Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen, Zitate

Im Regen sitzen

14. Oktober 2020. Mittwoch. Aufgestanden um halb acht mit Kopfschmerzen: Nächtlicher Zug, verspannter Nacken (anderer Monitor), ein Tiefdruckgebiet, Stress. Schön, wenn man sich die Ursachen seiner Beschwerden aussuchen kann.

Die Berliner Infektionszahlen gehen durch die Decke (706 Neuinfektionen innerhalb 24 Stunden), und es wird nicht mehr diskutiert, ob es eine zweite Welle gibt, sondern nur noch, wie man möglichst gut durchkommt. Die Ahnungs- und teilweise Kopflosigkeit der Entscheidungsträger tritt dabei offen zutage.

Daher ist mein Satz des Tages auch dieser hier von Christian Fischer:

Liebe Politiker, wissen Sie, wen ich wirklich gerne wählen würde? Jemanden die sagt: „Das ist jetzt alles Scheiße, es wird auch nicht wieder normal, aber wir müssen da jetzt gemeinsam durch.
Und nicht Euch mit Eurem peinlichen Allmachts-Aufrechterhaltungs-Gebaren.

Christian Fischer aka jawl: 13.10.2020 – let’s go to the mall (hmbl.blog)

Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal über ein:e CDU-Politiker:in sagen würde, aber: Angela Merkel macht aktuell einen verdammt guten, möglicherweise den besten Job von allen.

Und warum die Zahlen sind, wie sie sind, konnte ich mal wieder live beobachten: Die Nachbarwohnung wird immer wieder auf Zeit vermietet, meist an Studenten. Gestern Abend war Wohnungsbesichtigung. Ein geschniegelter Maklertyp, sein junger Hiwi und vier Interessent:innen drängeln sich in der 40-Quadratmeter-Wohnung. Nur der Hiwi trägt eine Maske.

* * * * *

Heute Vormittag M. getroffen, wir machen zusammen Einkäufe, sitzen dann durch Planen vorm Dauerregen geschützt vor einem Café und genießen Milchkaffee und gefüllte Croissants. Nach zwei Stunden, als wir langsam aufbrechen wollen, fällt M. ein, warum wir uns eigentlich getroffen haben: Das Handy-Guthaben muss aufgeladen werden. Sie hat das über ihr Online-Banking gemacht, und wie alles bei dieser sehr, sehr großen Bank ist es unnötig kompliziert. Ich schicke also wie gefordert eine SMS mit einer endlosen PIN an eine bestimmte Nummer. „Warten Sie auf die Bestätigungs-SMS. Telefonieren Sie los!“ heißt es in der Anleitung.

Also warten wir. Und warten. Dann kommt eine SMS. Ich lese: „Um Guthaben aufzuladen geben Sie bitte *130*die erhaltene PIN-Nummer# ein„. Ich tippe also nochmal. Wir warten. Und warten. Dann endlich die erlösende Nachricht: Ihr Guthaben wurde aufgeladen!

Bei meiner Bank gebe ich im Online-Banking die Telefonnummer und eine TAN ein und wenige Sekunden später ist das Guthaben auf dem Gerät.

* * * * *

Nach einem Einkauf bin ich gegen zwei zu Hause und platt und aufgedreht gleichermaßen. Sensorisch überreizt.

H. ruft an, weil er morgen zum Elektronikmarkt muss, um einen Kundenrechner zu kaufen: Hattest Du schon Zeit, Dich mit dem Thema neuer Monitor zu beschäftigen? Ich hatte erfolgreich verdrängt, dass es dieses Thema überhaupt gibt, aber es stimmt: ich hatte vor dem Urlaub meinen Arbeits-Monitor einer schwer kranken Bekannten überlassen, die sonst ohne Zugang zu Internet und Mails gewesen wäre, weil ihr Uralt-Monitor den Geist aufgegeben hatte. Nun hatte sie sich in den Monitor verliebt und scheute wohl auch den Stress, sich einen neuen besorgen und einrichten zu lassen, also hatte ich ihr meinen als Gebrauchtgerät verkauft und von H. einen bekommen, den der übrig hatte. Trotz besserer Auflösung werde ich mit dem Teil aber nicht warm und deshalb soll jetzt ein neuer her.

Wir verbringen also eine Stunde am Telefon, währenddessen recherchiere ich nach Angeboten, schnell kristallisieren sich zwei Kandidaten heraus, und nun werden wir also morgen gemeinsam losziehen und Großenkauf machen.

Dann mit etwas Überwindung noch am Großprojekt der Lieblingskundin weitergenmacht und ihr nochmal einen großen Brocken Arbeit zuschustern müssen, den sie leider bisher erfolgreich verpennt/ verdrängt hat. Blöd sowas, kurz vor Schluss, aber was muss, das muss.

Um fünf so dermaßen durch, dass Arbeit keinen Sinn mehr macht. Also räume ich noch ein wenig auf der Festplatte auf und höre dabei auf Spotify erstmalig meinen „persönlichen“ Mix der Woche, den die KI basierend auf meinen Hörgewohnheiten zusammengestellt hat. Recht treffend, wie ich sagen muss. Teilweise meine ich sofort zu erkennen, warum nun dieser oder jener Titel aufgenommen wurde, bei anderen Sachen bin ich angenehm überrascht. Und mache ein paar Neuentdeckungen, tanze ein wenig, bekomme gute Laune, entspanne mich. Was will man mehr?

Abends kocht wieder H., es gibt gebratenen Thunfisch mit Andaliman-Pfeffer, dazu Kartoffelpüree mit geräucherter Paprika und scharfes Paprika-Stangensellerie-Gemüse. So lässt es sich leben.

Im Fernsehen (auf ARTE, wo sonst) der sehr interessante Film Enemy von Denis Villeneuve. Starke Bilder, interessante Musik, schräges Ende. Sehr schön.

Woran ich mich erinnern will:
Wie sehr andere Gedanken, andere Themen meinen Kopf anregen, selbst wenn er völlig erschöpft ist.

What I did today that could matter a year from now:
Unter Menschen gehen.

Was wichtig war:
Rausgehen.
Da sein.
Zuhören.
Ideen entwickeln, Anregungen geben.
Entscheidungen treffen.
Close open loops.

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