Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Summer Dreams

5. August 2020. Mittwoch. Heute schon um halb fünf wach. Nach etwas Drehen und vergeblichen Einschlafversuchen dann eben um 4:45 aufgestanden.
H. hat wohl kaum geschlafen, er verlangt nach einer Aspirin. Dann muss es ihm wirklich dreckig gehen. Anscheinend schmerzt der Gesichtsnerv auf einer Seite komplett von der Stirn bis zum Kinn. Einen Entzündungsherd kann er nicht ausmachen. Überreizung?

Die Sonne scheint, es wird warm (27 Grad).
Ich bin wegen des frühen Aufstehens (und wohl auch, weil ich gestern so vor Energie geglüht habe) müde und lustlos, mäandere durch die Aufgaben, ohne irgendwo mental wirklich hängenzubleiben. Am ehesten funktionieren noch prvate historische Recherchen.

Zur Beruhigung des schlechten Gewissens (und zur Stressvermeidung morgen) arbeite ich wneigstens am Projekt der Lieblingskundin weiter, denn das soll nach Möglichkeit diese Woche noch online gehen. Mehr als eine Stunde in zwei Etappen macht mein Kopf nicht mit, aber in der Zeit komme ich gut voran, den Rest schaffe ich morgen schon irgendwie.

Nachmittags dreieinhalb Stunden an einem neuen privaten Projekt gearbeitet. Der Kopf kann schon, er will sich nur aussuchen, womit er sich beschäftigt, und die Prioritäten liegen momentan nicht bei den Tätigkeiten, die Geld einbringen, dummerweise.

Zum Abendbrot gebratene Aubergine mit einer Gemüsemischung aus Linsen (Rest von vorgestern), Tomaten, Lauchzwiebel, Knoblauch, Oliven, Tomatenmark, mais und Feta. Lecker und prima Resteverwertung.
Im Fernsehen auf ARTE (wo sonst) Maudie, ein Porträt der kanadischen Malerin Maud Lewis mit einer fantastischen Sally Hawkins.

Woran ich mich erinnern will:
Der Drive, wenn etwas Neues beginnt. Rauschhaft.

What I did today that could matter a year from now:
Eine Idee ausarbeiten.

Was wichtig war:
Trotzdem machen.
Mittelfristig denken.
Loslassen.
Weitermachen.
Neues anfangen.
Graben.

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Kauferlebnis der besonderen Art

4. August 2020. Dienstag. Aufgewacht und aufgestanden kurz nach fünf. Etwas früh, so richtig wach bin ich noch nicht. Aber die Idee war: Arbeiten bis mittags, spätes Frühstück mit H. (der die halbe Nacht am Keyboard saß), dann nachmittags „frei“, um in die Stadt fahren.

Die Sonne scheint wieder, wie schön. Heute sind die Temperaturen noch angenehm (23 Grad), ab morgen wird es wieder wärmer, bis 33 Grad am Wochenende.

Ich fahre um zwei los, vorher bin ich beim Projekt der Lieblingskundin sehr gut vorangekommen.

Der Blödmarkt sorgt erwartungsgemäß mal wieder für ein besonderes Kauferlebnis:

  1. Der Online-Shop ist nicht in der Lage, mir das gewünschte Produkt nach Hause zu schicken („Versand nicht möglich, nur Abholung in der Filiale“).
  2. „Abholung in der Filiale“ heißt selbstverständlich nicht „in der Filiale in der Nähe meines Wohnorts“, sondern „in der Filiale mitten in der Stadt“.
  3. Fahrtkosten: 5,80 Euro, Zeitaufwand inkl. Hin- und Rückfahrt: 1,5 h. Na danke.
  4. Am Abholschalter steht kein Kunde, dafür zwei Mitarbeiterinnen. Ohne Maske, aber müssen sie ja auch nicht. Nett wäre es trotzdem. Die Mitarbeiterinnen sind in ein privates Gespräch vertieft, an dem sie mich ungewollt teilhaben lassen. Keine gibt zu erkennen, dass sie mich wahrgenommen hat, erst als ich genervt die mitgebrachten Abholunterlagen („Drucken Sie den Abholschein aus und bringen Sie ihn samt Rechnung mit in die Filiale“) auf den Tresen knalle und laut und vernehmlich „Guten Tag!“ sage, eist sich eine der beiden widerwillig los. Der Widerwillen steht ihr deutlich ins Gesicht geschrieben.
  5. Statt einer Begrüßung erklärt sie mir, dass ich mir „die Patrone hätte sparen können“. Ich schaue ratlos. Was? „Na, Sie hätten das nicht ausdrucken müssen, die Abholnummer, die hier drauf steht, reicht mir.“ – „Aha. In der Mail stand aber, man solle alles ausdrucken und mitbringen.“ – „Na deswegen sage ich es Ihnen ja. Brauchen Sie nicht.“ – „Na ja, dann sollten Sie vielleicht mal nach oben weitergeben, dass hier alle Kunden umsonst Unterlagen mitbringen.“ – „Ich muss gar nichts. Im Übrigen will ich Ihnen ja nur einen Gefallen tun.“ – „Indem Sie mir sagen, ich hätte etwas nicht tun müssen, was Ihre Firma aber ausdrücklich von mir verlangt hat? Was soll mir das jetzt nützen?“ – „Na ja, fürs nächste Mal.“ – „Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es ein nächstes Mal gibt.“ Kuhaugen.
  6. Sie schnappt sich meine Zettel (auf denen mein Name, Adresse und Mailadresse stehen) und geht um die Ecke, um meine Ware zu holen. Sie kommt ohne die Zettel wieder. „Haben Sie meine Zettel jetzt weggeworfen?“ – „Wollten Sie die etwa wiederhaben?“ – „Ja, in der Tat.“ Augenverdrehen, sie verschwindet nochmal um die Ecke, kommt mit den Zetteln wieder. „Was wollen Sie denn noch damit?!“ – „Zum einen kann ich sie ja noch als Schmierpapier nutzen, wenn ich sie schon umsonst bedruckt habe. Zum anderen möchte ich nicht, dass meine Daten hier offen rumliegen.“ – „Na, was glauben Sie denn, wofür der Dokumentenschredder da ist?!“ – „Welcher Dokumentenschredder?“ – „Na, selbstverständlich vernichten wir hier alle Unterlagen sofort, dazu sind wir ja verpflichtet! Wir gehen sehr sorgfältig mit Kundendaten um! Das ist uns ganz wichtig!“ – “ Nun, alles, was ich beobachte ist, dass jetzt soeben Zettel mit meinen persönlichen Daten drauf unbeaufsichtigt irgendwo dahinten herumlagen und keineswegs geschreddert wurden. Da nehem ich sie lieber mit, bei mir sind sie besser aufgehoben.“ – „Na, Ihnen kann man aber auch gar nichts Recht machen!“ Könnte man schon, zum Beispiel seinen Job richtig machen und kundenorientiert denken.
  7. Immerhin kann ich direkt bei ihr bezahlen und muss nicht mehr zur Kasse, das war aber auch das einzig Positive.

Anschließend in dem Center den Supermarkt gesucht. An einer Rolltreppe hängt ein Schild: Der Supermarkt befindet sich im Untergeschoss. Also die Rolltreppe runter – nur um dann in der Tiefgarage zu stehen. Kein Hinweis auf den Supermarkt. Ich mache mich auf den Weg, denn anhand des Lageplans sehe ich, dass er hier irgendwo sein muss. Schilder Fehlanzeige, immerhin ist ein Drogeriemarkt ausgeschildert, das müsste also die richtige Richtung sein. Nach fünf Minuten Abgasgestank (trotz Maske, die ja, wie wir wissen, Gerüche nicht wirklich abhält) stehe ich endlich in einer kleinen Ladenpassage, wo sich auch der Eingang zum wirklich sehr großen und angenehm luftig sortierten Supermarkt befindet.

Beim Rauskommen nehme ich die Rolltreppe aus der kleinen Passage und stehe oben direkt am anderen Ende des Centers. Das könnte man wirklich etwas besser ausschildern, liebe Leute!
ZIemlich genervt trete ich den Heimweg in der natürlich proppevollen U-Bahn an. Wie das wohl wird, wenn die Schule wieder losgeht? Und dann die Hälfte der Leute (Kinder, Unbelehrbare) ohne Maske? Na danke.

Zu Hause dank Früharbeit nun wirklich frei, ich mache mir einen großen Eimer Milchkaffee und denke ein wenig auf meinen aktuellen Zielen, Wünschen und Vorhaben herum.
Fotos bearbeiten. Rechner aufräumen. Geschirr spülen.

H. kommt erst um halb acht und hat Zahnschmerzen bzw. eine Entzündung im Kiefer. Auch Stress?

Zum Abendbrot Matjes mit Pellkartoffeln und grünen Bohnen aus P.s Garten. Auf ARTE eine Doku über die Atombombe auf Hiroshima. Schwere Kost, auch wenn man eigentlich alles weiß – die Zeitzeugenberichte sind immer wieder erschütternd, vor allem, wo man nun anscheinend weiß, dass die japanische Militärführung die Bevölkerung mehr oder weniger sehenden Auges ohne Vorwarnung geopfert hat.
Was für eine bescheuerte Spezies sind wir eigentlich?

Woran ich mich erinnern will:
Beim nächsten Mal eventuell nicht nur auf den Preis schauen, sondern das „Gesamtpaket“ betrachten.

What I did today that could matter a year from now:
Mich unter Menschenmassen begeben.
Ziele konkretisieren.

Was wichtig war:
Rausgehen.
Einigermaßen ruhig bleiben.
Niemanden beleidigen.
Energie ausnutzen.

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Dranbleiben

3. August 2020. Montag. Um Punkt sechs wach und aufgestanden. Es ist bedeckt und angeblich kühler, aber die Luft ist sehr feucht. Unangenehm. Ich fühle mich unausgeschlafen und bekomme wieder eine Entzündung am Zahn. Ich ahne, was der Stress ist; er hängt mit dem bevorstehenden Geburtstag von M. zusammen, aber da ist wohl wenig zu machen. Gegensteuern.

Heute innerlich seltsam unruhig. Die Gedanken springen von einem Thema zum andern, Konzentration auf eine Sache ist für maximal zehn Minuten möglich, dann beginnen körperliches Unwohlsein, Atemnot, die Augen fallen zu, ohne dass ich mich wirklich müde fühle. Totalverweigerung.

Eigentlich wollte ich in die Stadt zu einem Blödmarkt fahren, um mein Geburtstagsgeschenk von H. abzuholen, aber das verschiebe ich. Eigentlich müsste ich auch dringend ein Projekt für die Lieblingskundin fertig machen, da komme ich wenigstens ein bisschen weiter – in Zehn-Minuten-Häppchen; am Nachmittag sind sogar mal 40 Minuten am Stück möglich.

Ich versuche, den tropfenden Wasserhahn auseinanderzubauen, aber das funktioniert nicht; die Griffe lassen sich nicht entfernen, um an die Ventile zu kommen, denn der Zugang zum Schräubchen ist verklebt. Man soll also den kompletten Wasserhahn wegschmeißen, weil man nicht ans Innere kommt, um einen Pfennigsartikel wie eine Dichtungsgummi auszutauschen? Krank.

Am frühen Nachmittag widerwillig einkaufen gegangen. Das Caféchen hat noch zu (Sommerurlaub), sonst hätte ich mich gerne auf einen Milchkaffee (und vielleicht ein Stück Kuchen) dort niedergelassen, aber die Hipsterläden sind keine Alternative, also gibt’s Kaffee (und keinen Kuchen) zu Hause.

Mich ein bisschen in Working Out Loud eingelesen – ich weiß nicht, ob das das Richtige für mich ist. Mir geht es ja eigentlich auch eher darum, mal endlich ein paar Dinge erledigt zu bekommen, nicht so sehr ums Lernen und Netzwerken. Aber vielleicht könnte das was sein, um gleichgesinnte KundInnen und ProgrammiererInnen zu finden, wer weiß? Ich gebe es noch nicht ganz auf.

Immerhin heute geschafft: Festplatte und Inbox weiter aufräumen, Fotos bearbeiten und taggen, Klarheit über mein Geschenk für M. gewonnen, insgesamt weiter gekommen. Besser Babyschritte als gar keine.

Zm Abendbrot Curry-Ingwer-Zwiebel-Speck-Lauch aus dem Ofen mit Berglinsen und auf ARTE „Die Erbin“ mit Olivia de Havilland und einem grottenschlechten Montgomery Clift (der immerhin soviel Selbstkritik besaß, genervt von seiner eigenen Darstellung die Premiere des Films zu verlassen). Ursprünglich war wohl geplant, die Stars von Robin Hood (1938) wieder zusammenzubringen: Basil Rathbone als Dr. Sloper und Errol Flynn als Morris Townsend. So gerne ich mir das angesehen hätte – so hatte Olivia de Havilland doch mehr Gelegenheit ihre Stärken auszuspielen, anstatt lediglich ein Remake der Liebesszenen aus Robin Hood zu drehen.

Woran ich mich erinnern will:
Wenn nicht so, dann eben anders.

What I did today that could matter a year from now:
Neues lernen.

Was wichtig war:
Dranbleiben.
Es immer wieder versuchen.
Umswitchen.
Machen.

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Unverträglichkeiten

2. August 2020. Sonntag. Nach der gestrigen Freiheit, früh aufzustehen gönne ich mir heute um fünf die Freiheit, mich nochmal umzudrehen und weiterzuschlafen. Und zwar bis kurz vor sieben, was eine gute Zeit für einen Sonntag ist, denn so bleibt mir noch genug vom Tag.

Ich schwanke zwischen „frei machen“ und „Dinge erledigen, damit ich in der Woche frei machen kann“. Da ich morgen schon wieder unterwegs sein werde, schwngt das Pendel zu Letzterem – aber bitte ganz entspannt!

Erstmal in den Tag finden, Nachrichten und Internet lesen, Str8ts spielen, duschen.

Dann M. anrufen, die sich beschwert, dass sie ein Medikament verschrieben bekommen hat, das sie nicht nehmen will (schreckliche Nebenwirkungen!!1!11!) und meine Meinung dazu hören möchte (Spoiler: Ich habe weder Medizin noch Pharmakologie studiert). Ich frage als erstes, was denn die Ärztin diagnostiziert habe, um dann dieses Medikament (ein Antibiotikum) zu verschreiben? „Das hat sie mir nicht gesagt!“

Augen schließen. Atmen. Ruhig bleiben. Nachfragen. Es stellt sich heraus, dass die Ärztin das natürlich gesagt, sogar recht ordentlich und gründlich untersucht und noch weitere Untersuchungen im Labor angestoßen hat. Aber es war eben keine Heititei-Ärztin, die M. nach allen Regeln der Kunst bedauert und ihr stundenlange Vorträge gehalten hat. Eine Ärztin also nach meinem Geschmack, nicht nach M.s. Wir klären das, ich beruhige, ermuntere, argumentiere, lüge auch en bisschen – Hauptsache, die Wogen sind geglättet. Ist M. mit der Welt halbwegs in Einklang, funktionieren die Dinge besser, und wenn die Ärztin mit ihrem Verdacht Recht hat, ist das auch nichts, was man wegignorieren und aussitzen sollte.

Danach zur Erholung ein paar historische Recherchen, dann spätes Frühstück mit H., Wäsche wegräumen, spielen. H. geht rüber zu sich, draußen regnet es, und ich mache mich dann doch irgendwann an die Arbeit, wenn auch wirklich mit Widerwillen.
Immerhin schaffe ich weitestgehend, was ich mir für heute vorgenommen hatte (mit einem Zeitaufwand von 2 Stunden, das ist für einen Sonntag sehr okay).

Letzte Woche bin ich über die Selbstlern-, Kooperations- und Networking-Methode „Working Out Loud“ gestoßen, über die ich ein wenig nachgelesen habe. Ich bin noch unschlüssig, ob das was für mich sein könnte, habe aber Lust, etwas Neues auszuprobieren, vielleicht erstmal mit einem privaten Projekt..?

Internet lesen, Fetsplatte aufräumen, Essen machen.

Zum Abendbrot gibt’s Gyros mit Salat und Ciabatta mit Knoblauchbutter, im Fernsehen auf ARTE Die fabelhafte Welt der Amélie.

Woran ich mich erinnern will:
Ich muss dringend den Wasserhahn in der Küche reparieren!!! Soviel Wasser, wie da raustropft, kann ich nicht jeden Tag in die Blumen gießen.

What I did today that could matter a year from now:
Etwas neues kennenlernen.

Was wichtig war:
Ruhig bleiben.
Nachfragen.
Geduld haben.
Neues kennenlernen.
Trotzdem machen.

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Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Die Freiheit, früh aufzustehen

1. August 2020. Samstag. Aufgestanden um Viertel sechs (für Ahnungslose: 5:15 Uhr). Nun, das ist etwas früh, aber ich denke mir: Wenn Du müde wirst, legst Du Dich halt später nochmal hin. Auch eine Art von Freiheit, die uns in den „normalen“ mit Terminen vollgestopften Tagen entgeht: Die Freiheit, früh aufzustehen, weil man ja später nochmal schlafen  kann.

Neuer Monat, neues Glück, also Catch-up and finish. Ich bin hoch motiviert aufzuräumen: Mailbox, Browsertabs, Gedanken, Ideen, ToDos. Angesammelte Zeitschriften und Prospekte. Den Schreibtisch. Die Küche. Eine längst fällige Mail schreiben. Bilder bearbeiten.

Nachmittags dann zum Ausgleich Hobby: Ein paar historische Recherchen. Graben.

H. hat einen schlechten Tag, kommt nichtin die Gänge, ist unlustig. Er ist unzufreiden hier, hat Reiselust, will raus. Für einen Ganztagesausflug fehlt ihm angeblich die Zeit, aber wenn er hier ist, schläft er den halben Tag, ohne hinterher ausgeruhter zu sein, den anderen halben Tag vertut er mit dem Lesen von Nachrichten und Mails und dem Planen von Dingen, die er nie tun wird.

Zum Abendbrot Spinat-Shakshuka mit Pilzen und Feta.
Auf ARTE Dokus über die Entwicklungsgeschichte von New York und London. Oberflächlich, aber schön zu gucken. Danach Dokus über Erdbeben-Gefahr in Istanbul und einen Tsunami im Genfer See im 6. Jahrhundert.

Woran ich mich erinnern will:
Diese Lust auf ansonsten unliebsame Tätigkeiten, wenn es ein frisches Motto gibt.

What I did today that could matter a year from now:
Entschlüsse fassen.

Was wichtig war:
Einfach tun.
Treiben lassen.
Nicht faulenzen.

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Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Es einfach durchziehen

31. Juli 2020. Freitag. Aufgestanden um 6:45 Uhr, als die Sonne vom Fenster in mein Gesicht reflektiert wird. Ein sehr angenehmer Wecker.

So, nun ist dieser Monat also auch rum. Wie immer ging es (viel zu) schnell, aber es war trotz allem ein ereignisreicher Monat gewesen: Der Urlaub im Dorf, die neue Kamera, neue Klamotten, das Treffen mit der Freundin, der Ausflug an die Mosel, der Mini-Ausflug mit Bootsfahrt in die Stadt, der Shopping-Tag, der Keller-Umbau, die Kröten-Auswilderung, viele leckere Dinge gekocht, viel draußen gewesen, dann hier in Berlin das Treffen bei P., der Flughafen-Test, das Treffen mit C. und der Spaziergang über den Friedhof. Ein schöner Juli und ein Sommer, wie er sein soll: sonnig, warm, aber nicht zu heiß, kaum schwüle Tage, abwechslungsreich, erholsam.
Danke dafür.

Mein Plan für August: Catch-up and finish. Angefangene Projekte erledigen, Rechnungen schreiben, aufräumen, ausmisten, an der eigenen Homepage weiterarbeiten. Platz für Neues schaffen. Dann Ende August nochmal offiziell eine Woche frei nehmen, zwei Geburtstage (mit)feiern und dann schon langsam wieder darauf vorbereiten, im September erneut ins Dorf zu fahren.

Heute den ganzen Tag weiter meinen gestrigen Entschluss umgesetzt, die Website des schwierigen Kunden technisch auf eine solide Basis zu stellen. Ein paar unvorhersehbare Schwierigkeiten tauchten auf, konnten aber gelöst werden; um fünf war alles fertig, jetzt muss nur noch hinter den Kulissen aufgeräumt werden. Ich bin sehr erleichtert, auch wenn es länger gedauert hat als gedacht.

Sonst war heute nicht viel, ein kurzer Kontakt mit der Lieblingskundin, ein schneller Einkauf, draußen ist Sommer und drinnen ist’s kühl. Alles schön.

Abends eine ganze (kleine) Räucherforelle vom Discounter, dazu gemischter Blattsalat mit Gurke und Zitronenzwiebeln sowie geröstete Brötchen mit Knoblauch und Butter. H. schwelgt.
Nix im Fernsehen.

Woran ich mich erinnern will:
Der Flow, wenn ich mir die Zeit nehme und einfach stur abarbeite. Anstrengend aber schön.

What I did today that could matter a year from now:
Eine Entscheidung umsetzen, no matter what.

Was wichtig war:
In Ruhe arbeiten.
Keine Selbstvorwürfe.
Keine Rechtfertigung.
Entscheidungen.

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Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Arbeitsmäandern

30. Juli 2020. Donnerstag. Aufgestanden kurz vor sechs. Es ist sonnig und warm bei angenehmen Temperaturen um 23 Grad. Sehr schön.

Ich bin schon die ganze Woche meiner Zeit voraus und denke immer, dass es schon einen Tag später ist. Heute ist also gerade mal Donnerstag, das ist toll. Zwei Arbeitstage, an denen ich nicht raus muss, wenn ich nicht will, und an denen ich (hoffentlich) ungestört arbeiten kann.

Nach wie vor unheimlich viel Energie und Tatendrang.

Der etwas anstrengende Kunde meldet sich mal wieder, nachdem ich ihm am Montag mitgeteilt hatte, dass das alles nicht so geht, wie er es sich vorgestellt hat. Einen Plan bzw. eine Entscheidung hat er immer noch nicht; ich glaube, ich schaffe da jetzt mal Tatsachen.

Vormittags viel Kleinkram: Ein Update des Mailprogramms ist schief gegangen und erfordert etliche Neustarts und eine Neunstallation. Zwei Fotos für C. fertigmachen und versenden. Den Script-Konflikt bei einem Projekt der Lieblingskundin beheben. Bei der anderen Kundin nachfragen, die am montag aus der Notaufnahme mailte, wie es ihr geht (schlecht, aber sie will jetzt nach Hause, weil rumliegen könne sie dort besser). Wäsche waschen. Am Layout eines anderen Projekts der Lieblingskundin weiterarbeiten. Mit ihr telefonieren.

Über all dem wird es drei, und ich bin eigentlich durch für den Tag (also körperlich und mental – zu tun hätte ich noch genug).

Der Nachmittag ist seltsam, denn ich bin zwar müde, aber von einer merkwürdigen Unruhe befallen: Ständig fange ich etwas an, dann fällt mir etwas ein, ich mach kurz das, verliere mich dann in irgendwelchen Arbeiten, Recherchen oder lese mich wo fest, dann fällt mir wiedre ein „Ach, eigentlich wolltest Du doch…“, dann kurz zurück bis ich wieder abgelenkt werde. Ein komisches Hin und Her aus essen, Internet lesen, Wäsche aufhängen, Filme aus der ARTE-Mediathek zum späteren Anschauen runterladen, Kaffee trinken, zu einem Berliner um 1900 recherchieren, dessen Grab ich am Mittwoch entdeckt hatte, mit H. telefonieren, der sich zum ersten Mal mit dem ELSTER-Online-Portal herumschlägt (wo alles anders läuft als in der Software, die man aber nicht mehr benutzen darf), mehr Internet lesen, Geschirr spülen.

Beim Spülen beschließe ich, nun Nägel mit Köpfen zu machen und das vergurkte Projekt, dessentwegen mich der Kunde morgens angemailt hatte („Ich habe da eine Idee“), eigenmächtig auf solide Füße zu stellen und anständig zu Ende zu bringen, denn seine Frickel-Mentalität hat uns ja erst in diese blöde Lage gebarcht, das unterstütze ich nicht weiter.

Gleich fühle ich mich besser und starte den langwierigen Prozess, eine einzelne Website aus einer WordPress-Multisite-Installation herauszulösen und auf einen anderen Server mit anderer Domain umzuziehen (wer hier nur Bahnhof versteht, hat nichts versäumt).

Spätes Abendbrot (Rest von gestern, also Huhn, Möhren, Bulgur-Tabouleh), der Fernseher bleibt aus, hinterher sitzen H. und ich  noch bei einem Glas Wein zusammen und reden über Messis, Dinge als Ballast und Sicherheit, Ordnung, ausmisten und Raum.
Fast wie im Dorf, wenn wir abends noch auf der Terrasse sitzen.

Woran ich mich erinnern will:
Reden bei einem Glas Wein.

What I did today that could matter a year from now:
Eine Entscheidung treffen.

Was wichtig war:
Machen.
Nachdenken.
Entscheiden.
Ausruhen.
Dran bleiben.

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Friedhofsbesuch

29. Juli 2020. Mittwoch. Aufgestanden um zwanzig nach sechs.
Sonnig aber etwas „kühler“. Nach den 30 Grad gestern werden heute „nur“ 23. Reicht aber auch, in der Sonne ist es ohnehin viel heißer.

Damit es nicht langweilig wird, habe ich mich gleich am Tag nach dem Flughafentest mit C. verabredet, um am Friedhof nach dem Grab der Großeltern zu sehen. Ich war offenbar sehr optimistisch, was meine Energie angeht und habe die Möglichkeit von Nachwirkungen wie Migräne, Erschöpfung und ähnliches nicht in Betracht gezogen. Zu Recht, wie sich herausstellte: Ich spürte heute zwar körperlich, dass der gestrige Tag mit dem vielen Stehen nicht unanstrengend war, aber ansonsten geht es mir überraschend gut, außerdem habe ich gute Laune und bin bereit zu allen möglichen Aktivitäten. Sehr merkwürdig.

Überhaupt habe ich seit jetzt über einem Monat ein erstaunlich hohes Energielevel, bin unternehmungslustig und belastbar. Die #aktuellesituation tut mir offensichtlich gut.

Ich breche also um halb zehn Richtung Berliner Südwesten auf, und die Fahrt dauert trotz dreimaligem Umsteigen (U-Bahn, S-Bahn, andere S-Bahn, Bus) nur 45 Minuten. Sehr entspannt. Ich nutze den „Ausflug“, um ein paar Bilder mit der neuen Kamera zu machen. Die Akkulaufzeit macht mir etwas Sorgen; ich muss mir dringend zwei Ersatzakkus besorgen, denn bei meinem Fotografierverhalten brauche ich die für einen Tagesausflug. Mindestens.

Ich bin früher da als verabredet, C. aber auch. Wir pflanzen unsere Sonnenblumen, plaudern etwas, dann verabschiedet sie sich und ich stromere noch etwas über den Friedhof auf der Suche nach alten Gräbern, skurrilem Grabschmuck und schönen Perspektiven.

Dann zurück, noch ein Gemüse-Großeinkauf beim Discounter, und ich habe wieder für eine Woche Essen. Sehr schön.

Nachmittags Telefonate mit der Lieblingskundin (1 Stunde), mit M. (1 Stunde) und mit H. (20 Minuten). Alle Leute sind in Plauderlaune, ich auch, und gearbeitet wird dann heute eben nicht mehr viel.
Eine Fehleranalyse mache ich noch, warum auf einer Website ein bestimmtes Element nicht angezeigt wird (JavaScript-Konflikt), der rechner verlangt nach ein klein wenig Wartung, und der Schreibtisch muss dringend aufgeräumt werden, sonst finde ich irgendwann meine Tastatur nicht mehr.

H. kommt kurz vor sieben, wir reden etwa eine Stunde über C. und das Grab und was sonst so war, dann geht es ab in die Küche und ohne Spülen an den Herd: Es gibt gebratenes Huhn, dazu ein Tabouleh aus Bulgur und Möhrengrün (so ähnlich wie das hier, nur ohne Petersilie, denn ich habe echt viel Grün), die dazugehörigen Möhren mit Königskümmel und Sesam im Ofen geröstet und ein Tahin-Sößchen.
Auf Fernsehen habe ich keine Lust, der Kopf ist voll.

Woran ich mich erinnern will:
In Berlin werden die Feuerdornbeeren schon orange.
Eine Ringeltaube, die auf dem Friedhof Nistmaterial sucht und dann in einen Straßenbaum fliegt, wo sie ihr Nest baut. Wie sie sorgsam einen trockenen Grashalm dreht, wendet, prüft und ihn sich dann zum Abtransport bereitlegt.

What I did today that could matter a year from now:
Einen Kontakt pflegen und vielleicht den Grundstein für etwas legen.

Was wichtig war:
Mit Ruhe auf Befindlichkeiten reagieren.
Wahrnehmen.
Rausgehen.
Sonne.
Schauen.
Fotografieren.
Ruhe.
Einkaufen.

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Als Komparsin im Probebetrieb am neuen Berlin Airport

28. Juli 2020. Dienstag. Wecker um 6:30 Uhr, wach und aufgestanden um 6:15 Uhr. Es ist sonnig und warm, später werden mehr als 30 Grad.

Der große Tag: #BERtesten. Ich gehöre zu letztendlich 9.000 Komparsen, die den Betreibern des neuen Flughafens BER und dem dort eingesetzten Personal helfen sollen, die Abläufe zu üben, Fehler aufzudecken und Prozesse zu verbessern. Ursprünglich sollten es 20.000 Komparsen sein, und die doppelte Menge „Reisender“ hätte heute sicher ein realistischeres Bild ergeben. Aber #inderaktuellensituation ist eben alles anders, und da der Flughafen voraussichtlich im Oktober desen Jahres (*hust*) seinen Betrieb aufnehmen wird soll, sind eben auch die Pandemie-bedingten Einschränkungen und Besonderheiten Teil des Trainingsprogramms.

Ich bin mit dem bereitgestellten Shuttle vom S-Bahnhof Schönefeld (der Bahnhof unterm Flughafen ist noch nicht in Betrieb) etwa um 9:45 Uhr am Gelände. Nach langer Wartezeit und kurzer Einführung geht es pünktlich um 11:00 Uhr los. Ein Presseteam ist auch vor Ort, und im Anschluss erscheinen etliche Reportagen zu unserem Tag, zum Beispiel auf rbb24 und bei dpa (der Beitrag wird von verschiedenen Tageszeitungen übernommen, unter anderem von der Berliner Morgenpost).

Es ist anstrengend, der Tag besteht größtentels aus Warten und dann wieder dem Laufen sehr langer Strecken. Die „Probeflieger“ wurden wohl absichtlich jeweils ans Ende der Abfluggates geschickt, um die Laufzeiten zu überprüfen. Aber das konnte man vorher ahnen, denn bereits in der Beschreibung des Testbetriebs heißt es: „Da Sie während des Probebetriebs mehrfach Abflüge und Ankünfte proben, müssen Sie mit längeren Laufstrecken rechnen. Durchschnittlich werden es etwa vier bis fünf Kilometer pro Tester sein. Dies kann jedoch im Einzelfall auch übertroffen werden.

Also wie bei einem richtigen Flug: Suchen, warten, suchen, rennen, warten.
Zur „Belohnung“ stieg man beim Boarding statt in ein Flugzeug in einen bereitgestellten Reisebus, der zu einem „Rundflug“ über das Gelände „abhob“ – mit sehr viel Spaß vom Busfahrer und der kommentierenden Begleiterin absolviert.

Das ganze Procedere von Abflug und Ankunft wurde zweimal durchgespielt, und erwartungsgemäß lief es zumindest für die TeilnehmerInnen beim zweiten Durchgang viel reibungsloser und entspannter: Schließlich wusste man schon, wo alles ist, wo man langlaufen muss, wie man sich wo anzustellen hat und was einen erwartet. Während also vormittags lauter Neulinge unterwegs waren, die sich erstmal orientieren mussten (vielleicht vergleichbar mit der Abfertigung von Ferienfliegern), waren es am Nachmittag routinierte Flugreisende (also wohl mit dem Verhalten beim Abfertigen von Geschäftsfliegern).

Pünktlich um 15:30 Uhr „landete“ meine letzte Maschine, dann hieß es ein letztes Mal warten, um Warnwesten, Sicherheitsausweis und den ausgefüllten Bewertungsbogen abzugeben, ein paar Fotos von außen wollte ich noch machen, dann ging es in den Shuttle-Bus und um 16:00 Uhr war ich auf dem Heimweg.

Um 17:00 Uhr zu Hause, und ich fühle mich wirklich wie nach einem anstrengenden Reisetag, zum Glück ohne Migräne trotz Hitze, Zugluft (in der S-Bahn) und Anstrengung. Toitoitoi!

Abends den Rest der Broccoliquiche gegessen und auf ARTE die Dokumentation „The Bomb“ angeschaut.

Woran ich mich erinnern will:
Die furchtbare Nervosität und wie ich mich selbst beruhigen konnte.
Die Münzen im Steinfußboden.
Die „Rundflüge“ im Bus.
Wie angenehm es ist, sich hinter der Maske verstecken zu können.
Das Gefühl, sich einen Ort anzueignen.

What I did today that could matter a year from now:
Den Tag mit sehr vielen Menschen verbringen, die nicht alle ihre Maske korrekt tragen können (oder wollen) und nur ein sehr unvollkommenes Gefühl für Entfernungen haben („Wenn ich Sie mit meinem Arm berühren kann, stehen Sie auf keinen Fall 1,50 m von mir entfernt. Was glauben Sie denn, was für lange Arme ein Mensch hat?!“).
Wichtige Erfahrungen sammeln und Erkenntnisse (auch über mich und darüber, wie ich funktioniere) gewinnen.

Was wichtig war:
Mitmachen.
Ruhe bewahren.
Geduld haben.
Mich selbst beruhigen.
Auf Signale des Körpers hören.
Kommunizieren.
Freundlich und neugierig bleiben.

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Arbeitsroutine und leichte Nervosität

27. Juli 2020. Montag. Wach kurz nach fünf, aber das wäre wieder viel zu früh, also trotz drängender Blase nochmal eingedöst bis halb sieben. Passt.

Es scheint wieder die Sonne und ich erinnere mich, dass das vor unserer Reise ja auch so war: ein einziger langer Sonnentag von Ende März bis Mitte Juni, nur selten unterbrochen von Bewölkung und vereinzelten Regenfällen. Während unserer Abwesenheit war es angeblich überwiegend grau und feucht. Schauen wir mal, wie es weitergeht.

Die Woche wird anstrengend, weil ich morgen den ganzen und übermorgen den halben Tag unterwegs bin. Heute stand also einiges an, vor allem Dinge für die Lieblingskundin.
Letztendlich wurde es dann weniger als befürchtet, zum Teil weil ich am Wochenende vorgearbeitet hatte, zum Teil, weil die Dinge plötzlich alle nicht mehr so wichtig waren wie sie Anfang letzter Woche noch aussahen.

Also: Änderungswünsche bei einer Website eingearbeitet, eine Anleitung verfasst, an einer anderen Website weitergearbeitet.
Später dann noch ein längeres Telefonat mit ihr, etwas Privates, ein paar Absprachen.

Nachmittags ein schneller Einkauf im kleinen Supermarkt hinterm Platz, gewaschene Wäsche aufhängen, Einkäufe verräumen, kollabieren im Sessel.

Nervosität breitet sich aus, denn morgen werde ich eine von 400 Komparsen sein, die zum Probebetrieb am neuen Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) erscheinen darf, um die Standardabläufe bei Check-In, Sicherheitskontrolle und Boarding zu testen. Ich weiß nicht, warum, aber ich bin ziemlich aufgeregt deswegen.

Zum Abendbrot Broccoli-Quiche mit Räucherforelle, im Fernsehen (ARD) der großartige Film „Three Billboards outside Ebbing, Missouri„. Endlich kommt auch mal wieder zur Prime Time in der ARD keine Schmonzette deutscher Produktion, sondern ein richtig guter Spielfilm. Danke!

Woran ich mich erinnern will:
Sonne am Morgen

What I did today that could matter a year from now:
Meinen Job gut.

Was wichtig war:
Nachlassender Druck.
Kontrolle.
Abwechslung.
Rausgehen.

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