Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Auflauf

11. Dezember. Mittwoch. Das gestrige Aufräumen im Kopf hat gut getan. Ich habe besser geschlafen und bin besser gelaunt.
Aufgestanden um 5:15 (obwohl ich schon eine Stunde früher wach war und auch hätte aufstehen können – aber ich will ja abends länger durchhalten als nur bis 20:00 Uhr).

Nach ausgedehnter Morgenroutine zweieinhalb Stunden (mit Unterbrechungen) Änderungswünsche in eine eigentlich seit Wochen fertige Website eingebaut. Das wird wieder so eine Nummer mit einem Stundenlohn unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns. Ich brauche für solche Fälle andere Routinen.

Vorläufig letzte Tests mit einer Cookies Consent-Lösung – jetzt fehlt mir nur noch ein anwaltlich abgesegneter Text für die Datenschutzerklärung, dann haben wir ein Produkt.

Gebügelt.

Weihnachtsgeschenke überlegt, besprochen, bestellt. Gutscheine durchgesehen.

Abends zwei Stunden in der Küche Auflauf vorbereitet, Kekse gebacken.

Woran ich mich erinnern will:
Die körperliche Erleichterung, wenn eine Belastung nach der anderen von mir abfällt.

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Brain Dump

10. Dezember. Dienstag. Um halb fünf wach, das ist wohl der Versuch meines Kopfes, das gestrige VerAusschlafen zu kompensieren. Überhaupt ist mein Kopf gerade sehr gestresst und bringt mich unglaublich in Unruhe. Für mich immer ein Zeichen, dass meine Planung Lücken aufwest, dass ich Dinge nicht ausreichend berücksichtigt habe oder dass die aktuellen Prioritäten nicht passen. Also ist eine meiner ersten Amtshandlungen mirgens ein Brain Dump.

Aus der ellenlangen Liste destillieren sich mehrere Themen, die gerade um Aufmerksamkeit ringen. Eines davon gehe ich sofort an: nochmal rigoros aussortieren, was wirklich wirklich noch in dieser letzten Arbeitswoche gemacht werden muss – und auch die Lieblingskundin zu zwingen, mal Ordnung in ihr derzeitiges Projektechaos zu bringen und mir mitzuteilen, was sie bzw. ihre Kunden in den nächsten sieben Tagen unbedingt noch erledigt haben will.

Später im Gespräch mit ihr stellt sich raus, dass sie genau den Anstubser gebraucht hat, wir strukturieren alles mal kurz um, treffen ein paar Entscheidungen, und schon sieht meine To-Do-Liste nicht leerer, aber aufgeräumter aus.

Dann Kleinkram wegschaffen (hier ein paar Bilder einbinden, dort ein paar Farben ändern, zwei Rechnungen schreiben, zwischendurch ein bisschen zu Musik hopsen, Wäsche waschen, ein Mini-Projekt abschließen.

Fernsehpause mit Kaffee und Stollen, dann noch ein wenig coden (Änderungswünsche einarbeiten), unterm Schreibtisch aufräumen, diverse Netzteile, gerätelose Kabel und ungenutzte Mehrfachsteckdosen herausholen, staubsaugen. Jetzt stehen die Füße wieder auf dem Teppich, nicht auf einem Kabelknäuel.

Zum Feierabend Internet lesen, Geschirr spülen, vorm Fernseher kollabieren.

Ich bin wieder bei mir.

Woran ich mich erinnern will:
Wenn der Kopf voll ist, mach ihn leer. Wenn die Gedanken wie aufgescheuchte Hühner herumrennen, gib ihnen eine Wiese und lass sie laufen und ihren Platz finden. Und dann mach eine Liste und schreib zu jedem einzelnen Ding auf: Was braucht es, um weiterzukommen/ wegzugehen?

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Verkorkster Montag

9. Dezember. Montag. Geschlafen von halb zehn bis halb drei, dann eine Stunde im Sessel gesessen und gelesen. Dann nochmal geschlafen bis halb fünf, herumgewälzt, dann wie ein Stein geschlafen bis 7:40 Uhr, was fast zu spät war, denn ich musste vor neun noch was für die Lieblingskundin fertig machen, wozu ich gestern überhaupt keine Lust mehr hatte.
Erstmal also schlecht ge- und dann verschlafen, das kann ja heiter werden, wenn die Woche schon so anfängt!

Zumindest der heutige Tag war reichlich verkorkst – wie immer, wenn mein normaler Rhythmus sich massiv verschiebt oder sonst gestört wird.
Also: Aufgabe erledigen bis halb neun, dann Morgenroutine (Internet und Nachrichten lesen, etwas schreiben) bis zehn. Dann Mails beantworten bis halb elf, darunter ein nettes Angebot, mir Arbeit abzunehmen. Kostet mich zwar ein ganz kleines bisschen Umsatz, aber der wäre den Zeitaufwand vermutlich nicht wert gewesen. Dann einen wichtigen Brief schreiben bis halb zwölf. Dann sinnlos herumdümpeln bis zwölf und darauf warten, dass H. bereit für ein „Früh“stück ist. Danach etwas Kleinkram, und um eins (was sich für mich anfühlt wie zehn) mit der „richtigen“ Arbeit begonnen.

Was für eine gute Stunde geplant war, dauerte dann drei, so dass sich auch mein Nachmittagsprogramm massiv verschob. Um halb fünf völlig gestresst (statt halb drei völlig entspannt) aufgehört, angezogen und zur Einkaufsrunde aufgebrochen. Kurz vor sechs zurück, dann mehr Mails und Planung für morgen.

In einer Mail werden mir Mängel meiner nachmittäglichen Drei-Stunden-Arbeit aufgezeigt, das macht natürlich richtig gute Laune und schmeißt die Planung für morgen teilweise wieder über den Haufen. Meine leichte Grundentspanntheit der letzten ein, zwei Wochen löst sich gerade in Luft auf.

Woran ich mich erinnern will:
Wenn die Gedanken rasen, stimmt an der Planung was nicht. Alles bedacht? Hat alles seinen Ort und seine Zeit? Nichts, was ich versuche, mir „so“ zu merken?

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Ohne Arbeit keine Kekse

8. Dezember. Sonntag. Sehr unruhige Nacht, im Stundentakt aufgewacht, und um sechs entnervt mit Rückenschmerzen aufgestanden. Dabei schlafe ich sonst im frisch bezogenen Bett immer extragut!

Auch sonst war der Tag so lala. Ich war zuerst voller Tatendrang, der aber leider sehr ungerichtet war, die Dinge, die ich tun könnte, überschlugen sich in meinem Kopf, aber da waren ja noch die Dinge, die ich tun musste, und die zogen alle Energie ab, so dass nur lustlose Pflichterfüllung übrig blieb.
So geht das nicht mehr – Note to self: keine Muss-Arbeit fürs Wochenende aufheben, es sei denn, es ist ein ausdrückliches Arbeitswochenende (zum Beispielwegen Terminstress)!

Immerhin konnte ich zwischend en Arbeitssessions auch noch drei Sorten Kekse backen und ein wenig meine Browsertabs aufräumen – und ich entdeckte, dass es wieder ein ARTEKino-Festival im Dezember gibt, ich mich also bis Jahresende noch an zehn europäischen Filmen erfreuen kann. \o/

Anosnten schlechte Laune und reizbar und genervt, was H. abends noch ein bisschen ausbaden musste. Sorry!

Woran ich mich erinnern will:
Kekse backen nur mit Zeit, PLatz und sauberer Küche!

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Auf Speed

7. Dezember. Samstag. Morgens ein paar Mails von Freitag Abend beantwortet, damit sie mir nicht das ganze Wochenende im Kopf herumspuken, dann: Wochenende.

Ich fühle mich wie zerlegt und laufe unrund. Ich habe seit ein paar Wochen einen diffusen Schmerz im linken Mittelfuß (eine Entzündung? eine Muskelsache?), was dazu führt, dass mir nach längerem Laufen der Fuß sehr wehtut, und wenn ich nicht aufpasse, schone ich ihn beim Gehen, was dann zu einem Schmerz im rechten Knie führt wegen der Überbelastung der anderen Seite. Das führt dann wiederum zu heftigen Rückenschmerzen und Schulterverspannungen.
Nun war ich gestern und vorgestern jeweils über drei Stunden am Stück auf den Beinen, und das merke ich heute deutlich.

Als ich M. im U-Bahnhof treffe, fragt sie gleich, ob ich einen Kater hätte. WTF? na ja, ich sehe so komisch aus und liefe so seltsam… Schön, wenn man als selber heftig mit Rückenschmerzen geplagter Mensch bei unsicherem Gang bei anderen zuallererst mal auf Alkohol tippt als auf orthopädische Urachen. Sagt ja auch einiges darüber aus, wie sie mich sieht (und wie wenig sie von meinem Leben tatsächlich mitbekommt, denn ich trinke ja praktisch nichts mehr).

Wir sitzen dann zwei Stunden bei mehreren Latte Macchiatos im Raucherbereich des Kaufhausrestaurants, sehen alten Männern beim Zocken am Spielautomaten zu und tauschen Neuigkeiten, Belangloses und Nikolausgeschenke aus.
Danach noch ein schneller Einkauf, dann heim.

H. bekommt heute von Kunden einen PC gebracht, deshalb ist er mit mir gegangen und tagsüber bei sich im Büro.
Mich packt der Samstag-Nachmittag-Wahn und ich beginne nach dem Beziehen der Betten, das gesamte Technikfach auszuräumen und Unmengen Kabel, Adapter, CDs, Disketten (!) und Staub im Wohnzimmer zu verteilen und alles durchzusehen, auszusortieren, sauber zu machen und neu zu verpacken.

Zwischendrin ruft H. an, er müsse jetzt nochmal zum Elektroladen, ein paar Bauteile besorgen, und ich bin so aufgedreht und auf Speed, dass ich spontan anbiete mitzukommen, weil er immer so schlecht die klein gedruckten Artikelnummern auf den Schildern lesen kann.

Anscheinend sind alle Männer von ihren Familien zwangsverpflichtet worden, auf Weihnachtsmärkten oder bei Ikea herumzuhängen, denn es ist unglaublich leer im Elektronikmarkt, beinahe unheimlich. So finden wir schnell die diversen benötigten Einbaurahmen, Kabelchen und Speichererweiterungen und sind in Nullkommanix wieder draußen. Sehr entspannt, ich kann das nur empfehlen.

Zu Hause dann fertig geputzt und geräumt, ich miste gleich noch einen halben Umzugskarton Wollreste und achtzigtausend leere CD-Hüllen mit aus, das fühlt sich so gut an und sieht noch viel besser aus in meinem sich langsam leerenden Lagerraum Arbeitszimmer.

Dann noch schnell spülen, damit H. überhaupt Töpfe zum Kochen hat.
Meine Energie ist ihm ein bisschen unheimlich, ich verstehe sie auch nicht so ganz: Ist es das Abnehmen? Die leichte Ernährungsumstellung? Mein Hauptverdacht: Ich arbeite weniger, nehme mir die Nachmittage frei, fange langsam, ganz langsam an zu entspannen.

Woran ich mich erinnern will:
Ein lebensgroßes Plüsch-Rentier kann man für 3.500 Euro kaufen. Es fasst sich sehr schön an.

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Unruhestifter

6. Dezember. Freitag. Nikolaus. Beim Aufwachen noch im Halbschlaf die Erkenntnis: Weihnachten ist ja gar nicht übernächste Woche, sondern erst in zweieinhalb Wochen! In meinem mentalen, visualisierten Kalender war immer markiert: Nächste Woche noch voll arbeiten, und dann sind drei Tage für Weihnachtsvorbereitungen vorgesehen. Stimmt ja gar nicht!

Spät um 6:45 aufgestanden. Eine knappe Stunde später ein traumhafter Sonnenaufgang. Ein weiterer Test für die Smartphonekamera.

Der Nikolaus hat mir eine leergemachte und umgebaute externe Festplatte mit 2TB Speicherplatz auf den Schrebtisch gelegt. Die hatten wir mal besorgt, dann klappte der Einbau nicht, dann verschwand sie, wurde umgenutzt, und nun ist sie wieder bei mir gelandet. Ich überlege noch, ob ich sie als Speichererweiterung für den Rechner nehme (das wäre ungünstig, weil ich dann auf dem Laptop einen anderen Datenbestand hätte) oder ob das mein Komplett-Archiv-Backup wird, das ich im Häuschen deponiere, falls hier mal alles abbrennt, während ich weg bin und nichts retten kann.

* * * * *

Aus Arbeitsunlust ist regelrechter Arbeitswiderwillen geworden.
Die Lieblingskundin ruft mehrfach wegen Kleinkram an und macht mich ganz hektisch. Ich schließe die Update-Arie ab und erfahre, dass ein anderer Kunde sich lieber selbst mit der Cookie-Verwaltung bei den Websites seiner Kunden beschäftigen möchte. Ist mir recht, dann muss er aber für meine Informationen und Beratung zahlen, das ist wohl klar.
Ich erledige Kleinkram, dann ist es plötzlich halb drei, und ich denke mir: nö, jetzt auch nicht mehr. Feierabend!

Die letzten Bücher (für dieses Mal) verpackt, das Uralt-Faxgerät abmontiert und sauber gemacht, die Kennung gelöscht – bye bye! Jetzt muss „mein“ Entrümpler nur noch Zeit vor Weihnachten haben, die Sachen abzuholen.

Abends zum nahegelegenen Rixdorfer Weihnachtsmarkt gegangen. Es war weniger los als sonst, am Regen kann es eigentlich nicht gelegen haben, es war schon bei schlimmerem Wetter voller. Ich rechne nach und komme darauf, dass ich vor 38 Jahren hier selbst stand und fror. Gott, wo ist denn die Zeit hin?!
Später treffe ich W., zusammen die rituelle Erbsensuppe und ein paar Likörchen beim Grützmacher, für ihn noch an verschiedenen Ständen einen Eierlikör, einen Met und einen Glühwein, und dann ist auch schon Schluss, alle bauen ab und räumen ein und hoffen auf bessere Geschäfte morgen und übermorgen.

Woran ich mich erinnern will:
Nicht verrückt machen lassen! Stick to the plan!

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Geänderte Pläne

5. Dezember. Donnerstag. Fünf Uhr wach. Ich berste momentan vor Energie und Tatendrang und frage mich, wann der Part kommt mit „Adventszeit entspannt genießen“? Aber wahrscheinlich besteht die Kunst darin, erstmal im Alltag genug herunterzukommen, dass Entspannung überhaupt möglich ist.

In Bezug auf Arbeit bin ich heute extrem unlustig, auch müde, weil es dann wohl doch zu früh war. Draußen scheint die Sonne, also beschließe ich nach dem späten Frühstück erstmal die etwas weitere Einkaufsrunde zu machen, um etwas Luft und Tageslicht abzubekommen, und mich später hinzulegen. Wenn ich dann am Nachmittag noch arbeiten will, kann ich das ja tun.

H. missversteht „rausgehen in die Sonne“ als „spazierengehen“ und schließt sich spontan an. Mich freut das, denn entweder lässt auch bei ihm gerade der Arbeitsdruck ein Mü nach, oder mein demonstratives Ich-mache-mir-den-Advent-schön steckt an. Wir haben beide dieses Jahr entschieden keine Lust mehr auf Arbeiten bis zum Umfallen, und Zack! ist Weihnachten und nun bitte festlich und besinnlich gestimmt sein.

Also machen wir uns auf, spazieren wie zwei Rentner in den nahen großen Park, betrachten Schwäne und Enten am Teich, Spatzen und ein Eichhörnchen an der Vogelfütterungsstelle, probieren die Kamera an H.s neuem Smartphone aus, machen wie zwei alte Säcke, die zum ersten Mal solch ein Gerät in den Fingern haben, unser erstes gemeinsames Selfie, schauen bei den Tieren vorbei, beobachten einen Hahn, der ein Riesen-Theater um ein paar Weintrauben macht, freuen uns am bleichen Winterlicht und an den Farben des herabgefallenen Laubs.

Dann hat H. Hunger, eine Linsensuppe wäre schön, ich erwähne mein ursprüngliches Enkaufsvorhaben, und er könne ja mitkommen und sich eine Suppe besorgen, und er beginnt mit dem Gedanken zu spielen, ob er überhaupt noch zu sich ins Büro gehen soll, das bisschen, was er zu tun habe, könne er auch bei mir…

Und dann entern wir gemeinsam zwei Supermärkte, kaufen gleich noch Getränke und Essen fürs Wochenende und kehren schwerst bepackt nach Hause zurück.

An der großen Straße treffen wir ein befreundetes Paar, das letztens auch bei der Geburtstagsparty war, wir plaudern einw enig, sie wollen jetzt nach Bandscheibenvorfall und ähnlichen Malaisen regelmäßig in die „Muckibude“, also ins nahe Fitness-Center. Dreimal pro Woche anderthalb Stunden haben sie sich vorgenommen, davon eine halbe Stunde Crosstrainer und eine Stunde Geräte. „Sonst bringt das ja nichts!“
Dieses Programm würde ich genau einmal machen und das wäre es dann für mich. Ich denke, mein Ansatz, sanft und regelmäßig anfangen und dann steigern ist – für mich – erfolgversprechender, abgesehen von dem Zeitaufwand, den ich momentan gar nicht oder nur mit großen Anstrengungen und Umstellungen in meinem Alltag unterbringen könnte.
Dabei fällt mir ein, ich könnte mal wieder mit sanft und regelmäßig beginnen…

Zu Hause dann die Linsen gegessen und danach ins Bett, aber es ist schon nach fünf, und ein bisschen wollte ich doch noch am Rechner machen, deshalb bin ich unruhig und kann dann doch nicht richtig schlafen. Natürlich wird es mit Arbeit dann auch nichts mehr, aber ein bisschen Kleinkram aufräumen und Mails lesen kann ich noch, und das reicht dann auch für heute.

Woran ich mich erinnern will:
Die dünne Eisschicht auf dem Teich. Der Hahn mit den Trauben. Die untergehende Sonne um zwei Uhr mittags.

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