das mich antreibt.
Ich muss nachdenken.

Woran ich mich erinnern will:
Trinken nicht vergessen!

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Betrugsversuch

18. Oktober. Freitag. Frei-Tag. Freier Tag. Jedenfalls fast. Vormittags seit 2 Wochen das erste Mal wieder mit der Lieblingskundin telefoniert, nachmittags dann anunserem aktuellen projekt weitergearbeitet und Änderungswünsche eingefummelt. Nix Schlimmes, aber ein wenig langwierig.

H. hat Bauchschmerzen, und bei mir setzt sofort die Angst vor einer ernsthaften Erkrankung ein. Und das ohne Krankenversicherung. Muss ich nicht haben.

Mittags ein geheimnisvolles, weil nicht erwartetes Päckchen abgeholt und schon am Absender gesehen: Das ist entweder ein seltsames Geschenk oder ein Fehler.

Es stellte sich heraus, dass es sich entweder um einen schlechten Scherz oder – wahrscheinlicher – um einen Betrugsversuch handelte. Jemand hatte teure Herren-Sneaker Größe 45 auf meinen Namen bestellt und es wohl nicht geschafft, das Paket abzufangen.
Ich konnte das schnell mit dem Versender klären und habe auch sofort online Anzeige bei der Polizei gestellt (in der Internetwache der Polizei Berlin), nun schicke ich morgen das Päckchen als kostenlose Retoure zurück, undd amit sollte dre Fall erledigt sein.

Dieser Fall. Denn nun bin ich natürlich unruhig: Was wurde noch auf meinen Namen bestellt? Landen in einigen Wochen oder Monaten Mahnungen von weiteren Versendern in meinem Briefkasten? Mahnungen für Sendungen, die mich nicht erreichten? Und für die es dann erheblich schwerer wird nachzuweisen, dass ich mit der Bestellung nichts zu tun habe?

Oder war das doch nur ein dummer „Scherz“, und ich bekomme in Zukunft häufiger unverlangte Sendungen? Aber was wäre der „Spaß“ daran? Zu wissen, dass ich jede Woche zur Post dackeln muss, um Pakete zurückzuschicken?
Krank.

Woran ich mich erinnern will:
Herrlichstes Oktoberwetter. „Kaiserwetter“, wie der Berliner sagt.

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Ausgefallen

17. Oktober. Donnerstag. Kurz nach sieben davon geweckt worden, dass draußen auf dem Platz der Glascontainer geleert wird. Immerhin warten sie bis sieben.

Der geplante Wellnesstag im Schwimmbad fiel wegen Migräne aus. Stattdessen ein paar Mails geschrieben, etwas in meinen Dateien aufgeräumt, gelesen und geschlafen.

Im Briefkasten eine Benachrichtigungskarte für ein Päckchen entdeckt. Wer hat mir denn was geschickt? Rätselhaft.

Woran ich mich erinnern will:
Manchmal weiß es der Körper doch besser.

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