Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Gummistiefelkauf

22. Januar. Dienstag. Vormittags ruhiges Arbeiten und ein Telefonat mit einer Kundin, das mich nun doch noch etwas in Stress/ Zeitnot bringt.
Nachmittags ein kleines Projekt erledigt und das Geschenk für die Freundin fertig gemacht, verpackt und zur Post gebracht. Wobei ‚Post‘ der nahegelegene Schreibwarenladen ist, nachdem die ‚echte‘ Post immer dermaßen überfüllt (und überheizt) ist, dass ich da nur hingehe, wenn es gar nicht anders geht oder ich sehr gut und geduldig gelaunt bin.
Anschließend zwei U-Bahn-Stationen in eine nahegelegene Einkaufsstraße gefahren. Ich brauchte nämlich Gummistiefel. Es gab auch welche, allerdings nur diese völlig untauglichen „modischen Statements“, also gerade mal etwas mehr als knöchelhoch mit echt hässlichen Farben (Rosa ist ein Muss) und kindischen Mustern (Pünktchen, Blümchen…). Nicht so wirklich was für Januar an der Ostsee, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen und ich werde die halt tragen und mich bemühen, den Wellen weitestgehend auszuweichen. Alle anderen Schuhe, die ich habe, sind für Strandspaziergänge nämlich ungeeignet und Ersatz würde momentan den Rahmen der finanziellen Möglichkeiten sprengen. Anscheinend waren die schlichten blauen Gummistiefel, die ich vor 20 Jahren kaufte (und die nun leider Risse haben), ein „Herrenmodell“, denn da passte ich mit meinen kräftigen Waden locker rein. Bei den heute verfügbaren Gummistiefeln (wobei das eigentlich angepeilte auch ein „Herrenmodell“ war, musste die Verkäuferin zugeben) ist selbst bei Größe 42 (ziehe ich halt drei Paar Socken an…) nichts zu machen: Menschen haben derzeit anscheinend Stöckchenbeine.

Woran ich mich erinnern will:
Wie dankbar viele Verkäuferinnen sind, wenn man ihnen geduldig, freundlich und zugewandt begegnet. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, womit die so den ganzen Tag konfrontiert sind, kann es mir aber lebhaft vorstellen.

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Chicoreesalat

21. Januar. Montag. Proaktiv die Menschen kontaktiert, von denen ich heute Drängeln erwartete – mit Erfolg. Kleinteiliges Arbeiten: Mails beantworten, ein paar Ideen für eine Mini-Anfrage entwickeln und verschicken. Mittags Bank- und Einkaufsrunde, zu Hause Polenta vorgekocht, die abends als Taler zum Chicoreesalat gebraten werden sollte. Für den Salat viel zu viele Walnüsse geknackt und dabei eine neuere und recht informative (und wohl auch faire) Dokumentation über Eva Braun angesehen. Dann entspanntes Arbeiten, ein Problem, das mich zuletzt viele Stunden gekostet hatte, war schließlich dank der Vorarbeit relativ schnell (2 Stunden) gelöst. Ein lange aufgeschobenes Telefonat mit P. geführt, aber dort ist zum Glück alles in Ordnung. Noch etwas geschrieben, dann kam H. und ich machte mich an die Essenszubereitung. Ich koche ja nur ungefähr einmal pro Woche und auch wirklich nicht mit übergroßer Begeisterung, aber heute ging es mir gut von der Hand und hat auch alles so geklappt, wie ich es wollte.

Woran ich mich erinnern will:
Das Essen heute war wirklich lecker – Chicoreesalat mit Huhn und Polentatalern.
Grobe Zubereitung:
Dressing aus mildem Essig (Weißwein/ Balsamico Bianco; wenn vorhanden Kumquat-Essig o.ä.),  nussigem Öl (Walnuss, Sesam…), Zitronensaft, mildem Senf (z.B. Kräutersenf von Maille), Orangenmarmelade (oder noch besser: Dreifrucht aus Mandarine, Orange, Grapefruit), Ahornsirup. Oder Honig, aber das mag ich nicht so gerne. Außer man bekommt diesen griechischen Honig mit Walnüssen drin…
Dorthinein: Chicoree, (Blut-)Orange, Birne. Wenn die Birne zu fest ist, würfeln und in etwas Butter ganz kurz (!) anschmoren. Beim Servieren noch warm über den restlichen Salat geben.
Währenddessen: Hühnergeschnetzeltes mit Salz & Pfeffer anbraten. Aus Polenta Taler schnneiden/ ausstechen und ebenfalls anbraten.
Salat auf den Tellern anrichten, angeschmorte Birnenwürfel, gewürfelten Blauschimmelkäse und gehackte Walnüsse drüberstreuen. Hühnerstückchen oben drauf legen, Polentataler nebendran.

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Endlich arbeitsam

20. Januar. Sonntag. Die To-Do-Liste wird jetzt langsam unangenehm lang. Der eine Kunde ist aus dem Urlaub zurück und wird wohl ab Montag auf der Matte stehen und sich nach den (nicht vorhandenen) Fortschritten erkundigen. Auch die Kollegin wird wohl wieder gesund sein, und bei ihrem Projekt habe ich noch nicht einmal angefangen…
So bin ich also heute endlich mal fleißig und bringe das mittelgroße Projekt einen Riesenschritt vorwärts. Darum muss ich mich morgen also erstmal nicht kümmern.
Das Geschenk für die Freundin fertiggemacht und dabei festgestellt, dass mir noch wesentliche Teile fehlen. Merde! Also morgen nochmal los.
Dann ist mir eingefallen, dass es nett wäre, ein kleines Programm für den Kurzurlaub vorzubereiten und wichtige Infos zusammenzutragen (Sehenswertes, Öffnungszeiten, Preise…). Allein aus dem Stehgreif ist mir eher Programm für eine Woche eingefallen als für zwei ganze und zwei halbe Tage, und ich habe noch nicht mal angefangen, ernsthaft zu recherchieren. Es ist ein Fluch.
Zwischendurch gespült, Wäsche weggeräumt und mich gerade noch davon abgehalten, eine weitere Stunde fürs Keksebacken zu „verschwenden“.

Woran ich mich erinnern will:
Mein perfekter Tagesablauf – früh wach, keine Schmerzen, entspannt lesen, schauen, schreiben, dann abwechselnd arbeiten und Hausarbeit/ lesen/ Tagebuch schreiben. Gegen 15:00 Uhr kurze Pause mit leichtem Essen und etwas Musik oder Film, aber kurz, dann Kaffee, dann nochmal arbeiten bis gegen 18:00 Uhr, dann nochmal Internet lesen bis H. kommt, dann Nachrichten, Abendbrot, Film und dann ins Bett.

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Haushaltstag

19. Januar. Samstag. Tja. Mit Arbeiten war es wieder (fast) nichts, obwohl ich, wie jeden Morgen diese Woche, eigentlich gut motiviert in den Tag gestartet bin. Aber dann kommt dieses und jenes, hier ein interessanter Text, den ich lesen will, dort eine Idee, die ich aufschreiben muss, und zack ist es Mittag. Samstag Mittag steht aber Einkaufen auf dem Programm, und als ich anschließend die Einkäufe verräumte, fiel mir ein, dass ich ja eigentlich Kekse backen wollte (die Weihnachtskekse waren in der ersten Janaurwoche weg, und ich hatte H. versprochen, für Nachschub zu sorgen). Wenn ich schon bei der Hausarbeit bin, dachte ich, könnte ich ja auch gleich die Waschmaschine anwerfen, und bei der schmutzigen Tischdecke fiel mir ein, dass ja auch der Weihnachtstisch jetzt langsam mal abgeräumt werden könnte. Also Tischdecke wechseln, Weihnachtsdeko verräumen (ja, ich weiß, fleißige Menschen machen das nach dem Dreikönigstag – ich bin froh, wenn ich vor dem Valentinstag das Gröbste schaffe und Ostern nicht noch Sterne wegsortieren muss). Dann war auch irgendwann die Wäsche bereit zum Aufhängen, und als ich mit allem fertig war, war es halb vier und also Kaffeezeit. So geht das. Ich habe dann später noch anderthalb Stunden gearbeitet, aber das war so weit vom Plan, das treibt mir echt die Tränen in die Augen. Wenn nicht gähnende Leere auf dem Konto wäre, würde ich das alles entspannter sehen, aber so… Fuck!

Woran ich mich erinnern will:
Die ersten Wochen des Jahres sind in Sachen Arbeitsmotivation immer eine Katastrophe – wie kann ich mich besser mental und finanziell darauf vorbereiten?

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Kindergartenmänner

18. Januar. Freitag. Gelesen, gelesen, gelesen. Das Januar-Tagebuch von Anke Gröner nachgelesen. Links gefolgt. Hier und dort gestöbert.
Mich vor der anstehenden Arbeit gedrückt.
Wieder mein Kleid angezogen. Ich übe neue Looks, im Moment stehe ich sehr auf Farbe: pink, orange, lila, apfelgrün, gerne auch alles zusammen und durcheinander. Im Kleid fühle ich mich sanft, zart und verletzlich, das brauche ich anscheinend gerade.

Ich habe einen Kunden, der macht es sich immer sehr leicht. Er hat mal ein bisschen HTML gelernt, vor Jahren, sich aber nicht die Mühe gemacht, auf dem Laufenden zu bleiben. Von modernem Code hat er keine Ahnung. Der Kunde fügt nun gerne selber mal nach Gutdünken Codeschnipsel irgendwo ein, und das geht fast immer schief. Bei mir kommen dann Mails an wie „Kannst Du mal eben schauen, irgendwas ist da nicht in Ordnung…“ und dann mache ich mich auf die Suche. Meist quäle ich mich durch absatzweise krudesten Code-Müll, der auf wundersame Weise dennoch meistens irgendwie funktioniert, um nun den tatsächlich verantwortlichen Auslöser der aktuellen Fehldarstellung zu finden.
Das ist generell in Ordnung, mir machen solche Fehlersuchen Spaß, und meist ist das eine Sache von 10-15 Minuten, um den Fehler zu korrigieren. Was mich aber zunehmend nervt, ist seine Art, mit der er anscheinend vor allem bei Frauen sehr erfolgreich ist: Er macht einen auf charmanter kleiner Junge, der schon weiß, dass er Bockmist gebaut hat, aber nun ja, das passiert halt im Eifer des Gefechts und ist ja auch nicht böse gemeint, und es wäre halt schon supertoll, wenn ich da jetzt helfen könnte, denn sonst wäre er ja echt aufgeschmissen. Treuherziger Augenaufschlag, charmantes Lächeln und diese Attitüde „Jungs sind halt so“.
Ich habe die Nase voll von dieser Scharade und erziehe ihn mir jetzt, indem ich ihn beschäftige: Er soll erstmal selbst suchen, soll mir genau aufschreiben, was er gemacht hat, bevor der Fehler auftrat, soll mir den entsprechenden Code markieren usw. Dann gewöhne ich ihm ab, dass diese Korrekturen mal eben schnell abends um 18 Uhr gemacht werden, weil am nächsten Morgen eine „Präsentation beim Kunden“ ansteht (er ist Designer), von der ich bei der Gelegenheit zum ersten Mal höre. Kann dann schon mal passieren, dass er am nächsten Morgen um 9:00 Uhr eine Mail von mir erhält: „Oh, gerade Deine Mail gelesen – ich bin heute Vormittag auch bei Kunden – ich kümmere mich heute Nachmittag darum, ok?“
Ich reiße mir im Notfall für Kunden wirklich den A… auf, pfeife auf pünktlichen Feierabend und Wochenende, wenn es irgendwo brennt. Aber ich bin nicht mehr bereit, anderer Leute Inkompetenz und Faulheit auszubügeln, wenn sie mich dafür nicht entsprechend bezahlen.
Seine Mutter, seine Freundinnen und seine Frau haben an diesem „Prachtexemplar“ wirklich versagt, denn ich weiß zufällig, dass er sich männlichen Kollegen gegenüber nicht so verhält…

Wenigstens schaffe ich es momentan, die absolut wichtigsten, dringendsten, deadlinegefährdeten Arbeiten zu erledigen, ansonsten bekomme ich nicht viel hin. Außer lesenlesenlesen. Und den Haushalt nich komplett verwahrlosen lassen.

Woran ich mich erinnern will:
Sonne, klarer blauer Himmel, kalte Luft, auf den Dächern nasses Weiß.

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Zart fühlen

17. Januar. Donnerstag. Ich erwache mit leichten Kopfschmerzen und Hitzewallungen, freue mich aber auf einen Tag, an dem ich in Ruhe arbeiten kann, ohne mich zu sehr zu stressen.
Ich lasse es langsam angehen, lese ein wenig, schreibe auf, was ich diesen Monat schon alles gelesen habe (Bücher kann ich mir ganz gut merken, aber ich lese viele Artikel online, da bleiben dann Gedankenfragmente oder Formulierungen hängen, die will ich später nochmal nachlesen, um mich zu vergewissern, dass ich den richtigen Zusammenhang erinnere, und dann finde ich sie meist nicht mehr).
Ein längeres Telefonat mit einer Kollegin/ Kundin, in dem wir die nächsten gemeinsamen Projekte planen.
Ich kann mich nicht aufraffen, mit der Arbeit zu beginnen. Draußen kommt die Sonne raus und ich ziehe mein neues Kleid an, um mich schön und auch ein bisschen zart und weich zu fühlen.
Auf arte.tv schaue ich den Film „Nicht meine Schuld“ nochmal an. Gestern Abend hatte ich ihn nur am Rande mitbekommen, aber er hatte mich angesprochen. Heute also nochmal in Gänze. Sehr gelungen, solche Geschichten mag ich gerne.
Nachmittags dann noch zwei Stunden an einem Mini-Projekt gearbeitet, das morgen fertig sein soll. Das wird vielleicht ein bisschen knapp, ich muss mal sehen.
Eventuell stirbt der Kindle, das wäre natürlich furchtbar. Muss morgen der Sache mal auf den Grund gehen…

Woran ich mich erinnern will:
Auch wenn mir nicht danach ist: ein bisschen was tun, ist immer gut. Schlimmstenfalls stelle ich fest, dass ich wirklich gar nicht arbeiten kann, bestenfalls schaffe ich ein bisschen was weg und reduziere insgesamt den Druck.

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Hiobsbotschaft

16. Januar. Mittwoch. Gestern Abend noch eine weitere Hiobsbotschaft aus K. erhalten. Wäre das Leben ein Film-Plot, man würde nach einer halben Stunde wegen Unglaubwürdigkeit und Übertreibung den Fernseher ausschalten oder das Kino verlassen. Nun also der zweite Todesfall in einer Familie innerhalb einer Woche, auch dieser für die Hinterbliebenen einigermaßen unerwartet.
Mein Kopf knabbert den ganzen Tag an der Situation, und ganz nebenbei rege ich mich noch über M.s kalte, herzlose und egozentrische Reaktion auf die Nachricht auf. Ich war heute bei ihr, um ihr bei einigen Dingen zu helfen und wünsche im Nachhinein, ich hätte den Termin verschoben.
Nun ist aber alles erledigt, und ich habe wieder eine Zeitlang Ruhe – und konnte bei der Gelegenheit gleich noch ein kleines Geburtstagsgeschenk für K. kaufen.
Wieder zu Hause hatte ich sehr heftige Migräne, und anstatt mich mit Medikamenten vollzustopfen, legte ich mich ins Bett und schlief drei Stunden. Danach ging es mir besser, allerdings rief eine Viertelstunde später die Freundin aus K. an und erzählte mir von den neuesten Entwicklungen, und danach platzte mir erneut der Schädel, so dass ich dann doch zwei Aspirin nahm. Was für ein wunderbares Gefühl, als sie endlich wirkten…!
H. dann bei seinem Heimkommen alles Neue aus K. erzählt. Wir sind beide zu erschöpft, um zu überlegen, was das jetzt alles für Auswirkungen haben kann und wie wir uns verhalten sollen/ können/ müssen. Keine Kraft mehr.

Woran ich mich erinnern will:
Wenn der Kopf an einem Problem dran ist, keine herausfordernden Verabredungen mit anderen Menschen treffen. Oder diese ggf. absagen.

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