Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Nach-Reisetag

26. Januar 2020. Sonntag. Sehr unruhige Nacht. Aufgewacht um 01:38, um 03:17, um 04:43 und um 05:13. Dann aufgestanden, das ist ja fürchterlich.

Heute war Wieder-Ankomm- und Aufräumtag, also (in keiner besonderen Reihenfolge) ausgepackt, weggeräumt, Rechner synchronisiert, Updates installiert, Telefonumleitung rausgenommen, RSS-Feeds weggelesen, Nachrichten gelesen, Tagebuch nachgetragen, Schreibtisch aufgeräumt, geduscht, alle anstehenden Aufgaben gesammelt, sortiert und geplant, Meine To-Do-Liste ein wenig umstrukturiert, Weihnachtskekse gegessen (ich habe hier noch ein kleines Depot), Fotos bearbeitet, Fotos anderer Leute angeschaut, Internet gelesen, einen weiteren vergeblichen Sendersuchlauf im TV gestartet und schließlich das terrestrische Antennenfernsehen wieder aktiviert, Ei mit Gurke als Imbiss gegessen und schließlich abends mit einer Bahnfahrt durchs winterliche Norwegen im Fernsehen hungrig aufs Abendbrot gewartet.

Alles gut, alles ordentlich, alles klar.
Ich bin zufrieden.

Woran ich mich erinnern will:
Der Nach-Reisetag sollte mir immer zur völlig freien Verfügung stehen, dann geht es mir gut.

What I did today that could matter a year from now:
Ein paar neue Gedanken gedacht über tiefer statt breiter, über Soup-Port-Meetings und über Quo Vadis, aus denen vielleicht etwas werden wird.

Was wichtig war:
Ordnung.
Organisation.
Klarheit.
Überblick.
Struktur.
Ausruhen.

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Reisespaß

25. Januar 2020. Samstag. Unruhig geschlafen, denn H. hat noch die halbe Nacht im Keller und die andere halbe vor seinem Computer verbracht und ist erst um 4:00 Uhr ins Bett gekommen, und ich wurde dauernd wach und musste nachschauen, wie spät es ist und mir Sorgen machen, wie wir heute das Endspurt-Programm gemeinsam durchziehen wollen, wenn er nur so wenig geschlafen hat.
Als er dann endlich im Bett ist, beginnt er so unglaublich laut zu schnarchen, dass ich für die letzten zwei Stunden noch aufs Sofa in meinem Zimmer umziehe.
Der Wecker um 6:00 klingelt dann doch zu früh, ich schlafe nochmal weiter bis 6:45, das fühlt sich zwar immer noch nicht ausreichend an, aber es wird funktionieren, ohne dass ich gleich wieder Migräne bekomme.

Im halbwachen Liegen zwischen vier und fünf schon mal ein wenig Bilanz gezogen über diese fast vier Wochen: Mit welchen Wünschen ich herkam, was ich davon tatsächlich gelebt habe, was gut lief und was nicht so gut und warum das eventuell so gewesen sein könnte.

Erkenntnis: Mein hauptsächlicher natürlicher Impuls war: Ruhe. Lesen, essen, schlafen, essen, lesen. Von Zeit zu Zeit kurz in den Garten wegen Licht und Luft. Ich hatte keine große Lust auf Bewegung, nur etwa alle vier bis fünf Tage war es mir tatsächlich ein Bedürfnis rauszukommen: auf eine Runde durchs Dorf, zu etwas Gartenarbeit, in die Stadt.

Dass ich viel mehr gemacht habe, liegt daran, dass ich zu Impulsen, die von außen kamen, oft Ja gesagt habe.
Und das war schön und hat mich kein einziges Mal gestresst.

* * * * *

Nach dem Gang zum Bäcker nerve ich H. dann irgendwann aus dem Bett, und er ist entsprechend gut drauf, nach viereinhalb Stunden Schlaf.
Immerhin bringen wir ein friedliches Frühstück zusammen, Saugen wird gecancelt, und alles andere klappt so gut, dass wir sogar noch ein paar Minuten mit den Nachbarn plaudern können.

Kurzer Angstmoment als wir an der Bushaltestelle entdecken, dass in der nächsten Kurve der vorherige Bus steht, der vor einer halben Stunde abgefahren ist. Auch Polizei ist da, es sieht aber alles recht ruhig aus und kein Krankenwagen oder so.
Trotzdem: Die Straßen sind eng, der hängt in der Kurve – wenn unser Bus da nicht vorbei kommt, brauchen wir ein Taxi, aber schnell, sonst ist der Zug weg, was wegen zugbindung teuer wird.

Es klappt dann aber alles, der vorige Bus ist an einem parkenden Auto vorbeigeschrammt, und die Straße ist inklusive Bürgersteig breit genug, dass unser Bus an der Unfallstelle vorbeikommt. Puh!

Die weitere Reise verläuft ereignislos; wir fahren wieder Erste Klasse, zuerst mit dem Regionalexpress nach K., dann mit dem ICE nach Berlin.
Der ICE wird erst mit „ca. 10 Minuten später“ angekündigt, fährt dann aber doch rechtzeitig ein und pünktlich ab.
Ich habe es noch nie erlebt, dass sich die Deutsche Bahn dafür entschuldigt, pünktlich zu sein: „Wir hatten vor der Bereitstellung ein kleines technisches Problem, das haben wir aber rechtzeitig gelöst und fahren nun doch pünktlich ab. Falls Sie dadurch Stress hatten, möchten wir uns dafür entschuldigen.“

Am Ende sind wir sogar zehn Minuten zu früh in Berlin, und as auf einer der deutschen Hauptstrecken – wir können über DB wirklich nicht meckern.
S- und U-Bahn nach Hause, dort noch den J. getroffen, aber so ganz da bin ich noch nicht.

Woran ich mich erinnern will:
Wie. Super. Bequem. Ich. In. Der. Ersten. Klasse. Sitze.
Keine Schmerzen, keine Migräne, kein Stress. Entspannung pur. Ich will bitte immer so reisen!
Auch wenn die Tante schräg gegenüber permanent sabbelt. Egal!

What I did today that could matter a year from now:
Kontaktpflege.
Bahn fahren statt Auto oder Bus. Oder gar Flieger.

Was wichtig war:
Ruhig bleiben.
Mich beruhigen als ich es nicht blieb.
Bequem und stressfrei reisen.
Ein freundliches Wort, ein Lächeln. Oder auch zwei.
Bereit sein, Pläne über denhaufen zu werfen.
Beim Erhalt einer Sabbelmail ruhig bleiben und es abhaken.

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Abreisevorbereitungen

24. Januar 2020. Freitag. Nachts öfter mit Wadenkrämpfen erwacht. Zwei Abende nicht unerheblich Alkohol zu trinken, wirkt sich auf den Mineralstoffhaushalt aus.
Aufgestanden um halb acht, draußen kommt es mir milder vor, obwohl das Thermometer immer noch minus 1,1 Grad anzeigt.
Grau ist es.
Und ich bin erschöpft und übernächtigt.

Da heute der letzte Tag vor der Abreise ist, stehen Hausputz und Packen an. Das kommt mir ganz gelegen, denn auf Kopfarbeit verspüre ich wenig Lust.
Immerhin erledige ich eine kleine Arbeit für ein Dauerprojekt und muss wieder wegen Rechtskram nerven.

Der Vormittag vergeht mit Wirbeln, und fast fühlt es sich so an als würde wir nachmittags schon in den Zug steigen. Dann Vollbremsung: Der Haushalt ist klar, die Wäsche gewaschen, getrocknet und gefaltet, alle Sachen liegen zum Packen bereit – und nun?

Ich räume noch ein bisschen meinen Rechner auf und rufe M. an, während H. nach einem Mittagsimbiss im Keller verschwindet und noch was zum Aufräumen findet.
Er kommt nur kurz zum Abendessen hoch, dann geht es weiter, während ich mich langsam zur Ruhe begebe.

 

Woran ich mich erinnern will:
Das Gefühl, alles 24 Stunden zu früh fertig zu haben. Unbezahlbar.

What I did today that could matter a year from now:
Wasser sparen.
Heizung sparen.
Mich nach jemandes Befinden erkundigen.
Kontakte pflegen.
Jemandem zum Geburtstag gratulieren, obwohl ich gerade nicht gut auf ihn zu sprechen bin.

Was wichtig war:
Handarbeit.
Mails lesen.
Dinge gleich erledigen.
Nichts aufschieben.

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Endlich eine Jacke

23. Januar 2020. Donnerstag. Das erste Mal um Viertel sechs wach. Zu früh. Das nächste Mal nach halb sieben. Aufgestanden, weil wir vormittags in die Stadt wollen und ich vorher noch einem größeren Fehler bei einer Website auf den Grund gehen muss.
Fehler gefunden, verschiedene Lösungsalternativen möglich, aber keine überzeugt so richtig. Es gut und „richtig“ zu machen, ist zu teuer.
Ich muss nachdenken.

Wir nehmen den Bus um 11:00 und drehen in der Stadt eine Runde: Blumenladen, dort einen bunten Tulpenstrauß für die Nachbarin gekauft. Dann zwei Klamottenläden, wo – Wunder geschehen! – H. nach jahrelanger Suche eine passable Jacke findet, die er auch zu Kunden anziehen kann und mag. Und das beste: Sie ist von wirklich guter Qualität und von 200 Euro auf 100  Euro herabgesetzt. Dank ausgeklügelter Rabattaktionen kommen noch zwei Unterziehrollis dazu, und am Ende zahlt er statt 240 Euro nur 102. Er ist glücklich, und ich bin es auch.

Dann ein kurzer Zwischenstopp an der Imbissbude, für jeden eine gigantische Portion Pommes, dann weiter zum SUpermarkt, wo wir letztendlich nur acht Flaschen Bier kaufen wie so zwei Asis. Wir passen damit aber gut ins Bild in diesem Laden.
Zur Bushaltestelle, der Bus hat zum Glück fünf Minuten Verspätung, sonst hätten wir ihn knapp verpasst. Er ist sehr voll, denn irgendwo war gerade Schulschluss.

Nach einer etwas beschwerlichen Fahrt mit halb ausgekugelter Schulter (weil ich mich so krampfhaft festhalten musste) und lahmen Händen und Armen (weil der Blumenstrauß so dick war), waren wir gegen halb zwei wieder zu Hause.

Dann mussten zwei Maschinen Bettwäsche gewaschen und aufgehängt werden, ein paar Kleinigkeiten an Websites waren zu erledigen, und die Lieblingskundin hatte noch Bedarf an einem längeren Telefonat, um Kleinkram zu besprechen.

Ich machte spät eine kurze Pause mit Knäckebrot und Buch im Sessel, dann musste ich noch ein Angebot kalkulieren, dabei tauchten Fragen auf, auf die ich teilweise recht schnell Antwort bekam, und bald war es halb sechs und wir mussten uns fertig machen, denn wir waren bei den Nachbarn eingeladen zum Geburtstag nachfeiern.

Das war nett, wir waren zu sechst (die Nachbarn und ihre ältesten Freunde), es gab Oliven undSchafskäse mit selbstgebackenem Brot als Appetizer und dann Lachs mit Reis und viel Salat, nachher Eis mit Eierlikör.
Man erzählte von den Enkeln, das war ungefährlich, man tauschte Nachrichten über die jüngste Todesfälle aus oder was aus diesem oder jenem geworden ist, von dem man lange nicht gehört hatte.
Als mn nach genug Alkohol etwas ins Politisieren kam, taten sich schnell Abgründe auf,aber als es drohte, unangenehm zu werden, bogen die Gastgeber das geschickt ab und die Gäste gingen dann auch bald.
Danach noch vertrauter Plausch mit den Gastgebern bis wir uns gegen eins auch endlich verabschiedeten (H. wollte wieder kein Ende finden, aber ich drängte etwas).

Woran ich mich erinnern will:
So offen und fröhlich hier immer alle tun (Rheinländer!): Einfach mal mit fremden Leuten locker quatschen, vielleicht ein paar Scherzchen oder freche Bemerkungen austauschen, ist nicht so üblich. Wie angenehm, dass das mit der Frau im Blumenladen gelang – die aber vom Dialekt her auch nicht von hier zu sein schien.

What I did today that could matter a year from now:
Beziehungen pflegen.
Mich über jemanden informieren, den ich kürzlich kennengelernt hatte.

Was wichtig war:
Kontakt.
Kommunikation.
Freundlichkeit.
Geduld.
Mich zurücknehmen.
Zuhören.
Erzählen.

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After-Party-Kopf

22. Januar 2020. Mittwoch. Gestern Abend noch sehr, sehr lange mit H. zusammengesessen und zusammen drei Flaschen Weißwein getrunken. Heute ging es mir deswegen nicht so gut, es wurde ein Faulenzer-Tag.
Ein paar Mails beantwortet, ansonsten: lesen, aus dem Fenster schauen, dösen, schlafen.
Blöd, dass ich dadurch hier einen ganzen Tag verliere, aber jetzt nicht mehr zu ändern.

Abends nochmal aufgerafft und ein neues Projekt für die Lieblingskundin an den Start gebracht.
Später Scrabble mit H.

Woran ich mich erinnern will:
Wasser zum Alkohol trinken, Herrgott nochmal!

What I did today that could matter a year from now:
Nochmal den Rohrlecks auf der Spur gewesen und eine zweite Stelle an einem anderen Rohr gefunden.

Was wichtig war:
Ausruhen.
Mir frei geben.
Trotzdem was machen als es ging.
Ja sagen.

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Wintereinbruch

21. Januar 2020. Dienstag. Kurz nach sechs aufgestanden. Draußen riecht es nach verbranntem Holz, womit hier wohl etliche heizen. Milliarden Sterne stehen am Himmel, und es ist knackig kalt.
Später zieht dicker Nebel auf, und alles ist mit Rauhreif bedeckt. Mir gelingen ein paar schöne Fotos.

Nach Arbeit ist mir heute nicht, ich fühle mich emotional verkatert und mental gelangweilt. Ich lege mich mittags hin, lese, döse und schlafe bis gegen drei Uhr nachmittags.
Dann zusammen mit H. die zerlegten Möbel nach vorne getragen und im Carport sauber genacht. Kurzes Schwätzchen mit dem Nachbarn.

Nach einem kleinen Imbiss noch Kleinkram für die Lieblingskundin erledigt und mich weiter über ein wichtiges Arbeitsthema informiert.

Um halb sieben wieder die Starlink-Satelliten beobachtet und wenig später erstmals seit langer Zeit wieder die ISS gesehen.

Woran ich mich erinnern will:
Winterlicht, Nebel, Eis.

What I did today that could matter a year from now:
Wer weiß?

Was wichtig war:
Mich aufraffen.
Ja sagen.
Bewegen.
Lernen.

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Starlink schauen

20. Januar 2020. Montag. Um halb sechs wach und diesmal auch aufgestanden, denn der Kunde will gegen neun anrufen, und dann möchte ich wach und mit meinen Morgenritualen durch sein.
Beim morgendlichen Gang vor die Tür riecht es unglaublich intensiv nach feuchtem Laub und Moder, ein Geruch, den ich sehr mag.
Die Wolkendecke reißt auf, vereinzelte Sterne sind zu sehen. Es soll jetzt kälter werden.

Für das Telefonat installiere ich mich im Wohnzimmer, weil dort besserer WLAN-Empfang fürs Handy ist, um nebenbei mal schnell ein paar Dinge überprüfen zu können.
Das Telefonat dauert etwas über eine Stunde und hat den Tenor: Machen Sie nicht zuviel, da soll der Support ran, und wenn die nicht spuren, kündigen wir das eben und starten nochmal neu.
Ich weiß noch nicht, wie ich das finde, also vor allem den Teil mit „starten wir neu“.

Danach finde ich lange nicht zu mir, mache allerhand Kleinkram, und erst eine Datenanalyse, bei der es Konzentration braucht, bringt mich wieder zu mir.

Nachmittags bin ich hibbelig, außerdem scheint die Sonne so schön, ich will draußen was machen.
Da stehen noch Kleinmöbel auf der Terrasse, die sollen übermorgen zum Sperrmüll, die zerlegte ich dann mal eben. Sehr befriedigend.

In Berlin würde ich diese Teile beim Trödler loswerden, und irgendjemand würde sie haben wollen, aber hier müsste ich noch richtig Geld bezahlen, damit jemand anders sie abholt und Gott weiß was mit ihnen anstellt (in einem Hangar lagern? Verfeuern? Auf den Müll schmeißen? Im Wald abladen?).
Wenn ich sehe, was hier bei Wohnungsauflösungen auf der Müllkippe (oder Verbrennungsanlage) landet, wird mir schlecht. In Berlin könnte ein Heer von Trödlern davon leben, würden unzählige Hipster-Cafés und WGs damit eingerichtet, würden Filmsets mit Requisiten bestückt usw.

Nach Wäsche und etwas Internetlesen um sechs Uhr raus, um die Perlenschnur der Starlink-Satelliten anzuschauen. Ich halte zwar nichts davon, den Orbit zuzumüllen, aber ein beeindruckender Anblick ist das schon… (Starlink-Tracker)

Dann noch ein wenig zu (m)einem neuen Thema gelernt und zusammengeschrieben. Es droht, eine Abhandlung zu werden – vielleicht mein erstes Premium-„Whitepaper“ für die neue Website?

Woran ich mich erinnern will:
Satelitski.

What I did today that could matter a year from now:
Aus völlig brauchbaren Möbel Müll machen 😦
Immerhin ein paar Bretter zur weiteren Verwendung verwahren.
Ein wichtiges Grundsatzgespräch führen.

Was wichtig war:
Auf mein Bauchgefühl hören.
Offen sein.
Geduld.
Vorbereitung.
Einfach machen.

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