Anna denkt nach, Anna schreibt

Disclaimer & Triggerwarnung

Hier ist aktuell viel von meiner Trauer(arbeit) zu lesen. Es ist also viel von Tod die Rede und von meinen widersprüchlichen Trauergefühlen bzw. meinen Versuchen, sie zu verstehen und damit umzugehen. Eigentlich fast ausschließlich.

Hintergrund:
Mitte Januar 2021 erlitt mein langjähriger Lebensgefährte H. einen schweren Herzinfarkt. Danach lag er zwei Wochen im künstlichen Koma und starb Ende Januar, ohne nochmal das Bewusstsein zu erlangen.
Mitte Februar war seine Kremierung, Mitte März wird seine Beisetzung stattfinden (ja, das kann aktuell in Berlin so lange dauern).

Ich hoffe, zunehmend auch wieder über andere Themen schreiben zu können. Wenn es soweit ist, werde ich diesen Beitrag hier entfernen. Bis dahin: Seien Sie gewarnt.

(20.2.2021)

Grabsteine auf einem Friedhof im Schnee
Standard
Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der hundertzweiundvierzigste Tag im Danach

Donnerstag, 17.Juni 2021. Vorab ein kurzes Lebenszeichen zwischendurch, da mich besorgte Nachfragen erreichen (Vielen lieben Dank dafür!!): Ich bin seit knapp zwei Wochen in unserem Häuschen im Dorf, die letzten fünf Tage hatte ich Besuch von H.s Schwester und Schwager, um über die Zukunft des Häuschens zu sprechen, von dem sie ja durch H.s Tod ohne Testament den größten Anteil geerbt haben.

Die Zeit hier ist sehr intensiv und kräftezehrend. Ich habe täglich Notizen gemacht, aber noch nicht die Energie gefunden, das zu Texten auszuarbeiten. Ich habe aber vor, das nachzuholen, damit hier wieder ein halbwegs vollständiger Ablauf zu lesen sein wird. Da dieses Blog auch ein Stück weit mein „Gedächtnis“ ist, will ich das schon aus Eigeninteresse tun.

Also: Es geht mir den Umständen entsprechend gut. Weiteres hoffentlich in Kürze.
Vielen Dank, Ihr seid wunderbar!

Standard
Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der hundertdreißigste Tag im Danach: Ab und auf

Die Gefühle und Gedanken fahren Achterbahn. Begegnungen sind kleine Rettungsanker. Ein Kuchen wird gebacken, und das Tor in eine andere Welt öffnet sich einen Spalt und löst eine kleine Existenzkrise aus.

5. Juni 2021. Samstag. Ganz gut geschlafen. Ich hätte mir keine Sorgen machen müssen, was die Stille angeht: Mit offenem Fenster ist es gar nicht so leise, zumindest die Vögel und die Müllabfuhr sind sehr gut zu hören.
Aufgestanden um halb sieben. Natürlich nicht so gut gelaunt wie ich gestern war, aber es geht einigermaßen.

Das Gefühl, das ich gestern schon hatte, setzt sich heute morgen fort: Ich bin nicht alleine hierher gekommen. Schon gestern habe ich innerlich alles wie ein Reiseführer kommentiert, auf Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten hingewiesen, Gewohnheiten erklärt und warum Dinge im Haus so eingerichtet sind, wie sie es eben sind.

Ich weiß nicht genau, wen ich dabei habe, vermutlich ein Konglomerat aus mehreren Leuten, aber es macht mich ein wenig kirre, also versuche ich, das dauernde Kommentieren zu lassen. Irgendwann geht es dann.

* * * * *

Den Vormittag verbringe ich mit allem möglichen Kleinkram: Mails abrufen, Klamotten wegräumen, Windows-Updates, nachdenken über H., Frühstück, Wochenendzeitung mit den Todesanzeigen (tatsächlich ist die Mutter eines Bekannten verstorben), eine Mini-Sitzung mit mir selbst, wie ich nun den Tag verbringen will und was ich brauche.

Im Laufe des Vormittags verschwindet die anfangs noch ganz akzeptable Stimmung, und der Druck baut sich wieder auf. Ich habe wieder Atemaussetzer, halte die Luft an, spanne die Schultern an. Gedanken an H. kommen hoch, Verlustgedanken, Traurigkeit, Einsamkeit.
Die Reise-Aufregung, der Endorphin-Schub, es sicher hierher geschafft zu haben, ebbt ab.
Jetzt werden die Gefühle wieder „normal“.
Wobei mir diese kurze Auszeit sehr gut getan hat.

Aber auch das Durcheinander im Kopf nimmt wieder zu, es wird enger.
Ich fühle mich überfordert angesichts dessen, was ich hier bewältigen soll: Haus und Garten, Gefühle und Trauerarbeit, Arbeit, die bald eintreffenden Verwandten (Schwester und Schwager von H.)…

Also mache ich, was ich gut kann: Eine Liste. Und zwar eine gigantische To-Do-Liste für all die Arbeiten in Haus & Garten, die man jetzt erledigen könnte. Ziel ist es erstmal, den Kram aus dem Kopf bekommen.

Dann: Raum für Gefühle nehmen, nachdenken, erinnern, trauern. Das ist schon schwieriger. Ich muss atmen und eine kleine Meditation einschieben, um einigermaßen bei mir zu bleiben.

* * * * *

Es ist früher Nachmittag als ich endlich zum nächsten Tagesordnungspunkt aufbrechen kann: Einkauf. Auf dem Weg zum Bus begegne ich anderen Nachbarn, aber das ist in Ordnung. Ein kleiner kläffender Hund rettet uns vor peinlichen Gesprächen.

Dann Fahrt nach unten. Mir ist die Luft zu feucht und drückend, um das zu Fuß zu machen. Der eigentliche Einkauf ist anstrengend genug. Eine gute Stunde später bin ich wieder zu Hause, schaue noch bei den anderen Nachbarn vorbei, dann ab ins Haus. Tür zu, Einkäufe wegräumen, hinsetzen und die Gefühle strömen lassen.

Ich bin erschöpft und müde, jetzt kommt die Trauer voll raus.
Jetzt noch hinlegen? Es ist fast fünf. Quatsch. Also wach bleiben, nichts machen können, nichts machen wollen, das einzige, was mich retten könnte, wäre ein Lebenszeichen von TSO (was mich in einen unendlichen Glücksrausch stürzen würde) oder eine Unternehmung mit lieben Menschen, etwa ein Spaziergang mit Freundin B..

Und dann entsteht diese seltsame Stimmung, die mir jetzt schon ein vertrauter Begleiter ist: Müde, einsam, verlassen, traurig. Sehnsucht, Selbsthass, Schmerz, Tränen.
Und nichts und niemand kann mir helfen. Ist doch eh alles sinnlos, interessiert doch sowieso kein Schwein, wozu existiere ich überhaupt.
Und da dann wieder rauszukommen, ist nicht so einfach. In Berlin gehe ich dann zum Friedhof und heule. Und danach geht es mir meist besser. Und hier im Dorf?
Wenn ich nicht rauskann, weil ich niemandem begegnen will?
Sehnsucht nach meinem Kreuzberg, nach dem Grab, dem Friedhof, nach den Spaziergängen mit B…
Für diese Stimmung brauche ich noch ein Werkzeug…

* * * * *

Für heute holt mich ein Anruf von Freundin E. da raus. Wir reden 40 Minuten, vorwiegend über meine Pläne mit dem Haus, und das holt mich zurück auf den Boden, ich bin wieder Herrin meiner Situation.

Habe dann gleich soviel Energie, dass ich runtergehe, Lebensmittel in den Keller bringe und mich daran mache, einen Marmorkuchen zu backen.
Der Nachbarskater taucht am Küchenfenster auf und erbettelt sich eine Leckerei.
Ich setze mich auf die Terrasse und lecke die Teigschüssel aus. Plötzlich sieht alles nicht mehr so grau aus.

Es ist wundersam, wie schnell die Stimmung umschlagen kann, und zwar in jede Richtung. Ein wenig Erschöpfung: Mein Leben hat keinen Sinn mehr. Eine kleine Anregung, ein netter Kontakt: Ich schaffe alles.
Irrsinn.

* * * * *

Zum Abendbrot Eiersalat mit Gurke, Tomate und Remoulade, dazu Radieschen, Hummus und Käse. Bestandsaufnahme im Gartentagebuch. Auf der Terrasse sitzen, während drinnen der Fernseher läuft. Geräuschkulisse ist wichtig.
Chatte mit Freund B., er ruft dann auch kurz an.

Später im Fernsehen eine sehr gute Doku über Frank Zappa: „Eat That Question„. Ich als rock-und-pop-musikalische Analphabetin lerne nun dazu. Besser spät als dumm sterben. Ich hätte das trotzdem gerne zusammen mit H. gesehen und hoffe sehr, er kannte diese Doku (von 2016), denn er war ein großer Zappa-Verehrer. Vielleicht nicht so sehr musikalisch, aber von den Ideen, Analysen und Prinzipien her. Monster Movies… 🙂

Natürlich stürze ich danach wieder in eine Krise: Wie sehr wir beide unser kreatives Potential vernachlässigt haben. Was wir alles versäumt haben. Was ich alles ausgeblendet und vermieden habe. Aus Bequemlichkeit, Überforderung, Ignoranz. Was alles nicht wieder gut zu machen ist.

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
Der Kater am Fenster

What I did today that could matter a year from now:
Gedanken denken.

Was wichtig war:
Mich aufraffen, immer wieder.
Mich zusammenhalten.
Rausgehen.
Sprechen.
Klarkommen.
Überleben.

Begegnungsnotizen:
Nachbarn: A. & T. K., K. & S. K., der J. mit Frau, P. & T.P.
Menschen im Bus und im Supermarkt

Standard
Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der hundertneunundzwanzigste Tag im Danach: Ins Haus fahren

Auf dem Weg ins Ungewisse. Eine überraschend entspannte Ankunft. Und Angst vor dem, was da noch kommen mag.

4. Juni 2021. Freitag. Nach kaum fünf Stunden schlechtem Schlaf um sechs Uhr aufgestanden.

Tiefer Schmerz. Ich reiße ihn mir aus dem Herzen. Hoffe natürlich weiterhin. Aber die Hoffnung schwindet mit jedem Tag Schweigen. Nicht die Hoffnung, dass wir irgendwie lose in Kontakt bleiben oder uns freundlich begegnen, wenn wir uns treffen oder uns vielleicht sogar freuen, uns zu sehen. Aber die Hoffnung, dass da „mehr“ sein könnte, eine besondere Zuneigung, aus der irgendetwas erwachsen könnte – Zusammenarbeit, Freundschaft…

Aber es sind ja „nur“ Wünsche und Sehnsüchte, die sterben.

* * * * *

Reisetag. ich habe ein Ticket, mit dem ich flexibel fahren kann, das habe ich bekommen, als ich im Februar H.s BahnCard-Punkte eingelöst habe. Dieses Ticket wäre für ihn mehrere Freifahrten wert gewesen. Jetzt darf ich flexibel hin und zurück fahren, das ist momentan viel wert.

Natürlich hätte es mit genügend Vorlaufzeit und Planung und Festlegung auf einen Zug auch mit einem Sparpreis funktioniert. Mehr als dreißig, vierzig Euro hätte ich nicht zahlen müssen.

Aber ich genieße die Flexibilität. Egal, wie schlecht die Nacht war, ich kann im Bett bleiben, solange ich will. Und die Nacht ist besser, wenn ich nicht darauf lauere, ob nun bald der Wecker klingelt und ich raus muss.
Und ich kann mir Zeit mit meiner Morgenroutine lassen, kann nachdenken und schreiben solange ich will, muss mir nicht mein Frühstück reinwürgen und dann in der Eile irgendwas vergessen oder liegenlassen.
Ich fahre, wenn ich soweit bin, es geht jede Stunde ein Zug, und sechs Stunden später bin ich in K. und noch eine Stunde später im Haus.
Alles gut.

* * * * *

Letztendlich verzettele ich mich dann doch mehr als ich wollte und muss mich sputen, um kurz vor zehn aus dem Haus zu kommen. Dann ist aber alles entspannt: Am Bahnhof ist noch Zeit, beim Bäcker einen Snack zu besorgen, der Zug kommt pünktlich und mit der richtigen Wagenreihung, und im zweiten Wagen, den ich ansteuere, finde ich einen unreservierten Doppelsitz. Von „geringer Auslastung“ ist nicht viel zu sehen: praktisch jeder Doppelsitz weist mindestens eine Platzreservierung auf.

Die Fahrt ist unspektakulär, ich vertreibe mir die Zeit mit Mails, Nachrichten lesen, nachdenken und schreiben. Und ich höre das Stück, das Freund B. komponiert hat und zu dem ihm noch ein Text fehlt. Es ist nach wie vor wunderschön, und ich wünschte, ich könnte dichten.

Beim Umsteigen wird es etwas kuddelig, der Anschluss-Regionalexpress hat zehn Minuten Verspätung und fährt dann auf einem anderen Gleis ein, was allerdings erst unmittelbar vor der Einfahrt bekannt gegeben wird. Also rennen, schleppen, aufpassen nicht zu stolpern und dann in den anderen Zug. Bis K. holt er seine zehn Minuten schon wieder ein. Zum Busbahnhof, warten auf den Bus, Fahrt ins Dorf, um sechs bin ich zu Hause.

Und ja, es fühlt sich diesmal wirklich wie „zu Hause“ an.
Zwar hatte ich nach Abfahrt des Regionalexpress noch eine gute halbe Stunde ein echt enges Gefühl in der Brust, aber dank B.s Lied konnte ich es aushalten und durchstehen. Die Ankunft war dann ok, die Fahrt durch die Stadt und ins Dorf problemlos.
Auch die Ankunft im Haus hat mir erstaunlicherweise nichts ausgemacht.

* * * * *

Die einen Nachbarn sind verreist, und die anderen sitzen beim Essen als ich endlich angekommen bin, M. angerufen und die Gartenstühle hochgeschleppt habe. Da muss ich mich heute um gar nichts mehr kümmern.

Ich habe regelrecht gute Laune, schicke Nachrichten an Freund B., Freundin B., Freundin E. und die verreisten Nachbarn. Denke mit Zuneigung an TSO, falle ihm jetzt aber nicht mit einer belanglosen Nachricht auf den Wecker. Alles gut.
Ich fühle mich wie ein ganz neuer Mensch: In mir ruhend, stark, geordnet. Alles cool.
Wo kommt das jetzt her?

Ich spüre, dass ich H. nicht imitieren muss, um sein Andenken zu ehren. Dass ich hier sein und Ich sein kann. Dass er hier bei mir ist, wenn ich ihn brauche. Und wenn nicht, wurschtelt er irgendwo im Haus oder Keller rum und macht sein Ding. Wie immer.

* * * * *

Es hält nicht lange an, das hätte ich mir denken können, aber ich komme gut über den Abend. Mache mir eine Dosensuppe warm, schreibe noch ein wenig, räume rum, sitze draußen unterm Balkon, während es gießt. Schaue fern („American Psycho“). Gehe ins Bett. Bin abwechselnd glücklich und todunglücklich.

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
Mich bei mir und sicher und geerdet fühlen

What I did today that could matter a year from now:
Ins Haus fahren.

Was wichtig war:
Irgendwann mal aufbrechen.
Mich auf den Weg wagen.
Musik hören.
Auf meine innere Stimme hören.
Draußen sitzen.
Kontakt zu lieben Menschen.
Andere Gedanken denken, andere Gefühle fühlen.

Begegnungsnotizen:
Menschen in Bussen und in der Bahn sowie auf Bahnhöfen (wo sich beim Gleiswechsel jeder einen Scheißdreck um Abstände schert…).

Standard
Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der hundertachtundzwanzigste Tag im Danach: Gefühlschaos, Selbstzweifel und Gedankenkarussell

Während die Innenwelt wird immer chaotischer wird, kümmert sich die Außenwelt rührend um mich. Wenn es doch nur der eine täte, auf den es mir momentan am meisten ankommt.

3. Juni 2021. Donnerstag. Aufgewacht um halb fünf. Fünf Stunden Schlaf? Ernsthaft? Nachts auch wieder kurz mit komischen Nachtgedanken aufgewacht, die sich aber wegdrücken ließen. Es arbeitet.

Bis kurz vor fünf gelegen und gedöst, aber der Schlaf wollte nicht mehr kommen. Ich höre die Stadt aufwachen, höre Vögel singen, Krähen krächzen, den Zeitungsboten mit seinem Wagen über den Bürgersteig rumpeln. Mir graust vor der umfassenden Stille im Haus, wo es sich abends und nachts immer anfühlt, als sei die gesamte Menschheit durch einen Atomschlag vernichtet worden.

Ich habe jetzt schon Trennungsschmerz: von Kreuzberg, von meinen Leuten, vom Friedhof, von meiner Wohnung, von den gewohnten Abläufen und Gedanken, von den Geräuschen, Gerüchen, dem Licht. Wenn ich in zwei Wochen wiederkommen werde, wird alles anders sein, dann ist Sommer. Und niemand wird mich vermisst haben.
Und auch ich werde anders sein, habe neue Gedanken gedacht und neue Gefühle gefühlt, werde anders auf die Welt schauen, es ist soviel in Bewegung momentan.

Und ich möchte das nicht, will nicht, dass sich die Dinge verändern, will nicht dauernd Abschied nehmen und alles neu. Ich möchte mal irgendwo ankommen und dort eine Weile sein, zu mir kommen.

* * * * *

Morgens gute anderthalb Stunden Projektarbeit, dann wieder nachdenken über mich, versuchen, das Gefühlswirrwarr klein zu halten und teilweise zu entwirren. Große Sehnsucht. Nachdenken, schreiben, weinen.

Vormittags noch eine Stunde Projektarbeit. Lizenzen kaufen, Mails beantworten, nachmittäglichen Telefontermin mit H.s Kundin vorbereiten.

Anfangen, die Sachen zusammenzusuchen, die ich mitnehmen will. Bett beziehen. Saugen.

Die Lieblingskundin ruft an, wir sprechen eine halbe Stunde.

Nachdenken, schreiben. Blumen gießen. Bügeln. Mit Freundin B. zum nachmittäglichen Spaziergang verabreden.

Um 14:00 der Telefontermin mit der Kundin; ein paar Lizenzen müssen verlängert, ein Programm aktualisiert werden. Nichts Wildes. Trotzdem ist mir vor jedem dieser Telefonate bange. Das ist nicht mein Job, und ich mache ihn auch nicht gut, mir fehlt H.s Fürsorgedenken und Perfektionismus; ich mache nur, was nötig ist – aus Angst, etwas falsch zu machen.

Danach immerhin ein klein wenig ruhiger.
Datensicherung.
Kaffee trinken.

* * * * *

Kurz nach drei breche ich auf Richtung Friedhof. Mein Ruhe- und Kraftort. Es ist heiß, ich sitze in der Sonne auf der Bank und weine heftig. Ich gehe zu H. und trauere um einen anderen, um einen weiteren Verlust, der noch nicht feststeht, aber täglich wahrscheinlicher wird. Wie absurd das alles ist.

Ich habe nur eine halbe Stunde, dann muss ich schon wieder zurück, denn ich bin mit Freundin B. verabredet.
Auch hier fließen ein paar Tränen; ich erzähle von meinem Kuddelmuddel im Kopf, von den Gedanken, die nicht zur Ruhe kommen, und wie sehr mir H. fehlt, der mich in solchen Zuständen immer wieder runtergebracht hat.

„Solche Zustände“ hatte ich natürlich auch nur in Ausnahmesituationen, es ist eben meine Art, auf Stress, auf Unsicherheit, auf Unklarheit zu reagieren. Gerade jetzt bräuchte ich von allen Seiten eine klare Kommunikation und bekomme stattdessen Schweigen und Rückzug ohne Erklärungen. Ich weiß, das ist alles nicht so dramatisch, wie es sich anfühlt, ich bin zu ungeduldig, will, dass alles so schnell funktioniert wie die Gedanken in meinem Kopf rasen, das kann nicht klappen.
Und trotzdem.

Ich habe keine Kraft mehr, mich zu beruhigen, ich fühle mich wie ein Dampfdrucktopf, und der Druck steigt. Wer öffnet das Ventil und lässt Druck ab?
Normalerweise würde ich jetzt schnellstmöglich einen Termin bei der Trauerbegleitern machen, vielleicht für nächsten Dienstag oder Mittwoch.
Ich könnte dies auch jetzt tun, wir haben verabredet, dass auch ein Telefontermin geht.
Aber erstmal wegfahren und im Dorf ankommen. Vielleicht bekomme ich das selber hin.

* * * * *

Nachrichten lesen. Geschirr spülen. Einstündiges Telefonat mit M., wo ich wieder stark und „in control“ wirke, während es mich innerlich zerreißt. Das ist meine andere Seite, meine zuversichtliche, starke Seite, die da das Ruder übernimmt.

Im Gespräch mit Freundin B. philosophiere ich über Eigen- und Fremdwahrnehmung: Wenn ich die Person, als die andere mich wahrnehmen und mögen, aber selbst nicht leiden kann, was sagt das dann über meine Beziehungen aus? Wenn umgekehrt jemand von meinem äußeren Ich abgestoßen wird, kann er nie mein wahres Ich kennenlernen, obwohl er genau dieses vielleicht mögen könnte.

Welche bin ich? Die innere oder die äußere Person? oder eine Mischung aus beiden? Und was sind Beziehungen wert, wenn die Leute mein „falsches“ Ich gern haben? Mich für die „falschen“ Dinge lieben?

Ich bekomme noch einen Knoten im Kopf – und das Karussell dreht sich weiter und immer schneller…

* * * * *

Packen. Essen machen. Daten synchronisieren. Essen. Zum hundertsten Mal heute die Mails checken. Nein, er hat immer noch nicht geschrieben. Wird es wohl auch nicht mehr tun. Filmschnipsel anschauen, seine Stimme hören. Was heute Vormittag Anlass zur Hoffnung bot, sehe ich nun resigniert und desillusioniert. Alles sinnlos. Ins Bett, fernsehen, nachdenken.
Weinen.
Mir den nächsten Menschen aus dem Herzen reißen.
Wo soll das enden? Wird von mir überhaupt etwas übrig bleiben?

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
Weinen können – und Zuspruch bekommen. Gesagt bekommen, dass ich gemocht werde.

What I did today that could matter a year from now:

Was wichtig war:
Nachdenken.
Ruhe suchen, auch wenn ich nur kurz und zu wenig davon finde.
Rausgehen.
Reden.
Zuhören.
Bescheiden werden.

Begegnungsnotizen:
Bekannter D.
Freundin B.
Vor dem Restaurant J., M. und zwei Mitarbeiterinnen.

Standard
Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der hundertsiebenundzwanzigste Tag im Danach: Soul Food

Über Freundschaft nachdenken und schauen, was ist. Eigene und fremde Musik hören und die Seele berühren lassen.

2. Juni 2021. Mittwoch. Aufgewacht und -gestanden um sechs. Die Sonne scheint. Die Stimmung ist unentschieden: Traurig, verwirrt, ängstlich, sehnsüchtig einerseits – stark, vertrauensvoll, zuversichtlich, voller Liebe andererseits.

Ich nehme mir Zeit zum Schreiben, das brauche ich momentan. Psychohygiene. Konvertiere die letzten Filmschnipsel. Jetzt warte ich auf Teil 2 des Rohmaterials.

Telefoniere mit der Lieblingskundin und mit dem Verein, der die Kondolenzspenden für H. erhalten hatte. H. wäre von dem Ergebnis geplättet, ich persönlich hätte mir mehr gewünscht. Die einzelnen Spendensummen waren gut, es waren schlicht zu wenig Leute, die etwas gegeben haben, das finde ich schade. Gerade aus der doch recht großen (und nicht armen) Familie kam für meinen Geschmack zu wenig.

Anderthalb Stunden abrechenbare Arbeit, dazu Mails und Orga-Kram.

Eine Mini-Therapiesitzung, um mir in Bezug auf das weitere Vorgehen in Sachen TSO klar zu werden: Was ist und was weiß ich sicher?

Mittags los, um Freund B. zu besuchen.

* * * * *

Bei Freund B. ist gerade ein Bandkollege zu Besuch; mit reichlich Abstand trinken wir zusammen Kaffee. Die beiden älteren Herren sind schon geimpft und leben beide (derzeit) allein, deshalb mache ich mir wenig Sorgen. Er geht dann aber auch bald.

Wir haben uns wenig zu sagen heute, B. ist depressiv, ich mit den Gedanken woanders. Er greift immer wieder zur Gitarre, spielt Stücke an, bekannte oder eigene. Jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach, wie es scheint, das ist aber ok. So ganz langsam deutet er jetzt auch schon mal Trauergefühle wegen I. an, bisher hat er das immer wegrationalisiert. Gut.

Er kämpft ein wenig mit dem A3-Drucker, doch am Ende habe ich ein Bild von H., das ich ins Haus mitnehmen und in meinem (oder seinem?) Zimmer aufhängen möchte. Für die Küche lasse ich noch einen „richtigen“ Farb-Abzug machen, ich muss nur vor Ort mal den Rahmen ausmessen. Und ein Foto aussuchen und vorbereiten.

* * * * *

Um acht wieder zu Hause; in der Mailbox wartet der Download-Link für weitere Filmschnipsel, die ich bis elf noch konvertiere.

Verarbeite die Pastinaken, die schon eine Weile im Kühlschrank herumliegen, zu Püree, dazu gibt es ein Spiegelei und grobe Bratwürste, die eingefroren waren, aber schon etwas alt schmecken. Sie stammen wohl aus dem Februar, glaube ich.

Lade weitere Konzerte vom Moers-Festival 2021 herunter, schaue Filmschnipsel an, spiele, konvertiere, schaue, denke nach. Nachdem ich mich nachmittags vor allem in Bezug auf TSO recht aufgeräumt (wenn auch desillusioniert und traurig) gefühlt hatte, ist jetzt wieder Gefühlswirrwarr angesagt.

Nach elf im Bett, gelesen. Geschlafen gegen halb zwölf.

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
Musik zu hören, die meine Seele berührt. Und den Menschen kennen zu dürfen, der diese Musik erdacht hat.

What I did today that could matter a year from now:
Bestimmte Gedanken denken.

Was wichtig war:
Arbeiten.
Einen Auftrag erhalten.
Jonglieren.
Rausgehen.
Nachdenken.
Gesellschaft.

Begegnungsnotizen:
Menschen in U- und S-Bahn.
Freund B. und dessen Freund W.

Standard
Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der hundertsechsundzwanzigste Tag im Danach: Ein magischer Ort

Innenschau. Suche nach einem Kraftort in der Ferne. Werkzeuge. Begegnungen. Magie.

1. Juni 2021. Dienstag. Wach um halb sechs, Gedanken- und Gefühlswirrwar. Ich habe wohl gestern Abend zu viele Filmschnipsel von der Beisetzung angeschaut.
Ich schlafe nochmal ein und erwache um halb sieben aus einem Traum mit H. Das ist insofern ungewöhnlich, als ich schon zu „Normal“zeiten höchst selten von ihm geträumt habe und in diesem Jahr noch gar nicht, zumindest nicht erinnerlich.

Im Traum kommt er gerade von irgendwo zurück, erzählt mir von einem Grundstück, da sei jetzt eine Straße und da habe man vor zig Jahren Buchen gepflanzt, aber viel zu dicht, und jetzt, 30 Jahre später, stünden die da viel zu eng. Und er regt sich auf über soviel Blödheit und Kurzsichtigkeit. Ich wiederum erzähle ihm, dass die Freundin aus K. mir gemailt habe (was stimmt, gestern Nachmittag kam eine vorsichtige Nachfrage, die ich auch gleich – etwas wirr – beantwortet habe). Er erzählt mir daraufhin, die Freunde seien jetzt ein paar Monate mit der Miete im Rückstand. Inzwischen hat die Szene gewechselt, er liegt im Bett, während ich im Wohnzimmer am Tisch stehe und laut denke: ‚Die wissen aber, dass sie nach 3 Monaten Rückstand eine Kündigung riskieren?‘
Dann wache ich auf.

Ich denke lange darüber nach und erkenne in dem Traum viele Symbole aus dem Dorf, denke also, er bezieht sich auf meine bevorstehende Fahrt dorthin und meine diesbezüglichen Ängste nach dem doch ziemlich schrecklichen Aufenthalt im März.

Ich setze mich mit meiner imaginären inneren Therapeutin zusammen und analysiere die Situation – und komme am Ende zu dem Schluss, dass ich H. als Verbündeten ansehen will. Dass ich ihn bei mir habe und mit ihm gemeinsam entscheide, ob ich Sachen verändere, oder was ich (vorläufig) lasse, wie es ist. Dass ich gemeinsam mit ihm dort bin und gemeinsam mit ihm überlege, wie es weitergeht.
Dass ich mit H. fahre und nicht zu ihm, zu den Erinnerungen – denn ich habe die ganze Zeit das Gefühl, dort allein hinzufahren und gegen Erinnerungen an ihn „ankämpfen“ zu müssen (bzw. mit ihnen konfrontiert zu werden und mich damit auseinandersetzen zu müssen).

Nicht er – oder die Erinnerungen – gegen mich, sondern ich gemeinsam mit ihm – und den Erinnerungen – für eine andere Form unserer gemeinsamen Beziehung: Dass er weiterhin bei mir ist, dass ich weiterhin Probleme mit ihm besprechen kann, von seiner Ruhe und Kraft profitieren kann. Dass ich ihn weiterhin als Partner habe, mit dem ich – wie immer – meine Gefühle und Sorgen und Ängste und Zweifel teilen kann.

Dass ich die notwendigen Veränderungen – in meinem Leben, aber auch im und mit dem Haus – in „seinem Sinne“ durchführen kann, also in Übereinstimmung mit unseren gemeinsamen Werten und Vorstellungen.
Denn nach wie vor ist mein Bedürfnis groß, trotz notwendiger Änderungen noch möglichst viel so zu lassen wie es ist. Mich nicht von ihm verabschieden zu müssen, sondern gemeinsam mit ihm die nächsten Schritte zu gehen. Noch nicht seine Hand loszulassen, sondern noch eine Weile mit ihm gemeinsam zu gehen – in welcher Form auch immer das möglich sein könnte.

Das macht mich einerseits traurig, weil ich ja weiß, dass das alles nur in meinem Kopf stattfindet. Er ist eben nicht mehr da, um etwas mit mir gemeinsam zu tun.
Gleichzeitig mindert es meine Angst vor der Zukunft, wenn ich mir einbilden kann, ein Teil von ihm sei da irgendwie noch an meiner Seite und würde mir helfen, selbst wenn dieser Teil nur in meinem Kopf existiert. Aber das ist besser als wäre er ganz fort.

Als weitere Unterstützung bestücke ich mir einen „Werkzeugkasten“ für K. Schreibe Dinge auf, an die ich denken muss (essen, trinken, Ruhepausen, Zeit für mich und die Trauer, Kontakt) und die mir helfen können (Ruhe, Pausen, Kontakt, Aktivitäten). Ich habe mindestens drei enge Leute, bei denen ich mich melden kann, wenn es eng wird (die Trauerbegleiterin, Freundin B., Freund B.) und ein paar weiter entfernte, die ich ebenfalls kontaktieren könnte (Cousine D., TSO, Bekannte M., Freundin E., MW…). Ich denke, ich bin gut aufgehoben. Auch vor Ort gibt es Menschen, die mir zur Seite stehen können (Nachbarin M., RS, RW, Familie Sp.).

Was das im Einzelnen nutzen kann, wird sich zeigen – meist falle ich ja nach einem guten Sozialkontakt erst recht in ein Loch, wenn ich dann wieder einsam zu Hause sitze, aber ich muss schauen, in Berlin bekomme ich das ja mittlerweile auch einigermaßen hin.

Was mir am meisten zu schaffen macht, ist, dass ich keinen Ruheort habe, wo ich hingehen kann – so wie es hier der Friedhof für mich geworden ist. Ich habe keinen Platz, wo ich H. begegnen kann, wo ich mit ihm sprechen und weinen kann. Ich muss schauen, ob der Friedhof im Dorf für mich ein solcher Ort werden kann – oder ein Platz im Wald, vielleicht die Bank mit Ausblick übers Tal an der kleinen Straße? Oder eine Bank oben am Waldrand hinter der Turnhalle? Die Bank am anderen Weg, die mit den Rosen und dem weiten Blick?
Ich werde einen Ort finden.

* * * * *

Für Arbeit bin ich heute nicht zu haben, stattdessen betreibe ich viel Innenschau.
Denke zum x-ten Mal über mein Verhältnis zu TSO nach – und über sein erneutes Schweigen. Bin wieder versucht, sein Verhalten zu analysieren, was ohne vernünftige „Datenbasis“ (ich kenne ihn einfach viel zu wenig) ja völlig sinnlos ist.
Komme immerhin zu dem Punkt, dass er mir nichts Böses will und sein Schweigen wohl ziemlich sicher keine Zurückweisung bedeutet. Ich muss mich ja nicht wundern, wenn ich immer betont lässig kommuniziere, dass dann die Gegenseite auch (nach)lässig ist.

Dann denke ich darüber nach, dass ich momentan gerade sehr viel Innenschau betreibe, was wohl wesentlich damit zusammenhängt, dass ich ja auch gerade mein ganzes Leben umbaue.
In diesem Zusammenhang beschäftige ich mich viel mit der Diskrepanz von Selbst- und Fremdwahrnehmung, mit dem Erkennen meiner Bedürfnisse und Wünsche, mit der Zufrieden- oder besser Unzufriedenheit mit mir selbst: Wer bin ich, wer will ich sein, wer könnte ich sein, wie wirke ich, wie will ich wirken, was mag ich an mir, was nicht, was möchte ich ändern, wie möchte ich sein, was mag ich an anderen, wovon würde ich mir selber mehr (oder weniger) wünschen…

Kein Wunder, dass ich keine Lust auf Arbeit habe und ständig müde und erschöpft bin, irgendwann platzt mir wahrscheinlich der Kopf.

Das Ansehen der Filmchen hilft und hilft nicht.

* * * * *

Zusätzlich zu all dem Nachdenken habe ich allerhand „virtuelle“ Kontakte heute, muss Termine vereinbaren, Menschen Dinge mitteilen, Absprachen treffen. Selbst wenn ich erstmal keine Antworten bekomme, es also keinen Dialog gibt, muss ich mich bei jeder Mail, SMS oder Messenger-Nachricht ja auf den anderen einstellen, den richtigen Ton treffen, mich mit ihm/ihr beschäftigen – das ist dann schon wie eine Mini-Begegnung und auch anstrengend.

Heute habe ich bis mittags allein neun solcher Begegnungen: Telefonat mit der Lieblingskundin; Mail an eine Kundin von H., der ich einen Supporttermin für später in der Woche anbiete; Terminvereinbarung mit Freund B. für morgen; Mitteilung an die Trauerbegleiterin, dass ich nun definitiv zum Wochenende fahre; Mitteilung an die Fahrradwerkstatt, dass ich jetzt erstmal weg bin und sie sich mit der Reparatur Zeit lassen können; SMS an eine Kundin, die mich unbedingt treffen will, dass das in den nächsten Wochen nichts wird; Mail an eine andere Kundin, dass ich mich am Wochenende um ihr Anliegen kümmere; Mail an den Filmemacher, dass sein freigegebener Download-Link für weitere Filme nicht funktioniert SMS an Bekannte wegen der Telefonnummer eines Freundes, die ich nicht mehr habe.

* * * * *

Mittags kleiner Imbiss, dann wenigstens noch eine halbe Stunde eine Kleinigkeit für die Lieblingskundin fertig machen.
Danach menge ich noch en Stündchen rum, konvertiere weitere Filmschnipsel, sortiere Papiere auf meinem Schreibtisch, spiele, trinke Kaffee.

Um vier breche ich auf Richtung Friedhof.
Dort gab es heute drei Beisetzungen, eine davon im Grab neben H., eine 86-jährige Frau. ‚Das passt ja‘ denke ich, ‚auf der einen Seite ein Altfreak, auf der anderen eine Oma, da ist er in guter Gesellschaft.‘ Mit alten Damen hat H. sich beruflich und privat bestens verstanden, und ich hoffe, diese hier war eine Nette.

Ich gieße, zupfe Verblühtes ab, stelle den kleinen Sommerstrauß in die Vase, den ich beim Blumenhändler am U-Bahnhof am Friedhof gekauft habe: Kornblumen und Bartnelken. Ich habe dafür das Geld verwendet, das mir der Bekannte D. gestern Nachmittag in die Hand gedrückt hat.
Es sieht hübsch aus.
Ich säe noch ein paar Radieschen auf, die letzten sind gekeimt, das klappt also prinzipiell hier.

Dann sitze ich auf der Bank, halte Zwiesprache mit H. und weine heftig wie lange nicht.
Er redet mir gut zu wegen der Fahrt ins Dorf: Er sei doch bei mir (heftiger Weinanfall), ich wisse doch nun, was mich erwarte (ja eben!), ich solle es mir doch nicht selber unnötig schwer machen (leicht gesagt!), mich nicht vorher so verrückt machen, sondern dem Ganzen eine Chance geben, es auf mich zukommen lassen. „Mach Dir nicht so viele Sorgen“ rät er mir, und ich verspreche, es zu versuchen.

Eine Frau kommt, sie besucht das Grab ihrer Schwester ein paar Meter weiter. Ob sie einen Moment alleine sein wolle, frage ich, aber sie winkt ab, das gehe schon, sie komme seit zwei Jahren beinahe jede Woche. Ich erkläre, dass ich hier noch „ein paar Tränchen vergießen“ müsste. Sie schaut auf die frischen Gräber vor mir und ist verständnisvoll: „Klar, wenn das noch so frisch ist… – Das hört nie ganz auf.“ – „Aber es wird leichter?“ – „Ja, leichter wird es schon, aber es geht nicht weg.“

Sie erzählt von ihrer Schwester, die an Krebs gestorben sei, von einem Freund, der gerade Geld für eine letzte Reise sammele, weil er „austherapiert“ sei – was für ein schreckliches Wort – und jetzt noch all die Orte besuchen wolle, zu denen es ihn immer hinzog.

Dann erzählt sie von anderen dort Bestatteten: Von der Frau, die ihren Mann zu Grabe getragen habe und nur wenige Monate später sei sie selbst dort beerdigt worden, „acht Plätze weiter“. Von der Frau „aus dem Kiez“ (allerdings nicht aus diesem hier, sondern einem benachbarten), die 105 Jahre alt geworden sei, und dann habe ihr die Hausgemeinschaft die Beisetzung bezahlt, weil es keine Verwandtschaft mehr gab. Jetzt verwildere das Grab, aber die Betreuer der benachbarten Gräber würden sich in den nächsten Tagen darum kümmern.

Sie duzt mich ungefragt, und das tut gut. Kiez-Gefühl. Wir sind hier schon ganz richtig.

Nachdem sie gegangen ist, bleibe ich noch sitzen, nehme das Gespräch mit H. wieder auf, verspreche ihm, mich nicht zu sehr hineinzusteigern in Angst und Besorgnis. „Ich bin bei Dir“ versichert er nochmal, und ich weine erneut heftig.

Eine Frau im Rollstuhl kommt an, will zu dem frischen Grab neben H.s. Auch ihr biete ich an, sie alleine zu lassen, auch sie lehnt ab. Ich erinnere mich, wie es mir ging und denke: Vielleicht will sie jetzt wirklich lieber nicht alleine sein, also bleibe ich sitzen. Sie entdeckt meine Gießkanne, fragt, ob da noch Wasser drin sei, und ich gehe ihr welches holen.

Sie kann laufen, aber schlecht, und ist gekommen, um einen Blumentopf einzupflanzen, der bei der Beisetzung nur dort hingestellt wurde. Der Blumentopf ist schon gepflanzt – „da war wohl mein Bruder schon da“ – aber die Position gefällt ihr nicht, der Geranientopf muss nochmal umgesetzt werden.

Sie sitzt eine Weile neben mir auf der Bank, raucht zwei, drei Zigaretten, und wir kommen ins Plaudern.
Sie erzählt vom Tod ihrer Eltern – die Mutter, die jetzt hier begraben ist, starb kurz nach der Beisetzung des Vaters im März (er war im Januar gestorben) – von den Beerdigungen (der Vater liegt auf einem anderen Friedhof), vom Grab ihres anderen Bruders (auf dem Friedhof schräg gegenüber).
Jedes Grab ziert ein selbstgemachtes Holzkreuz; das für den Bruder hat der Vater angefertigt, die für ihre Eltern hat sie gemacht. Nach ihrer Fortbildung zur Holzmechanikerin kein Problem für sie. Auch für sich selbst habe sie schon eins angefertigt, „aber das ist vielleicht zu groß“.

Es ist eine einfache Frau, vielleicht in meinem Alter, die es nicht leicht gehabt hat, aber die sich durchbeißt. Keine Dumme, aber vom Leben gebeutelt und deswegen wohl kampfesmüde. Und schließlich hat sie heute ihre Mutter begraben.

Wir reden sicher eine Stunde, ich lasse sie erzählen, deute von H. nur die Eckdaten an: 61, Herzinfarkt, Bestatter aus dem Kiez, die Kosten der Beisetzung (will sie wissen).

Dann breche ich auf, beim Weggehen ruft sie mir noch ihren Namen zu und dass sie sich freue, dass wir uns kennengelernt haben. Ich freue mich auch. Schließlich sind wir jetzt „Nachbarinnen“.

Auf dem Weg nach draußen überholt sie mich mit ihrem Rolli, begleitet mich noch ein paar Meter, sie kann sich schwer trennen, das verstehe ich bestens. Vielleicht hätte ich anbieten sollen, noch etwas Zeit miteinander zu verbringen, irgendwo zu sitzen und zu plaudern, vielleicht etwas zu essen zu holen. Aber zum einen bin ich selbst angeschlagen, zum andern will sie ihren Bruder suchen, der sich irgendwo in der Nähe „herumtreiben“ soll.

Teils traurig, teils von einem tiefen Glücksgefühl wandere ich durch den Park zum großen Supermarkt, weil ich noch einkaufen muss.
Dieser Friedhof ist wirklich ein magischer Ort, da hatte der Bestatter schon recht.

* * * * *

Das Restaurant an der Ecke hat den ersten Abend wieder „regulär“ auf (natürlich nur Außenbetrieb und mit neuen, kleineren Tischen) und ich freue mich, eine alte Bedienung wiederzusehen. Sie haben jetzt alle Probleme, Personal zu bekommen, denn die haben sich mittlerweile natürlich größtenteils andere Jobs gesucht. Das muss sich nun alles erst wieder zurechtruckeln, und nun wird halt erstmal nach Möglichkeit jeder reaktiviert, der krauchen kann und bereit ist auszuhelfen.

Zu Hause noch schnell ein paar Dokumente an eine Kundin schicken, Mails checken (immer noch keine Antwort von TSO; da wird wohl auch keine mehr kommen, sei’s drum), Filmschnipsel konvertieren, Einkäufe wegräumen, die Pizza in den Ofen schieben, essen.

Nebenbei auf ARTE irgendwelche Dokus zu Alkohol und dem Missbrauchskandal auf Jersey vor einigen Jahren.

Ich schaue immer wieder denselben Filmschnipsel an, höre ihn sprechen, denke nach und komme zu keinem Punkt.
Jetzt erstmal wegfahren und Abstand reinbringen, auch wenn’s schwer fällt und weh tut.

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
Friedhofsbegegnungen und das Gefühl des magischen Ortes. Dankbarkeit.

What I did today that could matter a year from now:
Kontakte knüpfen. Nachdenken über Dinge. Einstellungen ändern.

Was wichtig war:
Mir Zeit nehmen.
Nachdenken.
Loslassen.
Rausgehen.
Mit H. reden.
Abends nicht ausgehen.
Mit Menschen sprechen.
Offen sein.
Zuhören.
Erzählen.

Begegnungsnotizen:
Blumenhändlerin.
Zwei Frauen auf dem Friedhof.
Menschen im Supermarkt.
Besitzer und Kellnerin im Restaurant.

Standard
Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der hundertzwanzigste Tag im Danach: 4 Monate

Erstmalig seit Monaten wieder lange und konzentriert gearbeitet. Ein trauriges „Jubiläum“. Umgang mit dem Schmerz lernen.

26. Mai 2021. Mittwoch. Morgens ein paarmal wach, aber nicht wach genug. Aufgestanden um halb acht.
Vier Monate.
Fuck.

* * * * *

Seltsamerweise geht mir heute die Arbeit gut von der Hand. Ich muss nicht aus dem Haus (will auch nicht) und komme mit dem Projekt für die Lieblingskundin gut voran: Von halb zehn bis halb elf mit ihr telefoniert, dann eine halbe Stunde gearbeitet, dann ein paar Telefonate und SMS, dann Frühstück.

Von zwölf bis halb zwei wieder gearbeitet, eine kurze Pause, dann eine halbe Stunde Yoga und eine halbe Stunde Meditation, beides mit Adriene zum Thema „Grounding“. Sehr wohltuend.
Es nimmt mir nicht die Traurigkeit, aber macht sie erträglich: Ich schaffe das.

Kaffeepause mit Kuchen und ein paar Trauergedanken.
Dann anderthalb Stunden für eine andere Kundin diverse Textänderungen auf der Homepage vornehmen.
Dann eine Stunde Pause: Mails, nachdenken, Finanzplanung.
Dann nochmal zwei Stunden am Projekt der Lieblingskundin.

Ich habe eine ungeheure Konzentration und Energie heute; möglicherweise der Vollmond? Ich muss mich abends regelrecht bremsen, weil ich mich sonst zu sehr verausgabe.

Spätes Abendbrot (Grillsteak mit Salat und Weißbrot), Tagesplanung und Chat mit Freund B. Nichts richtiges im Fernsehen; Shoplifters lief irgendwie nebenbei und hat mir gut gefallen.

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
Lange konzentriert arbeiten können

What I did today that could matter a year from now:
.

Was wichtig war:
Zu Hause bleiben.
Pausen.
Mich um mich kümmern.

Begegnungsnotizen:

Standard
Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der hundertneunzehnte Tag im Danach: Alles rauslassen

Worte und Tränen fließen lassen. Fragen stellen und Antworten geben. Hilfe annehmen. Rausgehen und sprechen.

25. Mai 2021. Dienstag. Mit wattigem Kopf nach knapp fünf Stunden Schlaf aufgewacht. Immerhin kein Brummschädel, nur Übermüdung, Schlafmangel, Überreizung, sozial und psychisch vollkommen erschöpft und überfordert, die Gedanken rasen wirr durch den Kopf, überall nur Forderungen: Kümmer Dich um dies! Erledige das! Beantworte meine Mail! Bearbeite mein Projekt! Entscheide Dich! Kümmere Dich! Melde Dich!
Ich. Mag. Nicht.

Komplette Verwirrung, alle Zeit- und Gefühlsebenen gehen durcheinander: Was wäre gewesen, wenn; was war; was ist; was wird sein; was soll sein; was wünsche ich mir; was kann ich nicht bekommen; wie, wer, was, warum?
Und unter allem das Gefühl von grenzenloser Einsamkeit und Traurigkeit.
Und es zerreißt mir das Herz und ich weine, weine, weine.

* * * * *

Setze mich dann irgendwann am mittleren Vormittag zu einer „Therapiesitzung“ in meinen Sessel. Ein noch funktionierender Teil von mir übernimmt den Part der Fragenstellerin: So, jetzt hol Dir mal einen Kaffee und ein Taschentuch, zieh Dir was richtig Kuscheliges an und mach’s Dir bequem. fertig? Gut, dann erzähl mal: Was ist gerade schwer?

Und ich erzähle meiner imaginären „Therapeutin“, was schwer ist: Dass H. mir so schrecklich fehlt; dass es mich verrückt macht, dass ich mich nur noch auf die Vergangenheit beziehen kann, dass er nicht mehr in meiner Gegenwart existiert und ich keine Zukunft mit ihm planen oder wünschen kann; dass ich ihn nicht in meinem Kopf hören kann, aber auch Angst davor habe, ihn heraufzubeschwören; dass ich überhaupt vor so vielen Dingen Angst habe; welche Versäumnisse ich meiner Meinung nach in unserer Beziehung begangen habe; was mir aktuell am meisten fehlt; warum ich darauf angewiesen bin, dass jemand mir zeigt, dass er mich uneingeschränkt liebt und mit mir durch Dick und Dünn gehen will. Alles, alles strömt aus mir heraus, und ich weine in anderthalb Stunden ein bettlakengroßes Stofftaschentuch voll.

Danach ist es besser.

Dann stellt meine innere „Therapeutin“ zwei entscheidende Fragen: Was würdest Du H. jetzt am liebsten sagen oder fragen? Nach ‚Komm endlich zurück!‘ ist das ‚Hilf mir!‘
Und was würde er antworten? – Keine Frage: ‚Natürlich helfe ich Dir! Was kann ich tun?‘
Und um was würdest Du ihn bitten?

Und dann geht es los, und plötzlich höre ich seine Stimme wieder und werde ruhiger.
Und ich hole mir noch einen Kaffee und putze mir die Nase und schicke die „Therapeutin“ in die wohlverdiente Mittagspause und hole mir Papier und Stifte und setze mich auf meinen alten Platz an den Wohnzimmertisch (ich sitze ja seit Monaten auf H.s Platz) und beginne meine Liste: Was jetzt wichtig ist.

Es wird ein ganzes A4-Blatt voll. Ich markiere Wichtigkeiten, nach H.s System mit senkrechten Strichen: ein Strich = steht an. Zwei Striche = wichtig, muss zeitnah erledigt werden. Drei Striche = heute oder so schnell wie möglich zu erledigen. T = Termin. TT = Telefontermin. RR = Rückruf. M = Mail.

Dann destilliere ich daraus eine möglichst knappe Liste von den Dingen, die heute unbedingt getan werden müssen, weil uns sonst der Himmel auf den Kopf fällt. Elf Punkte. Es ist halb zwölf. Ich kalkuliere Zeiten. Schaffbar.
Ich bedanke mich bei meinem imaginären H. (‚Musst Du Dich doch nicht bedanken, das ist doch selbstverständlich! Du schaffst das! Berg in Hügel!‘) und lege los.

* * * * *

Ich arbeite mit leidlicher Konzentration und großer Erschöpfung eine Dreiviertelstunde lang, dann mache ich eine Stunde Pause, räume RSS-Feeds auf und esse eine Kleinigkeit (Müsli, Mango).
Dann arbeite ich nochmal knapp anderthalb Stunden am Stück. Damit sind die Arbeits-Aufgaben für heute bis auf eine erledigt. Jetzt sieht der Plan Außenaktivitäten vor: Fotos abholen, Einkauf, auf dem Markt vorbeischauen, ob der Trödler da ist.

Es beginnt zu regnen, als ich losgehe, aber das macht nichts. Treffe die Nachbarin von ganz oben, die mit dem Hund rausgeht. Drehe meine Runde. Entdecke eine Flasche Wein, der interessant aussieht und nehme sie aus alter Gewohnheit mit. Es ist ein Spanier, das hätte H. interessiert. Er wird mir auch alleine schmecken. Ich schlucke kurz, aber da sind keine Tränen mehr.

Wieder zu Hause mache ich mir den vierten Kaffee des Tages und esse eine der selbstgebackenen Schnecken.
Schaue mir die Fotos an, die ich abgeholt habe. Es sind Abzüge von Bildern vom Weihnachtsmarkt im Dorf: H. fröhlich lächelnd neben verschiedenen älteren Damen, die alle geradezu glückselig in die Kamera strahlen. H. vor der Krippe. H. nachmittags nach Eröffnung am Glühweinstand mit dem ersten hochverdienten Bierchen des Tages. Und Bilder vom vorletzte Woche verstorbenen Bekannten, eins mit H., eins ohne.

Die Bilder will ich an die Witwe und an H.s Schwester schicken, einige sind auch für mich. Bilder auf Papier sind besser als am Bildschirm: man kann sie mit in den Sessel nehmen, genau anschauen, mit dem Finger über sein Gesicht streichen, sie küssen, sie ans Herz drücken und darüber weinen.

Aber heute habe ich keine Kraft mehr, die dazugehörigen Karten zu schreiben.

Ich bin für später mit Freundin B. zum Spaziergang verabredet. Weil ich mich erschöpft und dumpf und leer fühle, lasse ich die letzte Arbeitsaufgabe liegen und vertrödele stattdessen die Zeit mit Spielen und Nachdenken.
Immerhin öffne ich mal die zugehörigen Dateien und denke mich kurz wieder ins Projekt ein. So komme ich dann auch auf abrechenbare (!) zwei Stunden Arbeitszeit heute.

* * * * *

Der Spaziergang verschiebt sich um eine halbe Stunde, weil ein kurzes Gewitter niedergeht, dann kommt wieder die Sonne raus, und wir drehen schnell (eine Stunde) eine kleine Runde. Ich erzähle vom Grillabend und von meinen Ängsten in Bezug auf die Fahrt nach K. Freundin B. sagt zum Abschluss, nachdem ich ausgiebig Strategien und Dinge aufgezählt habe, die mir helfen könnten, wenn es emotional schlimm wird: „Und eins ist ja mal das Allerwichtigste…“ – „?“ – „Wenn es nicht geht, setzt Du Dich in den Zug und kommst zurück!“

Und ist es nicht wieder typisch, dass ich trotz flexiblem Ticket an diese Möglichkeit diesmal überhaupt nicht gedacht habe? Obwohl ich das sonst bei jeder Gelegenheit sage – Wenn es nicht geht, haue ich ab – ? Weil ja eben diesmal der Besuch von Schwester und Schwager ansteht und überhaupt. Na und? Wenn es nicht geht, haue ich ab. Den Schlüssel kann man irgendwo deponieren, eine Anleitung schreiben, was mit Strom, Wasser und Sicherungen zu beachten ist, und dann nichts wie weg. Was nicht geht, geht halt nicht.

Es ist so wichtig, sich immer wieder mit anderen zu besprechen, allein ist man ja manchmal wirklich blöd und blockiert.

* * * * *

Wieder zurück rufe ich M. an, bin aber so dermaßen erschöpft, dass ich nicht viel zum Gespräch beitragen kann.

Dann essen (Grillsteak, Salat mit Gurke, Tomate und Sauergemüse, Weißbrot, Kräuterbutter), dazu ein Lübzer Naturradler. H. hat ja Lübzer sehr gern getrunken, und ich kann mich nicht erinnern, dass wir von denen schon mal ein Radler probiert hätten. Schmeckt gut, und ich stoße in Gedanken mit ihm an.

Auf ARTE läuft eine Doku über das Verhältnis zwischen Mafia und Katholischer Kirche, das strengt mich nicht zu sehr an, ich bin unglaublich erschöpft und mache mich früh bettfertig.
Eine Nachricht und einen Anrufversuch von Freund B. ignoriere ich, ich kann nicht mehr.
Schlafe gegen halb zehn.

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
Alles rauslassen können.

What I did today that could matter a year from now:
?

Was wichtig war:
Mir Zeit nehmen.
Erzählen.
Fragen stellen.
Weinen.
Weitermachen.
Rausgehen.
Bewegung.
Regen spüren und Sonne auch.

Begegnungsnotizen:
Die Nachbarin von oben im Treppenhaus.
Menschen im Drogerie- und Supermarkt.
Freundin B.

Standard
Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der hundertachtzehnte Tag im Danach: Grillabend

Eine Einladung, ein Essen mit Freunden, alte Bekannte und neue Menschen. Mich gleichzeitig aufgehoben und fremd fühlen, die Grundtraurigkeit akzeptieren lernen.

24. Mai 2021. Montag. Pfingstmontag. Kurz nach sechs vom Sonnenlicht geweckt. Die Vögel singen. Schön.

Für den Nachmittag habe ich eine Einladung bei einer Bekannten, ein befreundetes Paar wird auch kommen; im Hofgarten soll gegrillt werden.

Ein Teil von mir hat darauf überhaupt keine Lust, möchte lieber einen langen freien Tag vor sich haben, möchte frei mäandern, möchte Arbeitsdinge erledigen, schreiben, vielleicht wieder mal einem Hobby frönen, zu einer Familie recherchieren oder ähnliches.
Das ist der Teil, der auch oft H. von Unternehmungen abgebracht hat: ‚Ich bin zu gestresst, das überfordert mich, ich brauche Ruhe, will mich ausruhen, erholen.‚ Um dann den Tag am Rechner zu verbringen und am Ende zu bedauern, dass das Leben ereignislos vorüberzieht.

Ein anderer Teil von mir freut sich: Raus kommen, neue Eindrücke gewinnen, Menschen treffen, Möglichkeiten erkunden, Kontakte knüpfen, Beziehungen pflegen.
Das ist der Teil, dem ich gerne mehr Raum geben möchte, auch wenn es mich höllisch anstrengt. Der Teil, der H. ähnlicher ist, den H. wohl auch mehr mochte, den er besser verstand. Und der Teil, der mich vielleicht meinem Ziel näher bringt, wieder irgendwo in irgendeiner Gemeinschaft eine Heimat zu finden. Der offene, unternehmungslustige, neugierige Teil.

Natürlich auch Gedanken der Trauer und des Bedauerns, dass H. und ich diese Einladung nicht gemeinsam wahrnehmen können (wobei wir sie gemeinsam vermutlich nie erhalten hätten, weil wir mit den Einladenden nicht mehr so eng verbunden waren, das hat sich erst nach der Beisetzung wieder angenähert).

* * * * *

Wahrscheinlich die Quintessenz meiner Trauer und Trauerarbeit: Dieses ständige, alles durchdringende Gefühl von Traurigkeit, Bedauern, Melancholie, Verlassenheit, Einsamkeit und Sehnsucht auszuhalten und irgendwie damit leben zu lernen. Zu lernen, wann (und wie) ich es gefahrlos wegdrücken kann (oder sogar sollte). Wann (und wie) ich mir den Raum schaffe, es zuzulassen und durchzustehen, weil es nur so irgendwann schwächer werden und vielleicht zeitweise wieder vergehen kann.

* * * * *

Ich habe keinen Kopf, vor dem Treffen noch etwas Sinnvolles zu machen, weder für die Arbeit noch für mich noch in der Wohnung. Ich backe eine Ladung Nussschnecken, schreibe, lese, schlafe ein wenig.

Kurz nach drei gehe ich noch schnell zum türkischen Bäcker, etwas Brot holen. Es gibt weder Baguette noch Pide noch Brötchen, also nehme ich eine Sesamstange mit Oliven und einen Butterring mit Schafskäse mit. Muss dann nochmal in die Wohnung hoch, weil ich das Handy liegengelassen habe.

Um halb vier wieder unten treffe ich das befreundete Paar am Platz, wir gehen zusammen. Unterwegs erfahre ich, dass noch dieser oder jener kommt, und ich denke kurz ‚Dann hätte ich auch absagen können, das wäre gar nicht aufgefallen.‘ Irgendwie war ich davon ausgegangen, dass wir uns in sehr kleiner Runde treffen.

Es bleibt dann auch eine verhältnismäßig kleine Runde, wir sitzen im Hofgarten an einer langen Tafel, die meisten haben sich testen lassen oder sind bereits geimpft, ich bemühe mich, niemandem zu nahe zu kommen, das gelingt auch ganz gut.

Es ist ein angenehmer Abend, es wird kurz auf H. angestoßen, die Hälfte der Anwesenden kannte ihn, die andere nicht; ein alter Bekannter ist da, den ich zuletzt gesehen hatte, bevor H. und ich ein Paar wurden (aber schon eng befreundet waren), der kannte H. schon vor mir, aus der Kneipe, wo H.s zweite Band verkehrte. Er nennt ihn „besserwisserisch“ und „intolerant“, ich widerspreche vehement, und wir einigen uns auf „meinungsstark“ und „stur“. Mir fällt wieder ein, warum ich mich von diesem Menschen irgendwann zurückgezogen habe: Er ist zu sehr von sich überzeugt und hat seltsame ethische Standards.

Einer fragt interessiert nach H.s Musik und den Bands, das freut mich; es ist schade, nichts im Netz zu finden, MW. hat da schon recht, da müssen wir was machen.

Von vier bis zwölf sitzen wir, dann gehe ich gemeinsam mit dem Paar, mit dem ich hergekommen bin, wieder nach Hause.

Zu Hause kommt die ganze Anspannung raus, und ich „muss“ massives skin picking betreiben. Schreibe Freund B: eine Nachricht, der antwortet sogar noch; mache den Fernseher an, aber ich komme nicht zur Ruhe. Ich bräuchte jetzt H., mit dem ich noch ein Stündchen zusammensitzen und vielleicht noch etwas trinken und den Abend und unsere Eindrücke durchsprechen würde – denn Mitternacht ist nun wirklich keine Zeit, und wenn wir zusammen dagewesen wären und es kein Alkohol-Ausschankverbot ab 23:00 Uhr wegen Corona gegeben hätte, wären wir noch in irgendeiner Kneipe gelandet und hätten noch ein oder zwei Bier getrunken, um den Abend abzuschließen. Oder eben wenigstens zu Hause gesessen, und wenn wir kein Bier mehr gehabt hätten, hätten wir Wein getrunken oder den angesetzten Waldmeister oder zur Not den Fruchtwein, den ich ungeöffnet wieder mitgebracht habe.
Hätte, hätte.

So muss ich allein mit meiner Anspannung klarkommen, die natürlich auch um einiges höher ist als wenn H. dabei gewesen wäre.
Ich habe mich sehr lange nicht mehr in einer Gruppe von Freunden und wohlgesonnenen Menschen so fremd und fehl am Platze gefühlt, obwohl ich gleichzeitig fröhlich, zugewandt, interessiert, freundlich und mitteilsam war.

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
In den Arm genommen werden.

What I did today that could matter a year from now:
Unter Menschen gehen.

Was wichtig war:
Ausruhen.
Ja sagen.
Sprechen.
Zuhören.
Ich sein.

Begegnungsnotizen:
Bäckerei
Gastgeberin M., Freunde K & F, Bekannter G., Freunde von M.

Standard
Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der hundertsiebzehnte Tag im Danach: Einen Tisch aufbauen und eine Flasche Saft austrinken

Ein Besuch bringt Gesellschaft, Abwechslung und komische Gedanken. Die Traurigkeit wird zum Grundton meines Lebens. Philosophieren über eine Flasche Saft.

23. Mai 2021. Sonntag. Pfingstsonntag. Karnevalsumzugstag. Normalerweise.

Ich bin kurz vor sechs wach, gelbe Rechtecke vom Sonnenlicht an der Zimmerwand, aber die Sonne lugt immer nur kurz hervor, es ist wechselhaft und feucht, Regen liegt in der Luft.

Schon beim Aufwachen bin ich traurig; Erinnerungen und Gedanken an H. fluten mein Hirn. Alles Kleinigkeiten, es ist nicht der große Schmerz, eher so ein grundsätzliches Sehnen, ein ziehender Schmerz wie die Muskeln nach einem Umzug: sie tun noch nicht richtig weh, aber man spürt, dass man etwas getan hat.
Seelenmuskelkater.

Gestern beim Einschlafen kurz ein Aufblitzen des Gefühls: Die Zeit mit H. fühlt sich nicht mehr so „gegenwärtig“ an, nicht mehr als mein jetziges Leben sondern bereits ein bisschen als Teil der Vergangenheit.
Das ist sicher gut und gesund, macht mich aber unglaublich traurig: Schon wieder geht etwas verloren.
Ich kann wirklich sehr schlecht Abschied nehmen, momentan.

Aber in die Traurigkeit mischt sich auch Zuversicht.
Mein Leben hat sich stabilisiert, das ist zwar einerseits langweilig, diese gleichförmig dahintröpfelnden Tage, andererseits aber auch erholsam und dringend notwendig.
In den letzten Tagen sind die körperlichen Stresssymptome (Herzstiche, enge Brust, Übelkeit, Kopfschmerz, entzündete Zähne) fast vollständig verschwunden – und damit ein großer Teil meiner Angst, selber krank zu sein.
Ich bin nicht mehr schon beim Aufstehen knochenmüde und grunderschöpft bis in die letzte Faser. Ich habe immer noch das Gefühl, Schlaf brauchen zu können, Ruhe, Erholung, aber ich fühle mich auch wieder mehr wie ich selbst. Mehr wie mein „altes“ Selbst. Mehr wie „vorher“. Mehr wie 2020.
Und das fühlt sich irgendwie auch wirklich gut an.

* * * * *

Bevor Freund B. kommt, habe ich noch zu tun: Klo putzen, Geschirr spülen, Schnecken backen.
Irgendwann sinke ich doch ermattet ins Bett, schlafe auch nochmal kurz ein, dann ruft B. an, dass er gleich kommt. Er hat nun doch das Auto genommen, um mir einen Blumenkasten vorbeizubringen, wo ich die übriggebliebenen Frühlingsblumen vom Grab einsetzen kann. Ich überlege noch, ob ich sie mitnehme nach K., die Primeln würden dort wachsen; es wäre schön, irgendwo eine bunte Primelecke anzulegen, vielleicht im Beet an der Terrasse.

B. ist erstaunt, wieviel sich in der Wohnung verändert hat, seit er zum letzten Mal hier war, das war am Tag der Wohnungsübergabe, wo hier noch die Waschmaschine angeliefert wurde und noch viel herumstand. „Respekt“ sagt er, er ist ja selber am Räumen und weiß, wie aufwändig das sein kann. Dabei habe ich ja die Sachen nur anders sortiert und hingestellt, nur wenig landete in meinen Schränken, noch weniger im Müll. Die eigentliche Aufgabe, das alles durchzusehen und auszusortieren, steht mir ja erst noch bevor.

Zusammen bauen wir H. alten ausziehbaren runden Esstisch auf, das geht leichter als gedacht und zu zweit auf jeden Fall besser als allein. Wieder was geschafft.

Wir schauen ins Moers-Festival rein, trinken Kaffee, essen Schnecken, reden Belangloses. Brechen irgendwann zu einem Spaziergang auf. Kanal und Park locken ihn nicht, er schlägt den Friedhof vor, also gehen wir dorthin und wandern mal über die benachbarten Friedhöfe, wo noch viel prächtigere Grabanlagen zu finden sind und ein paar historische Berühmtheiten liegen.

Es regnet von Zeit zu Zeit, dann scheint wieder die Sonne, die Temperaturen sind angenehm und der Regen stört nicht. „Wir sind ja nicht aus Zucker“ sagt er, und das ist ein Spruch, den ich auch oft benutze und den H. nie gemocht hat.

Leider triggert der Friedhof Gedanken an TSO und verursacht eine große Traurigkeit: ich fühle mich ungeliebt, allein gelassen, ein Stück weit auch verraten. Ich suche eine Heimat, will irgendwo dazugehören.
Ein sehr altes Gefühl.

Wir gehen wieder zu mir, sitzen noch eine Weile, reden. ich spreche über die widersprüchlichen Gedanken, die ich in Bezug auf das Haus habe, und mir wird wieder bewusst, wie verworren das alles gerade in meinem Kopf ist, wie unentschlossen ich bin.

Nach B.s Weggang wieder sehr traurig. Nicht, weil er weg ist oder weil ich allein bin. Es ist eine tiefergehende Traurigkeit, eine Mischung aus müde, verlassen, einsam, ungeliebt. Der ultimative, existenzielle Trennungsschmerz.

* * * * *

Dem Schmerz begegne ich mit Aktivität: Werfe eine Maschine Wäsche an, bepflanze den Blumenkasten. Schön sieht das aus, die zwei Stiefmütterchen leuchten gelb und zartlila.

Ich mache mir den letzten Rest Kartoffelgratin in der Pfanne warm und schlinge es geradezu hinunter, ich habe jetzt immer einen unbändigen Hunger und könnte den ganzen Tag essen, essen, essen. Teils liegt das wohl wirklich am erhöhten Energieverbrauch, teils ist es Seelen- und Nervenberuhigung. Ich nehme schon wieder zu, das gefällt mir nicht, ich muss aufpassen, was ich da zu mir nehme.

Der Freund aus K. schickt eine Nachricht zum Moers-Festival und weist auf das abendliche Solo-Konzert von John Scofield hin. Das hatte ich auch auf dem Zettel.
Nebenbei recherchiere ich zu einzelnen Grabmalen, die mir heute beim Spaziergang aufgefallen sind, schreibe, hänge Wäsche auf, schicke Freund B. ein Foto des bepflanzten Kastens.

Ich muss aufpassen, dass ich B. gegenüber nicht jede Idee erzähle, die sich in meinem Kopf formt, er hat eine Tendenz, alles schnellstmöglich umzusetzen, das überfordert mich, weil ich es entweder noch nicht endgültig entschieden habe oder selber machen möchte oder vielleicht auch gar nicht. Das passierte mir heute mit den Wasserhähnen, und er erwähnte auch einen möglichen Transport der Sessel und anderer Dinge nach K. „im Juli“. Wann sollen wir das beschlossen haben? Ich bin gar nicht mehr so sicher, ob ich die Sessel dorthin schaffen soll, weil ich ja auch nicht weiß, ob ich das Haus behalte. Außerdem würde ich sie vielleicht neu polstern und beziehen und das Holz aufarbeiten lassen, das geht hier womöglich besser.
Auch hier viele vage Ideen, aber nichts entschieden.
Da waren H. und ich uns ähnlich: wir ließen uns mit Entscheidungen gern Zeit, und wenn wir dann soweit waren, planten wir die Umsetzung generalstabsmäßig. Das „schnell mal eben machen“ war nie unser Ding, und ich tue mich schwer damit, obwohl ich auch gern ein bisschen mehr davon hätte. Aber solche Leute stressen mich auch ungemein, weil sie Fakten schaffen, von denen ich noch gar nicht weiß, ob ich sie (so) will. Und dann erwarten sie dafür noch Dankbarkeit.

* * * * *

Im Laufe des Nachmittags habe ich fast eine komplette Flasche Quittensaft getrunken. Dieser Saft stand jetzt seit langer Zeit in H.s Kühlschrank, er bekam sie bei einem Vor-Ort-Termin von Kunden geschenkt. Zwei Flaschen, um genau zu sein, die andere steht noch, inzwischen natürlich in meinem Kühlschrank.

Wegen dieser Flaschen hatte er schon langsam ein schlechtes Gewissen bekommen: „So etwas Gutes, den müssen wir mal trinken, bevor er verdirbt!“ Aber er vergaß immer, ihn mitzubringen und trank ihn auch nicht selber, wenn er zu Hause war. Zu besonders?

Das alte Problem: Er bekommt etwas, schätzt es unglaublich hoch ein, weil es etwas für ihn Besonderes ist, dann noch etwas Selbstgemachtes, er weiß, mit wieviel Arbeit und Mühe die Herstellung verbunden war, das macht es noch spezieller. Das kann man nicht „einfach so“ verbrauchen, das muss hoch geschätzt und entsprechend gewürdigt werden.
Nur dass die besondere Gelegenheit nie kommt. Oder wenn sie kommt, denkt man nicht an diese besondere Spezialität, die da noch irgendwo steht und auf ihren großen Tag wartet.
Dann steht das da, von Zeit zu Zeit sieht man es, denkt, ‚das müssen wir auch unbedingt mal genießen‘, vergisst es wieder, plant eben nichts damit, und irgendwann ist es zu alt, schmeckt nicht mehr gut, ist möglicherweise sogar verdorben, dann wirft man es weg und geißelt sich deswegen: Was für eine Veraasung! So etwas Tolles!

Wir hatten das sehr oft.

Eigentlich müsste ich also stolz sein, dass ich den Saft nun auf den Tisch stelle, wo ein guter Freund zu Besuch kommt – wenn das kein angemessener Anlass ist? Auch wenn der Freund davon gar nichts trinkt, aber das ist egal, der Saft hatte seinen Einsatz.

Aber stattdessen bin ich endlos traurig, dass diese Flasche Saft nun geleert und fort ist. Diese Flasche, die mich an H. und an den Kunden erinnerte, an den Termin, von dem er mir erzählt hatte, und an andere Geschenke von anderen Kunden und an Saft, den ich mal beim Baumblütenfest in Werder gekauft hatte und an die Baumblütenfeste, die ich mit H. zusammen besucht hatte, und an Quittensaft, den ich auf dem Rixdorfer Weihnachtsmarkt gekauft hatte, von einem Erzeuger aus einem Ort in der Nähe des Sees, an den H. und ich gerne fuhren, um dort zu baden, spazieren zu gehen und im benachbarten Wald Pilze zu sammeln.

So viele Erinnerungen verbinde ich mit einer Flasche Saft, und wie kann ich den „einfach“ austrinken?
Und vielleicht ging es H. ganz ähnlich, vielleicht verband auch er mit dieser harmlosen Flasche Saft unzählige Gefühle und Erinnerungen, die es schlicht verboten, den Saft „einfach so“ auszutrinken. Vielleicht machten all diese Erinnerungen und Gefühle den Saft so besonders

Unendliche Traurigkeit.

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
Hilfe bekommen

What I did today that could matter a year from now:
Über das Haus nachdenken. Bedenken äußern. Alternativen ausloten.

Was wichtig war:
Besuch bekommen.
Nicht allein sein.
Den Tisch zusammenbauen.
Den Wasserhahn freilegen.
Rausgehen.
Bewegung.
Backen.
Nachdenken.

Begegnungsnotizen:
Freund B.

Standard